{"id":62,"date":"2013-05-24T11:56:01","date_gmt":"2013-05-24T09:56:01","guid":{"rendered":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/2013\/05\/24\/wie-im-refugee-protest-camp-mit-rape-und-anderen-sexuellen-uebergriffen-umgegangen-wird\/"},"modified":"2017-09-23T13:54:03","modified_gmt":"2017-09-23T11:54:03","slug":"wie-im-refugee-protest-camp-mit-rape-und-anderen-sexuellen-uebergriffen-umgegangen-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/2013\/05\/24\/wie-im-refugee-protest-camp-mit-rape-und-anderen-sexuellen-uebergriffen-umgegangen-wird\/","title":{"rendered":"Wie im Refugee-Protest-Camp mit \u201eRape\u201c und anderen sexuellen \u00dcbergriffen umgegangen wird"},"content":{"rendered":"<p>Als das Refugee-Protest-Camp am Oranienplatz in Kreuzberg noch in den Kinderschuhen steckte, geh\u00f6rte ich, wie viele andere, zu den Supporter_innen, die teils in verschiedenen Arbeitsgruppen aktiv waren oder auch einfach nur hin und wieder eine Schicht im Infozelt \u00fcbernahmen. Ich verbrachte viel Zeit dort, eigentlich jede freie Minute. Schon von Anfang an waren wir Supporterinnen* vielen Anmachen, Spr\u00fcchen, Ann\u00e4herungen und Ber\u00fchrungen von m\u00e4nnlichen Refugees\/ Supportern ausgesetzt. Ich pers\u00f6nlich habe mir Anfangs nicht so viel daraus gemacht, da ich nie ein Mensch mit Ber\u00fchrungs\u00e4ngsten war. Doch mit der Zeit, nach ein oder zwei Monaten, wurde das Verhalten auf Dauer doch sehr unangenehm. Es wurde wie selbstverst\u00e4ndlich ein Arm um mich gelegt, wie selbstverst\u00e4ndlich umarmte man sich, k\u00fcsste man sich auf die Wange. Zu der freundschaftlichen und kuscheligen Umgangsweise im Camp passte dieses Verhalten sehr gut. Daher war es schwierig, erstens \u00fcberhaupt diese Formen der \u00dcbergriffe als solche wahrzunehmen, genauso aber sich schlie\u00dflich dagegen zu wehren. Ich bekam langsam mit, dass immer mehr Frauen*, die supporteten, vom Camp weg blieben. Im direktem Umfeld bekam ich einen konkreten Fall von Stalking mit, bei dem sich die Betroffene allerdings nicht wehrte, da sie Sorge hatte, als \u201ewei\u00dfe\u201c Supporterin* ihren Aufgabenbereich, n\u00e4mlich einfach zu unterst\u00fctzen, zu \u00fcberschreiten. Weiterhin ging ich regelm\u00e4\u00dfig zu meinen Schichten, best\u00e4rkte die Betroffene darin, sich an jemanden innerhalb des Camps zu wenden, tat aber weiterhin nichts. Mein pers\u00f6nlicher Kontakt zu besonders einem Mann innerhalb der Campstruktur wurde sehr eng, bis es schlie\u00dflich zu der Situation kam, dass er sich nahm, was ihm, seiner Ansicht nach, zustand.<br \/>\nNachdem es mir gelungen war zu fl\u00fcchten, wandte ich mich sofort an Menschen aus meinem direkten Umfeld. Ich hatte bis dahin aufgrund meiner politischen Auseinandersetzung mit sexuellen \u00dcbergriffen und \u201eRape\u201c sowie durch die feministische Erziehung meiner Mutter, gelernt, diesen Vorfall nicht f\u00fcr mich zu behalten, sondern mich an Menschen, denen ich vertraue, zu wenden. Das tat ich nun, ein Teil dieser Menschen waren ebenfalls Aktivistinnen* im Refugee-Protest-Camp. Die ersten Reaktionen auf mein Erlebnis waren erniedrigend und besch\u00e4mend. Es reichte von \u201edu bist ja auch freiwillig in die Wohnung gegangen\u201c bis \u201eich habe den Eindruck, du willst das\u201c. Gl\u00fccklicherweise gab es auch Menschen um mich herum, die mich gro\u00dfartig unterst\u00fctzt haben und die mir eine Menge Kraft gegeben haben. Ich hatte f\u00fcr mich entschieden, nicht zur Polizei zu gehen, da ich mich den Verh\u00f6ren nicht aussetzen konnte und wollte. Trotzdem wollte ich nicht unt\u00e4tig bleiben und wandte mich an weiblich sozialisierte Personen innerhalb der Campstruktur, denen ich vertraute und zutraute professionell und verantwortungsvoll mit meiner Situation umzugehen. Was nun folgte, war fast schlimmer, als die Tat selbst.