{"id":59,"date":"2013-04-25T23:55:23","date_gmt":"2013-04-25T21:55:23","guid":{"rendered":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/2013\/04\/25\/massenabfertigung-klausur\/"},"modified":"2017-09-23T13:54:03","modified_gmt":"2017-09-23T11:54:03","slug":"massenabfertigung-klausur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/2013\/04\/25\/massenabfertigung-klausur\/","title":{"rendered":"Massenabfertigung Klausur"},"content":{"rendered":"<p>Am hiesigen Bildungssystem gibt es gewiss einiges zu kritisieren. Heute kam mir aber, mal wieder, konkret das Thema der Klausur in den Kopf. Dabei \u00fcberlegte ich nicht etwa, was die Folgen von Klausuren sind. Vielmehr besch\u00e4ftigte ich mich damit, was die Ursachen daf\u00fcr sind. Also warum hat es sich durchgesetzt, das diejenigen die etwas lernen sollen\/wollen von denjenigen die etwas beibringen sollen\/wollen, ein St\u00fcck Papier bekommen und geschlossene Fragen beantworten sollen?<\/p>\n<p><strong>Ganz langsam: Was ist eine Klausur?<\/strong><br \/>\nDamit keine Missverst\u00e4ndnisse aufkommen, da &#8222;Klausur&#8220; ja je nach Zusammenhang anders definiert wird bzw. werden kann, erl\u00e4utere ich erst einmal, was ich damit meine. F\u00fcr Menschen, die sich mit P\u00e4dagogik besch\u00e4ftigen, ist das sicherlich nichts neues. Anzumerken w\u00e4re auch, das ich &#8222;Klausur&#8220; und &#8222;Klassenarbeit&#8220; gleichsetze.<\/p>\n<blockquote><p>\nEine Klausur ist eine Ansammlung von Aufgaben eines genau umrissenen Wissensbereichs. Die Aufgaben k\u00f6nnen simpel (single- oder multiple-choice) oder komplex (Formelberechnungen, frei zu formulierender Antworttext o.\u00e4.) sein und sind auf Papier gedruckt. Es bearbeiten zeitgleich, meist auch im selben Raum, mehrere Personen die selbe oder eine Variation der Aufgabenstellung. F\u00fcr die Bearbeitung ist ein zuvor bekannt gemachter Zeitraum festgelegt und w\u00e4hrend der Bearbeitung findet keine Kommunikation mit einer anderen Person oder einer Ansammlung von Wissen statt. W\u00e4hrend der Bearbeitung stehen die Personen, welche die Aufgabenstellung bearbeiten, unter Aufsicht durch eine oder mehrere Personen, meist Lehrende. Am Ende der Bearbeitungszeit werden die ausgef\u00fcllten Klausuren von den Aufsichtspersonen eingesammelt und anschlie\u00dfend von dazu bestimmten Personen auf Fehler kontrolliert. Anhand der Fehlerquote wird eine Note vergeben, welche den jeweiligen Personen individuell bekannt gemacht wird.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Damit d\u00fcrfte das meiste abgedeckt sein. Neben einer Klausur auch ein Teil des Prozesses der zur Note f\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Mal genauer: Klausurfragen<\/strong><br \/>\nGrunds\u00e4tzlich kann man sagen: Alle Fragen in einer Klausur sind bin\u00e4r, weil sie mit richtig oder falsch bewertet werden k\u00f6nnen. Bei Single- oder Multiple-Choice ist das auch einfach. Entweder ist an der richtigen Stelle eine Markierung oder eben nicht. Bei komplexen Fragen ist das dann wieder ein bischen komplizierter, aber immernoch recht einfach. Wenn z.b. die Frage gestellt wird &#8222;Warum ist der Himmel blau?&#8220;, dann ist eben die einzig richtige Antwort &#8222;Weil das kurzwellige blaue Licht um einiges st\u00e4rker von der Atmosph\u00e4re gestreut wird als jedes andere Lichtspektrum&#8220;. Die Antwort ist komplizierter, weil sie selbst formuliert werden muss und es keine Anhaltspunkte wie bei simplen Fragen gibt. Dennoch ist es am Ende entweder richtig oder falsch. Gleiches gilt f\u00fcr Formeln und Berechnungen jeder Art. Es gibt vielleicht mehrere Wege um ans Ergebnis zu kommen, aber es muss ein bestimmtes Ergebnis sein. Bei Mathe-Klausuren wird ja auch gerne der Rechenweg mitbenotet. Dieser ist dann eben auch richtig, weil er zum richtigen Ergebnis gef\u00fchrt hat, oder falsch, weil ein Fehler drin ist oder rauskam (mal davon abgesehen, das bei manchen Mathe-Aufgaben ein ganz bestimmter Rechenweg abgefragt werden soll).