{"id":58,"date":"2013-04-13T18:07:19","date_gmt":"2013-04-13T16:07:19","guid":{"rendered":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/2013\/04\/13\/loyal-to-no-one\/"},"modified":"2017-09-23T13:54:03","modified_gmt":"2017-09-23T11:54:03","slug":"loyal-to-no-one","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/2013\/04\/13\/loyal-to-no-one\/","title":{"rendered":"Loyal to no one?"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p align=center>Nachfolgend mal wieder eine Formulierung von Gedanken(-g\u00e4ngen). Freund_innenschaften kommen dabei relativ fragw\u00fcrdig weg (finde ich).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Es f\u00e4llt mir immer auf. Bei anderen wie auch bei mir. Deswegen will ich jetzt dazu mal einen Blogpost verfassen, weil es f\u00fcr mich ein wichtiges Thema (geworden) ist. Der Titel sagt eigentlich schon vieles. Es geht um Loyalit\u00e4t zwischen Menschen. Ein Thema, welches ich hier und heute zum ersten Mal in meinem Leben thematisiere und ausformuliere. Von diesem Thema werden, meiner Meinung nach, auch wichtige Konstrukte der linken Szene getroffen. So z.B. Solidarit\u00e4t oder auch einfach die ganz banale Freund_innenschaft zwischen Menschen. Aber fangen wir erst einmal an.<\/p>\n<p><strong>Was meine ich eigentlich?<\/strong><br \/>\nImmer wieder beobachte ich eigenes und fremdes Verhalten. Ob das nun ganz banal im \u00f6ffentlichen Raum ist, im privaten Raum oder in Szene-R\u00e4umen. Dabei f\u00e4llt mir immer wieder auf, das es quasi &#8222;nat\u00fcrliche Fronten&#8220; gibt. Diese verlaufen aber in den wenigsten F\u00e4llen zwischen Meinungsbildern oder Ideologien. Fast immer velaufen diese zwischen einer Gruppe Freund_innen und einer anderen Gruppe Freund_innen. Es finden sich die Menschen an einer Stelle im Raum zusammen, die sich kennen und Freund_innen sind. Dabei will ich an dieser Stelle als Definition von Freund_innenschaft einfach folgende festlegen: <\/p>\n<blockquote>\n<p align=center>&#8222;Zwei Menschen die sich kennen und gerne Zeit miteinander verbringen, sind als Freund_innen anzusehen&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das ist eine sehr allgemeine Definition, spart mir in diesem Blogpost aber die Unterteilung in &#8222;Nicht-Freund_innen&#8220;, &#8222;Bekannt_innen&#8220; und &#8222;Freund_innen&#8220; (oder evtl. noch mehr). Es bleibt also bin\u00e4r: <i>Entweder Freund_in oder Nicht-Freund_in<\/i>. Weiterhin will ich Axiome aufstellen:<\/p>\n<ol>\n<li>Freund_innen werden bevorzugt behandelt<\/li>\n<li>Freund_innen unterst\u00fctzen sich immer gegenseitig<\/li>\n<li>Grundannahme ist, das der_die Freund_in im Streitfall mit Nicht-Freund_innen im Recht ist<\/li>\n<\/ol>\n<p>Mit diesen Axiomen m\u00f6chte ich darstellen, wie das von mir beobachtete Verhalten von einer Gruppe Freund_innen immer wieder umgesetzt wird. Es gibt vief\u00e4lltige Beispiele, weswegen ich kein spezielles bringen m\u00f6chte. Das sich solche &#8222;Regeln&#8220; bilden, ist aber auch nicht verwunderlich. Freund_innen sind in der Regel Menschen mit einer gewissen Schnittmenge an Interessen. Dabei ist es irrelevant, ob diese Interessen praktisch* sind, also z.B. Sport, oder theoretisch**, also z.B. Gespr\u00e4che. Dadurch wird eine emotionale Bindung zueinander aufgebaut. Freund_innen best\u00e4rken sich gegenseitig in ihrer Sichtweise. Mal mehr, mal weniger stark. Eine solche Bindung sorgt zum einen