<br \/>\nIch wurde gebeten, den Vorgang detailliert zu beschreiben. Es gab immer wieder Gespr\u00e4che abwechselnd mit ihm und mir. Ihm wurde immer wieder die M\u00f6glichkeit gegeben, sich zu \u00e4u\u00dfern, zu leugnen und mich als berechnendes Wesen darzustellen. Mir wurde ebenfalls detailliert berichtet, wie er die Situation geschildert hat. Der Vorfall wurde weder publik gemacht, noch wurde mir die Garantie gegeben, mich frei auf dem Gel\u00e4nde zu bewegen. Mit dem Resultat, dass ich nie wieder dorthin ging. Die Vorschl\u00e4ge reichten von \u201ewir setzen uns alle gemeinsam zusammen und sprechen dar\u00fcber, war doch alles nur ein Missverst\u00e4ndnis\u201c \u00fcber \u201ebeide Parteien tragen ihre Variante der Situation an unterschiedlichen Tagen vor dem Plenum vor und dieses entscheidet dann\u201c bis zu \u201ebeide Parteien treten gemeinsam vors Plenum und dann wird beraten\u201c. Dieser Vorgang zog sich unglaublich lange hin und ich hatte w\u00e4hrenddessen immer den Eindruck, dass er mehr gesch\u00fctzt wird als ich. Irgendwann also zog ich mich zur\u00fcck, kapitulierte.<\/p>\n<p>Warum ich nun doch m\u00f6chte, dass diese Geschichte publik wird, liegt daran, dass ich hundertprozentig wei\u00df, dass ich zu diesem Zeitpunkt bereits der dritte \u201eRape\u201c-Fall innerhalb des Refugee-Protest-Camps war. Inzwischen ist die Anzahl der F\u00e4lle wohl gestiegen. Es hei\u00dft, dass sich in die besetzte Schule keine Frau* traut, da sie dort \u201esofort vergewaltigt w\u00fcrden\u201c.<br \/>\nEs werden immer weniger Supporterinnen*, da vielen \u00e4hnliches zugesto\u00dfen ist und sie f\u00fcr sich entschieden haben, dem Camp den R\u00fccken zu kehren. Ich habe ebenfalls Informationen dar\u00fcber, dass es inzwischen Aufkl\u00e4rungs-Workshops zum Thema \u201eRape\u201c gibt, allerdings werden diese wohl \u00fcberwiegend von Frauen* besucht und bilden keineswegs die M\u00e4nner der Struktur.<br \/>\nAuch wenn mir bewusst ist, dass ich mit starken Anschuldigungen an das Camp und die organisatorische wie politische Struktur heran trete und damit eine Bewegung, die es ohnehin nicht leicht hat, gewisserma\u00dfen schw\u00e4che, halte ich es f\u00fcr wichtig dar\u00fcber zu informieren, in welche Gefahr sich eine Frau* begibt, sobald sie sich dort engagiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als das Refugee-Protest-Camp am Oranienplatz in Kreuzberg noch in den Kinderschuhen steckte, geh\u00f6rte ich, wie viele andere, zu den Supporter_innen, die teils in verschiedenen Arbeitsgruppen aktiv waren oder auch einfach nur hin und wieder eine Schicht im Infozelt \u00fcbernahmen. Ich verbrachte viel Zeit dort, eigentlich jede freie Minute. Schon von Anfang an waren wir Supporterinnen* [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62"}],"collection":[{"href":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=62"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":149,"href":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62\/revisions\/149"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=62"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=62"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=62"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}