<\/p>\n<p><strong>Und jetzt: Klausurantworten<\/strong><br \/>\nWenn also die Klausurfragen bin\u00e4r sind, dann sind Klausurantworten zwangsweise un\u00e4r[<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Un\u00e4rsystem\" target=_blank>1<\/a>]. Auf eine Frage gibt es zwei M\u00f6glichkeiten zu Antworten. Jede (richtige) Antwort ist, in Verbindung mit der Frage, einzigartig. Das hei\u00dft also, das die Frage nicht verstanden werden muss, um eine richtige Antwort darauf zu geben. Es muss lediglich die Verkn\u00fcpfung &#8222;Frage -> richtige Antwort&#8220; hergestellt werden. Es muss nicht verstanden werden, <i>warum<\/i> der Himmel blau ist, sondern es muss nur gemerkt werden, was die Antwort auf diese Frage ist. Das also das Sonnenlicht von den, in erster Linie, Sauerstoff-Molek\u00fclen reflektiert wird und dabei das Lichtspektrum mit einer Wellenl\u00e4nge von 420 bis 490nm (blaues Licht) um einen 16-mal st\u00e4rkeren Faktor gestreut wird als jedes andere Lichtspektrum und so den Himmel blau erscheinen l\u00e4sst, w\u00e4re eine korrekte und tiefe Antwort auf die Frage nach dem <i>warum<\/i>. Diese Antwort zeugt von einem Verst\u00e4ndnis der Frage, statt nur einem deinteressierten auswendig lernen. Allerdings gibt es f\u00fcr diese, eigentlich bessere Antwort, die selbe benotung wie f\u00fcr die simplere Antwort weiter oben. Es wird also egal, ob man mehr wei\u00df als gefragt wird oder nicht. <\/p>\n<p><strong>Hm&#8230;Warum?<\/strong><br \/>\nNat\u00fcrlich kann nicht jede Klausur tiefgreifende Fragen stellen und pr\u00fcfen, ob das Thema verstanden wurde. Aber warum dann noch Klausuren schreiben? Das einzige, was eine Klausur beweist ist, wie gut eine Person auswendig lernen kann. Dabei gewinnen in der Regel diejenigen, welche es schaffen ihr Hirn abzuschalten und sich ohne murren Antworten in den Kopf zu klopfen. Klar, wenn man das Thema verstanden hat, dann sollte eine Klausur auch kein Problem sein. Falsch! Denn verstehen ist nicht gleich auswendig lernen. Zum Verstehen geh\u00f6rt n\u00e4mlich einiges mehr. Um etwas zu verstehen, muss man es auch verstehen wollen. Etwas auswendig lernen ist nichts anderes als Training. Wenn man einen Werbespot h\u00e4ufig sieht oder h\u00f6rt, wird man sich recht schnell den Werbespruch gemerkt haben. Etwas auswendig gelerntes abfragen ist also nichts anderes als einen antrainierten Reflex auszul\u00f6sen. Hat man nun aber ein Thema verstanden, weil man sich damit ausf\u00fchrlich besch\u00e4ftigt hat o.\u00e4., dann setzt das Abfragen einen Denkvorgang voraus. Der dauert l\u00e4nger als reines reflex-artiges Abrufen und in verbindung mit der begrenzten Bearbeitungszeit einer Klausur f\u00fchrt das zu eine Stre\u00dfsituation. Es gibt Personen, die damit besser umgehen k\u00f6nnen als andere. Aber alles in allem ist eine Klausur folgendes: Stre\u00df! Es wird n\u00e4mlich, dank der Bearbeitungszeit, der Eindruck erweckt, das der_die Schnellste gewinnt. Nachdenken ist aber nicht schnell. Dadurch wird dem auswendig lernen also ein Vorteil verschafft, weil es an jeder Ecke hei\u00dft &#8222;Wenn du die Antwort nicht sofort wei\u00dft, dann kannst du das nicht und bist dumm&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Erm&#8230;Und warum jetzt?<\/strong><br \/>\nDer Grund, warum Klausuren durchgef\u00fchrt werden, kann also nicht der Wille sein, das Leute etwas verstehen sollen. In meinen Augen gibt es nur 2 Gr\u00fcnde, warum Klausuren durchgef\u00fchrt werden:<\/p>\n<ol>\n<li>Faulheit<\/li>\n<li>Zeitdruck<\/li>\n<\/ol>\n<p>Der erste Grund l\u00e4sst sich ganz leicht erkl\u00e4ren. Eine Klausur im bin\u00e4ren Muster l\u00e4sst sich recht schnell kontrollieren und benoten. Es wird die Antwort gelesen und wenn diese nicht dem entspricht, was in der Musterl\u00f6sung steht, ist es eben falsch. Fertig! Dadurch muss sich niemand tats\u00e4chlich mit den Antworten befassen. Es ist auch m\u00f6glich, so etwas einfach von einem Computer auswerten