{"id":63,"date":"2013-08-03T11:46:00","date_gmt":"2013-08-03T09:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/2013\/08\/03\/i-dont-get-it-haben-sie-referenzen\/"},"modified":"2017-09-23T13:54:03","modified_gmt":"2017-09-23T11:54:03","slug":"i-dont-get-it-haben-sie-referenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/2013\/08\/03\/i-dont-get-it-haben-sie-referenzen\/","title":{"rendered":"I don&#8217;t get IT &#8211; &#8222;Haben Sie Referenzen?&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Ich kann mich noch sehr genau an die Worte des Prodekan w\u00e4hrend der Einf\u00fchrungsveranstaltung f\u00fcr mein Informatik-Studium erinnern. Er empfahl uns neben dem Studium nicht arbeiten zu gehen. Wir w\u00fcrden die Zeit f\u00fcr das Studium brauchen, um besser lernen zu k\u00f6nnen. Schon damals dachte ich mir, wie weltfremd diese Empfehlung doch ist. F\u00fcr Studierende wie mich, die kein BAf\u00f6G bekommen und von den Eltern nur minimal unterst\u00fctzt werden, ist es notwendig neben dem Studium zu arbeiten. <\/p>\n<p>Also begann ich damit, mir einen Job zu suchen. 400\u20ac-Basis, nur ein paar Stunden pro Woche. Am besten nat\u00fcrlich etwas, das mit meinem Studium zu tun hatte. Daf\u00fcr klapperte ich alle mittelst\u00e4ndischen IT-Unternehmen in der Umgebung ab. Verschickte Initiativbewerbungen und fragte bei Freund_innen und Bekannten rum. In den seltensten F\u00e4llen erhielt ich von den Unternehmen eine Antwort. Wenn doch, dann war es eine Absage. Entweder h\u00e4tte man keine M\u00f6glichkeit eine Aushilfe einzustellen oder man wolle schlicht nicht. Ein Unternehmen machte mir in der Antwort sogar unmissverst\u00e4ndlich klar, ich solle auch in Zukunft nicht wegen offenen Stellen anfragen. Am Ende landete ich in einem Logistikunternehmen. Dort arbeitete ich im Lager und schleppte Kisten hin und her, be- und entlud LKW&#8217;s und bekam 7,50\u20ac\/Std. Nach 2 Semestern musste ich die Stelle studienbedingt k\u00fcndigen. Jetzt kann ich wieder eine Stelle annehmen und hab es n\u00f6tiger als je zuvor. Also machte ich mich wieder auf die Suche. Diesmal dachte ich mir, das die Unternehmen jetzt wahrscheinlich offener f\u00fcr mich w\u00e4ren, da ich ja schon was kann. Tja, falsch gedacht. Auch diesmal klapperte ich wieder einige Unternehmen ab. Diesmal auch gr\u00f6\u00dfere und vorallem jene, die meinem Schwerpunkt entsprechen. Au\u00dferdem lie\u00df ich mir eine originelle Form f\u00fcr das Bewerbungsschreiben einfallen. All das f\u00fchrte zumindest dazu, das ich von mehreren Unternehmen eine Antwort erhielt. Diese Antwort war aber keine Einladung zu einem Gespr\u00e4ch oder sonst etwas. Es war die Frage nach Referenzen, nach Projekten die ich gemacht hatte und anderen Beweisen das ich etwas kann. Nach meinen Studiums-Noten hat nur ein Unternehmen gefragt. Allen Unternehmen, die Referenzen wollten, hatte ich geschrieben, dass ich keine Projekte habe. Das ich mich au\u00dferhalb des Studium nicht ins Labor gesetzt habe und Software schrieb oder sonstiges tat. Daraufhin erhielt ich keine Antwort mehr. Letztendlich wird es wohl so aussehen, das ich wieder einen Job machen werde, der mit meinem Studium nicht ansatzweise etwas zu tun hat. Vielleicht r\u00e4ume ich ja diesmal Regale im Supermarkt ein. F\u00fcr 5\u20ac\/Std. Wer mich kennt, wei\u00df das ich keineswegs der beste Student bin, den meine Uni jemals gesehen hat. Aber ich bin auch nicht der schlechteste. Nach meinem Bewerbungs-Marathon habe ich den Eindruck, die Unternehmen interessieren sich kein bischen f\u00fcr die Studiums-Noten. Eine Einstellung, die ich grunds\u00e4tzlich ok finde. W\u00fcrden die Unternehmen wenigstens Bewerber_innen eine Chance geben, sich zu beweisen. Allen Unternehmen habe ich Angeboten ein 1-2 w\u00f6chiges Praktikum zu machen, um sich gegenseitig kennenzulernen. Antwort nat\u00fcrlich fehlanzeige.<\/p>\n<p><strong>Referenzen? Guck&#8216; mal auf die Uhr, ey!