{"id":37,"date":"2012-06-17T21:35:19","date_gmt":"2012-06-17T19:35:19","guid":{"rendered":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/2012\/06\/17\/solidaritaet\/"},"modified":"2017-09-23T13:54:15","modified_gmt":"2017-09-23T11:54:15","slug":"solidaritaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/2012\/06\/17\/solidaritaet\/","title":{"rendered":"Solidarit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>So|li|da|ri|t<u>\u00e4<\/u>t <i>die<\/i>; -(lat.-fr.): Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl, Gemeinsinn \u2013 aus: Duden, das Fremdw\u00f6rterbuch, 9. Auflage, S.969<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein starkes Wort, <i>Solidarit\u00e4t<\/i>. Gemeinhin verstanden als eine Form der gegenseitigen Hilfe, des Zusammenhalts. Durkheim unterschied in seinem Werk &#8222;\u00dcber soziale Arbeitsteilung&#8220;[<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/\u00c9mile_Durkheim#.C3.9Cber_soziale_Arbeitsteilung_.281893.29\" target=_blank>1<\/a>] von 1893 zwischen zwei generellen Formen der Solidarit\u00e4t:<\/p>\n<ul>\n<li>Die <i>mechanische Solidarit\u00e4t<\/i> beruht auf den Gemeinsamkeiten der Menschen. Hierbei kann es sich z.B. um die Zugeh\u00f6rigkeit zu einem Verein handeln oder um ein k\u00f6rperliches Merkmal wie z.B. eine k\u00f6rperliche Behinderung<\/li>\n<li>Die <i>organische Solidarit\u00e4t<\/i> hingegen kann mit &#8222;Zweckb\u00fcndnis&#8220; verstanden werden. Hierbei wird die Solidarit\u00e4t solange geleistet, wie das Ziel nicht erreicht ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p>An und f\u00fcr sich ist <i>Solidarit\u00e4t<\/i> nichts, was &#8222;nur&#8220; von einer linken Bewegung beansprucht wird. In politischen Zusammenh\u00e4ngen werden oft mehrere Worte f\u00fcr ein und dasselbe gebraucht. Meine Erfahrung liegt da bei Worten wie <i>Kameradschaft<\/i>, <i>Kollegialit\u00e4t<\/i> oder <i>Korpsgeist<\/i>. Alle bezeichnen, genauso wie <i>Solidarit\u00e4t<\/i>, den Zusammenhalt der Gruppe\/Bewegung gegen Gegener_innen. Soviel zum Allgemeinen.<\/p>\n<p>Kommen wir jetzt zu dem, worauf ich eigentlich hinaus will: Der Begriff <i>Solidarit\u00e4t<\/i> in der linken Szene.<br \/>\nWenn man in der linken Szene, sei es nun im autonomen, gewerkschaftlichen, parteilichen oder sonstigen Zusammenhang, aktiv ist, wird man ja an allen Ecken und Enden mit Aufrufen zur Solidarit\u00e4t \u00fcbersch\u00fcttet. Ob es nun direkte Aufrufe sind, z.B. der DGB-Aufruf die Schlecker-Mitarbeiter_innen nicht im Stich zu lassen[<a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/presse\/++co++ee2dc188-686c-11e1-672f-00188b4dc422\/@@index.html?tab=Artikel&#038;display_page=1&#038;search_text=Solidarit%C3%A4t\" target=_blank>2<\/a>], oder eher indirekte Aufrufe, so z.B. von der Antifa Jugend Plauen[<a href=\"http:\/\/ajpl.blogsport.de\/2012\/03\/25\/naziaufmarsch-in-plauen-verhindern\/\" target=_blank>3<\/a>]. \u00dcberall sind wir damit konfrontiert. Von meiner Seite finde ich diese Aufrufe auch wichtig, finde es aber auch schade, dass das Wort <i>Solidarit\u00e4t<\/i> so inflation\u00e4r genutzt wird. Zumindest f\u00fcr mich als Linken geh\u00f6rt es einfach dazu. Oder um es genauer zu sagen: F\u00fcr mich als Mensch, der anderen Menschen helfen will. Jetzt kommen wir aber langsam zu einem kleinen Problem. Das Problem des <i>unsolidarisch<\/i> sein. Sehr oft ist mir aufgefallen, das Solidarit\u00e4t auch egoistisch aufgefasst wird. Also das eine Person ein solidarisches Verhalten von anderen auf sich bezogen fordert und die Akzeptanz bzw. das kommentarlose Leisten der Solidarit\u00e4t verlangt. Dabei wurde dann auch gerne mal von der fordernden Person au\u00dfer acht gelassen, das die anderen auch irgendetwas zu tun haben oder einfach nicht wollen. Der Vorwurf &#8222;Sei doch nicht so unsolidarisch&#8220; fliegt dann schon mal schnell durch den Raum. Ein solches Verhalten ist mir vorallem im Zusammenhang mit Gruppen aufgefallen, die sich selbst als <i>solidarisch<\/i> begreifen. Damit meine ich solche Gruppen, die in ihrem Selbstverst\u00e4ndnis stehen haben, sie verstehen sich selbst als <i>solidarisch<\/i> (Gleichg\u00fcltig ob dieses Selbstverst\u00e4ndnis tats\u00e4chlich verschriftlicht ist oder nicht).