daf\u00fcr, das sich Freund_innen verpflichtet f\u00fchlen zu helfen. Zum anderen sorgen sie daf\u00fcr, das Gef\u00fchl zu haben, das Freund_innen zur Hilfe kommen (k\u00f6nnen). Dabei spielt auch, finde ich, Egoismus eine gewisse Rolle. Freund_in A hilft Freund_in B, weil A darauf baut, die Hilfe von B irgendwann in Anspruch nehmen zu k\u00f6nnen. Das funktioniert \u00fcbrigens auch wunderbar ohne &#8222;aufwiegen&#8220;. Also es wird keine Strichliste gef\u00fchrt, wie oft A schon B geholfen hat und umgekehrt, auf die sich berufen wird. Es ist einfach ein &#8222;A hat mir geholfen, jetzt muss ich zur\u00fcck-helfen&#8220;. Freund_innen gehen also eine Verpflichtung gegen\u00fcber ein, zusammenzuhalten.<\/p>\n<p><strong>Zu was f\u00fchrt das also?<\/strong><br \/>\nGrunds\u00e4tzlich f\u00fchrt das dazu, das ein &#8222;Wir&#8220; und ein &#8222;Die anderen&#8220; konstruiert wird. Dabei sind &#8222;Die anderen&#8220; in den meisten F\u00e4llen die, gegen die sich das &#8222;Wir&#8220; verteidigen und\/oder behaupten muss. In der Regel f\u00fchrt das genauso oft zu Konflikten wie es das nicht tut. Soll hei\u00dfen, das mehrere &#8222;Wir&#8220; parallel co-existieren k\u00f6nnen, ohne in Konflikt zu geraten. Aber ebenso k\u00f6nnen Kleinigkeiten eine solche Balance st\u00f6ren. Dabei muss es keinesfalls um offene Konflikte gehen wie z.B. eine Schl\u00e4gerei oder eine bekannte inkompatibilit\u00e4t der Weltbilder. Die wirklich wichtigen Konflikte sind diejenigen, welche nicht offen ausgesprochen werden. Es geht auch nicht darum, warum ein Konflikt besteht. Es geht nur darum <strong>das<\/strong> ein Konflikt besteht. Jetzt kommen wir ein bischen dazu, wie diese Art der Konflikte in der Gruppe gehandhabt werden. Als erstes ist wichtig, wie die Bindungen in der Gruppe sind. Bindungen sind individuel, also jede Person hat eine unterschiedlich starke Bindung zu jeder anderen Person in der Gruppe. Wenn eine Mehrheit der Personen ein Problem mit anderen Nicht-Freund_innen hat, dann wird sich dieser Konflikt mit der Zeit auch an die Personen der Gruppe ausbreiten, die anfangs kein Problem mit den anderen hatten. Das kann man auch simpel als &#8222;Gruppenzwang&#8220; bezeichnen. Sowas kann offensiv erfolgen, in dem in der Gruppe von der Mehrheit eine Atmosph\u00e4re etabliert wird, die der Minderheit vermittelt, diese bekommt Probleme mit der Gruppe wenn sie nicht mitzieht. Es geht aber auch anders. Unterschwellig wird der Umgang mit &#8222;Den anderen&#8220; gemieden und es wird eine negative Atmosph\u00e4re assoziiert. Also z.B. die Gespr\u00e4che in der Gruppe verstummen und alle schauen eher genervt weg wenn &#8222;Die anderen&#8220; in der N\u00e4he sind. Dadurch f\u00e4rbt das Verhalten auf alle ab und am Ende haben sogar die Personen ein Problem mit &#8222;Den anderen&#8220;, die vorher keines hatten und wissen noch nicht einmal genau, warum. Es gibt aber auch den Fall, das eine Minderheit einen Konflikt in die Gruppe tr\u00e4gt und dieser Konflikt die Gruppe nach und nach &#8222;\u00fcbernimmt&#8220;. Dabei kommen diese individuellen Bindungen verst\u00e4rkt ins Spiel. Eine Person bringt einen Konflikt ein. \u00dcber die st\u00e4rksten Bindungen wird dieser Konflikt an andere Personen \u00fcbertragen. Das geschieht unterschiedlich schnell\/langsam. Dabei spielt aber auch nicht die ausgehende Bindung eine Rolle, sondern die eingehende. Wenn A eine st\u00e4rkere Bindung zu B hat als B zu A, dann wird A schneller einen Konflikt von B \u00fcbernehmen als B einen von A. Da letztendlich jede Person in einer Gruppe min. eine starke Bindung zu min. einer anderen Person in der Gruppe hat, breitet sich ein Konflikt auf diesem Wege in der Gruppe aus. Und wieder haben am Ende alle Personen diesen Konflikt \u00fcbernommen ohne genau zu wissen, warum.