<\/strong><br \/>\nImmer, wenn ich nach Referenzen gefragt werde, stelle ich mir die Frage, wo ich die Zeit f\u00fcr so etwas her nehmen soll. Mein typischer Studien-Tag(w\u00e4hrend der Vorlesungszeit) ist 9h lang. Davon sind grob 50% sitzen in Vorlesungen und die anderen 50% sind irgendwo sitzen und versuchen zu lernen. Schlafen muss ich ja auch noch irgendwann und den Kopf frei kriegen (durch TV, Internet, Sport, etc.) ist ja auch wichtig. Letztendlich ist, zumindest f\u00fcr mich, das Studium nicht anders als jede x-beliebige Lohnarbeit. Du stehst morgens auf, rennst an einen Ort um dich bequatschen zu lassen, ackerst dich dann ab um Leistung zu bringen und wenn du wieder nach hause kommst, willst du nur noch abschalten. Was bin ich froh, das ich ein Smartphone habe und w\u00e4hrend den Vorlesungen surfen kann. Das f\u00f6rdert zwar nicht meinen Studien-Erfolg, aber zumindest verhindert es, das ich vor lauter Stre\u00df auf der Strecke bleibe. In betrachtung dieses nicht-Zeit-haben&#8217;s frage ich mich dann auch, in welcher Realit\u00e4t Unternehmen leben, die ohne Referenzen keine Studierenden n\u00e4her betrachten wollen. \u00dcber mich kann ich getrost sagen, das ich Durchschnitt bin. Die Unternehmen suchen aber <u>immer<\/u> die Leute, die \u00fcber dem Durschnitt sind. An meiner Uni gab es in der Fachschaft einen Studenten, der in einem Semester 14 Module gemacht hat. Das konnte er aber nicht machen, weil er total der krass intelligente Kerl war\/ist. Er hatte diese ganzen Sachen einfach schon vor dem Studium schon gr\u00f6\u00dftenteils gelernt und musste dann nur noch in den Vorlesungen sitzen und wissen, was di:er Dozent_in verlangt. Meines Wissens ist er jetzt auch irgendwo im Land bei einem Forschungsprojekt gelandet. Solche Studierenden sind aber bekannterweise die absolute Ausnahme. Mir aber kommt es so vor, als w\u00fcrden Unternehmen solche Menschen als Norm betrachten. Noch dazu frage ich mich, wie ich mir Referenzen erarbeiten soll, wenn ich (abgesehn von keiner Zeit daf\u00fcr) auch noch keine M\u00f6glichkeit habe, an Equipment zu kommen. Schlie\u00dflich bewerbe ich mich nicht nur als Werkstudent oder Aushilfe, weil ich Geld brauche. Daf\u00fcr kann ich auch einfach am Imbiss D\u00f6ner verkaufen. Ich bewerbe mich bei IT-Unternehmen, weil ich Praxis und Erfahrung sammeln will. Eine Stelle bekomme ich aber nur, wenn ich Praxis und Erfahrung bereits nachweisen kann.<\/p>\n<p><strong>Bachelor ist schei\u00dfe &#8211; Ich hab die Beweise<\/strong><br \/>\nDas Bachelor\/Master-System wurde ja eingef\u00fchrt, um Uni-Abschl\u00fcsse international vergleichbar zu machen. Ebenso um das Studium zu verk\u00fcrzen. Es hie\u00df, die Studierenden sollten durch den Bachelor-Abschluss einen Job finden k\u00f6nnen. Ich f\u00fcr meinen Teil kenne niemanden di:er mit einem Bachelor einen Job gefunden hat. Zumindest nicht als das, was si:er studierte. Noch dazu wird das Wissen, bzw. die Information, versucht den Studierenden ins Hirn zu pressen. In meinem zweiten Semester hatte ich einen \u00e4lteren Dozenten, der sich in mindestens jeder zweiten Vorlesung \u00fcber das Bachelor\/Master-System aufregte. Vorallem, weil er gar keine Zeit mehr hat wichtige Inhalte entsprechend zu behandeln, das wir Studierenden das auch ordentlich verstehen. Andere Dozierende wussten gar nicht, das bestimmte Module durch die Umstellung aus dem zweiten ins erste Semester verlegt wurden und somit parallel laufen. Wobei diese beiden Module teilweise aufeinander aufbauen. Selbst der Prodekan, welcher bei uns die Stundenpl\u00e4ne und Curriculas managed, wusste nicht in welchem Semester welche Module angesiedelt sind. Organisation? Ach pff&#8230;<\/p>\n<p><strong>Rage against the Study<\/strong><br \/>\nIch f\u00fcr meinen Teil bin jetzt jedenfalls soweit, auch wegen ein paar anderen Dingen, das ich genau das mache, was man eigentlich nicht machen sollte: Scheuklappen auf und irgendwie durchs Studium kommen. Vielleicht brenne ich irgendwann auch einfach meine Uni nieder. Das ist so mein Alternativplan.<\/p>\n<hr>\n<p>Schei\u00df auf Tiefenanalyse! W\u00e4re ich nicht der erste Mensch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich kann mich noch sehr genau an die Worte des Prodekan w\u00e4hrend der Einf\u00fchrungsveranstaltung f\u00fcr mein Informatik-Studium erinnern. Er empfahl uns neben dem Studium nicht arbeiten zu gehen. Wir w\u00fcrden die Zeit f\u00fcr das Studium brauchen, um besser lernen zu k\u00f6nnen. 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