<\/p>\n<p>Meine Meinung nach entsteht durch diese festlegung &#8222;Wir sind solidarisch!&#8220; ein feststehender Begriff den es nicht zu hinterfragen gilt. Das gleiche konnte ich auch schon bei anderen Begriffen beobachten. Da wurde gesagt &#8222;Wir sind demokratisch, so stehts in der Satzung.&#8220; und doch wurde f\u00fcr die Wahlen immer schon vorher ausgemacht, wer den antreten &#8218;darf&#8216; und wer es lieber lassen sollte. Oder aber es wurde gesagt &#8222;Wir setzen uns f\u00fcr Gleichberechtigung ein.&#8220; und doch wurden weiblich konotierte Menschen stehts sexistisch Behandelt und eine typisch b\u00fcrgerlich-sexistische Ordnung aufrecht erhalten. Nur, weil etwas auf einem St\u00fcck Papier steht f\u00fchrt das, meiner Meinung nach, keine Ver\u00e4nderung herbei.<\/p>\n<blockquote><p>Zwei Dinge sind zu unserer Arbeit n\u00f6tig: Unerm\u00fcdliche Ausdauer und die Bereitschaft, etwas, in das man viel Zeit und Arbeit gesteckt hat, wieder wegzuwerfen. \u2013 Albert Einstein<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieses Zitat erinnert mich immer wieder daran, das alles was ich mache und denke niemals zu einem Ende kommt. Ich schlie\u00dfe vielleicht eine Aufgabe ab, aber das bringt mich niemals zum Ende. Genauso, finde ich, muss eine fortlaufende Reflexion von Begriffen wie <i>Solidarit\u00e4t<\/i>, <i>Basisdemokratie<\/i> oder sonstigem stattfinden. Und man darf keine Angst haben erreichte Erfolge weg zu werfen. Auch wenn es nicht leicht f\u00e4llt, mir gewiss auch nicht, darf man nicht stehen bleiben. Zu sagen &#8222;Meine Meinung steht.&#8220; ist genauso hilfreich wie zu sagen &#8222;Das Papier ist leer so sch\u00f6n, das ich nicht darauf schreiben will&#8220;. In der Werbebranche sagt man, man m\u00fcsse sich immer wieder neu erfinden.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich geht es vielen \u00e4hnlich wie mir. Man ist in seinem gewohnten politischen Ablauf und merkt manchmal gar nicht, wie man sich selbst ver\u00e4ndert. (Selbst-)Reflexion ist nicht einfach, aber warum sollte es das auch sein?! Die einfachen Meinungen sind es doch, die die Welt schlecht machen(Faschismus, Rassismus, etc.).<\/p>\n<p>Mit diesem, recht einfachen, Schlusswort will ich dann auch diesen, recht einfachen, Blogpost beenden. Er ist nicht tiefgr\u00fcndig und k\u00f6nnte gewiss ausf\u00fchrlicher sein. Momentan habe ich aber nur das zusammengebracht bzw. zusammenbringen k\u00f6nnen\/wollen. Ach, bevor ich es vergesse: Die Motivation war ein k\u00fcrzlich mit einer Freundin stattgefundenes Gespr\u00e4ch \u00fcber Zusammenhalt an ihrer Schule und in der linken Szene.<\/p>\n<hr>\n<p>Bemerkung: Ich habe Durkheim[<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/\u00c9mile_Durkheim\" target=_blank>Wiki<\/a>] nicht vollst\u00e4ndig gelesen, sondern nur Ausz\u00fcge zum Thema &#8222;Solidarit\u00e4t&#8220;.<br \/>\n[1] <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/\u00c9mile_Durkheim#.C3.9Cber_soziale_Arbeitsteilung_.281893.29\" target=_blank>http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/\u00c9mile_Durkheim#.C3.9Cber_soziale_Arbeitsteilung_.281893.29<\/a><br \/>\n[2] <a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/presse\/++co++ee2dc188-686c-11e1-672f-00188b4dc422\/@@index.html?tab=Artikel&#038;display_page=1&#038;search_text=Solidarit%C3%A4t\" target=_blank>http:\/\/www.dgb.de\/presse\/++co++ee2dc188-686c-11e1-672f-00188b4dc422\/@@index.html?tab=Artikel&#038;display_page=1&#038;search_text=Solidarit%C3%A4t<\/a><br \/>\n[3] <a href=\"http:\/\/ajpl.blogsport.de\/2012\/03\/25\/naziaufmarsch-in-plauen-verhindern\/\" target=_blank>http:\/\/ajpl.blogsport.de\/2012\/03\/25\/naziaufmarsch-in-plauen-verhindern\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So|li|da|ri|t\u00e4t die; -(lat.-fr.): Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl, Gemeinsinn \u2013 aus: Duden, das Fremdw\u00f6rterbuch, 9. 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