zu lassen. Einscannen, Schrifterkennung dr\u00fcber laufen lassen und dann abgleichen, ob verschiedene Indikatoren vorhanden sind. Sind, sagen wir mal, 4 von 6 Indikatoren enthalten, ist die Antwort richtig. Ansonsten eben nicht. Beim zweiten Grund geht es um das selbe, weswegen auch das Bachelor\/Master-System eingef\u00fchrt wurde. Eine Ausbildung dauert. &#8222;Dank&#8220; dem Bologna-Prozess haben Studierende jetzt schon nach 3 Jahren ihr Studium beendet. Master ist schlie\u00dflich nur ein Aufbau-Studium. In der Schule genauso. Abitur gibt es jetzt 1 Jahr fr\u00fcher. Berufsaubildungen dauern auch nur so lange wie n\u00f6tig. Zeit ist Geld und Geld gibt es ja nicht so viel. Also wird versucht, das ben\u00f6tigte Wissen in K\u00f6pfe zu pressen und dann wird mit Klausuren kontrolliert, ob das geklappt hat. Das Dumme dabei ist auch noch, das die Antwort auf Fragen zu kennen mit Intelligenz verwechselt wird.<\/p>\n<blockquote>\n<p align=center>Nat\u00fcrlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den nat\u00fcrlichen Verstand.<br \/>\nArthur Schopenhauer<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Jetzt kommen wir ein bischen zu einer allgemeinen Kritik am Bildungssystem. W\u00e4hrend versucht wird das Wissen in K\u00f6pfe zu pressen, wird dabei vollkommen vergessen, das Menschen von Natur aus neugierig sind und lernen <i>wollen<\/i>. In der Schule wird das dann erstickt, weil Intelligenz dort mit Wissen gleichgesetzt wird. Wer st\u00e4ndig &#8222;Warum?&#8220; fragt, wird als nervig empfunden und ruhig gestellt. Der Kindergarten ist dazu da, wurde mir mal gesagt, das Kinder lernen still zu sitzen. Keine Ahnung, ob das wirklich ein Ziel ist. Aber es ergibt Sinn. In der Grundschule wird den Kindern dann 4 Jahre beigebracht, das es nur das zu lernen gibt, was in den Schulb\u00fcchern steht. Und nat\u00fcrlich, das man nur dann etwas Wert ist, wenn man gute Note hat. Ab der 5. Klasse sieht es kaum anders aus. Jetzt steckt man in einem der 3 Schulzweige und gilt deswegen entweder als Wertvoll(Gymnasium), Durchschnitt(Realschule) oder Wertlos(Hauptschule). Bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz wird das nochmals verschlimmert, weil Firmen nat\u00fcrlich bestimmte Anforderungen haben. Wenn ich mal wieder lese, das die IHK jammert, es konnten dieses Jahr nicht alle freien Ausbildungspl\u00e4tze besetzt werden, bekomm ich das kotzen. Genauso, wenn Hochschulen dar\u00fcber jammern, ihre H\u00f6rs\u00e4le sind \u00fcberf\u00fcllt.<\/p>\n<p><strong>Alternative?<\/strong><br \/>\nAls Alternative f\u00fcr Klausuren gibt es, finde ich, nur die Hausarbeit. Eine Aufgabenstellung, die binnen einer bestimmten Zeit zu bearbeiten ist und als Ergebnis eine mehrseitige Dokumentation hat. Klar, die Kontrolle dabei f\u00e4llt ungleich schwieriger aus. Aber es ist besser, weil es den Stre\u00dffaktor reduziert. Ok, es sollten nicht gleich alle Hausarbeiten in der gleichen Woche zu bearbeiten sein. Durch sie ist es aber leichter zu \u00fcberpr\u00fcfen ob das Thema verstanden wurde. Au\u00dferdem wird dadurch die F\u00e4higkeit zum Umgang mit Office-Software und dem Verfassen von Texten geschult. Hausarbeiten sind gut f\u00fcr das Verstehen von Themen, f\u00fcr das Anwenden von Wissen und f\u00fcr die Befriedigung der Neugier. <\/p>\n<p><font size=\"-2\"><i>Abrupt beendet. War schon sp\u00e4t und mir ist nichts mehr eingefallen.<\/i><\/font><\/p>\n<hr>\n<p>[1] <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Un\u00e4rsystem\" target=_blank>http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Un\u00e4rsystem<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am hiesigen Bildungssystem gibt es gewiss einiges zu kritisieren. Heute kam mir aber, mal wieder, konkret das Thema der Klausur in den Kopf. Dabei \u00fcberlegte ich nicht etwa, was die Folgen von Klausuren sind. Vielmehr besch\u00e4ftigte ich mich damit, was die Ursachen daf\u00fcr sind. 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