<\/p>\n<p><strong>Loyalit\u00e4t? Hierarchie? Kontext?<\/strong><br \/>\nWo immer eine Bindung besteht, besteht eine Abh\u00e4ngigkeit. Wo immer eine Abh\u00e4ngigkeit besteht, wollen die Profiteur_innen sie beibehalten. Wo immer eine Abh\u00e4ngigkeit beibehalten wird, festigt sich eine Loyalit\u00e4t um diese Abh\u00e4ngigkeit zu verteidigen. Wo immer eine Loyalit\u00e4t gefestigt wird, entstehen Hierarchien. Diese Hierarchien \u00e4u\u00dfern sich dadurch, das Freund_innen ein gewisser Gehorsam entgegen gebracht wird. Freund_innen \u00e4u\u00dfern untereinander Bitten. Solche Bitten werden dann eher angenommen, als wenn sie von Nicht-Freund_innen geh\u00e4u\u00dfert w\u00fcrden. Es gibt keine klar definierte Struktur wie z.B. beim Milit\u00e4r. Es ist vielmehr so, das die Person, welche die Bitte \u00e4u\u00dfert, nicht Bittsteller_in ist sondern Forder_in. Wird die Bitte abgeschlagen und evtl. nicht einmal ein (verdammt guter) Grund genannt, ist der_die Forder_in zwangsl\u00e4ufig entt\u00e4uscht. Das muss diese Person nicht einmal merken. Aber wenn jemand eine Bitte formuliert, dann wird erwartet, das der Bitte gen\u00fcge getan wird. Dadurch wird aus einer Bitte unter Freund_innen eine Forderung. Und wenn diese Abgelehnt wird, dann ist die daran gekn\u00fcpfte Hoffnung eben zerst\u00f6rt und die Person ist entt\u00e4uscht. Entt\u00e4uschungen sind nicht das beliebteste, weswegen Strategien entwickelt werden um das zu verhindern. Darunter ist eben auch die Ansicht, das wenn man andere nicht Entt\u00e4uscht, diese dann auch zur\u00fcck &#8222;nicht-entt\u00e4uschen&#8220;. Wieder eine Form der festigung von Abh\u00e4ngigkeiten.<\/p>\n<p><strong>Der selbstreflektierende Teil<\/strong><br \/>\n&#8230;wird von mir ausgelassen. Zwar bin ich mir \u00fcber all das bisher geschriebene auch bei mir bewusst. Allerdings bin ich mit meiner Selbstreflektion noch nicht so weit um sagen zu k\u00f6nnen &#8222;Ja, ich bin mir bewusst das ich darauf gedrillt wurde, Menschen zu kategorisieren und hiermit stelle ich das ab. *klick*&#8220;. Demn\u00e4chst vielleicht. Im Juli 2012 hatte ich schon einmal einen Blogpost \u00fcber <a href=\"\/blog\/?q=node\/28\" target=_blank>Solidarit\u00e4t<\/a> geschrieben. Dieser k\u00f6nnte als erster Gedanke zu diesem Blogpost hier angesehen werden.<\/p>\n<hr>\n<p>*Als &#8222;praktisch&#8220; bezeichne ich solche Interessen, die meistens mit Hobbies assoziiert werden. Das w\u00e4ren also, wie genannt, Sport aber auch Filme gucken, B\u00fccher lesen oder Basteln.<br \/>\n**Hingegen beschreibe ich mit &#8222;theoretisch&#8220; solche Interessen, die schwer greifbar sind wie z.B. \u00fcber ein Thema philosophieren, politische Ereignisse diskutieren oder zusammen tr\u00e4umen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachfolgend mal wieder eine Formulierung von Gedanken(-g\u00e4ngen). Freund_innenschaften kommen dabei relativ fragw\u00fcrdig weg (finde ich). Es f\u00e4llt mir immer auf. Bei anderen wie auch bei mir. 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