{"id":65,"date":"2013-09-19T13:31:22","date_gmt":"2013-09-19T11:31:22","guid":{"rendered":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/2013\/09\/19\/things-that-never-ends-selbstreflektion\/"},"modified":"2017-09-23T13:54:03","modified_gmt":"2017-09-23T11:54:03","slug":"things-that-never-ends-selbstreflektion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/2013\/09\/19\/things-that-never-ends-selbstreflektion\/","title":{"rendered":"Things that never ends: Selbstreflektion"},"content":{"rendered":"<blockquote align=\"center\">\n<p align=\"center\"><strong>Triggerwarnung<\/strong><br \/>Dieser Text behandelt den Umgang mit und die Reflektion von sexualisierter Gewalt!<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Vor ein paar Monaten, als #aufschrei auf Twitter aufkam, schrieb ich einen Blogpost zu meiner Rolle als T\u00e4ter[<a href=\"http:\/\/freikaempfer.net\/blog\/?q=node\/37\" target=_blank>1<\/a>]. Damals hatte ich den Vorteil, mich in einer komplett neuen Umgebung zu befinden. Ich befand mich also nicht in meinem gewohnten Umfeld von Stadt oder Personen. Somit fiel es mir vergleichsweise einfacher \u00fcber mich und meine Handlungen sowie deren Auswirkungen nachzudenken. <\/p>\n<p>Zu dieser Zeit war mir das allerdings noch nicht klar. Erst als ich wieder in mein gewohntes Umfeld zur\u00fcckkam und auch wieder auf Menschen traf mit denen ich zuvor (pers\u00f6nlich\/politisch) zu tun hatte. Das ist mir aber nicht sofort aufgefallen, sondern erst sp\u00e4ter. Zun\u00e4chst fiel mir nur auf, das ich mich teilweise mackrig Verhalte (raumeinnehmendes Sitzen z.B.) oder meinem Anspruch einer gendergerechten Sprache nicht gerecht werde (urspr\u00fcnglich englische Worte als englische behandelt und diese nicht gegendert obwohl sie mittlweile eingedeutscht sind z.B.). Als ich &#8217;neue&#8216; Menschen kennenlernte, passierte folgendes: Menschen, die ich im bekannten sozialen Umfeld neu kennenlernte, verhielt ich mich gegen\u00fcber eher so wie ich es schon 1-2 Jahre zuvor tat. Menschen, die ich allerdings au\u00dferhalb meines bekannten sozialen Umfeldes neu kennenlernte, verhielt ich mich gegen\u00fcber nun ver\u00e4ndert. Das fiel mir aber auch erst etwas sp\u00e4ter auf.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<blockquote align=\"center\">\n<p align=\"center\"><strong>Triggerwarnung<\/strong><br \/>Dieser Text behandelt den Umgang mit und die Reflektion von sexualisierter Gewalt!<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Vor ein paar Monaten, als #aufschrei auf Twitter aufkam, schrieb ich einen Blogpost zu meiner Rolle als T\u00e4ter[<a href=\"http:\/\/freikaempfer.net\/blog\/?q=node\/37\" target=_blank>1<\/a>]. Damals hatte ich den Vorteil, mich in einer komplett neuen Umgebung zu befinden. Ich befand mich also nicht in meinem gewohnten Umfeld von Stadt oder Personen. Somit fiel es mir vergleichsweise einfacher \u00fcber mich und meine Handlungen sowie deren Auswirkungen nachzudenken. <\/p>\n<p>Zu dieser Zeit war mir das allerdings noch nicht klar. Erst als ich wieder in mein gewohntes Umfeld zur\u00fcckkam und auch wieder auf Menschen traf mit denen ich zuvor (pers\u00f6nlich\/politisch) zu tun hatte. Das ist mir aber nicht sofort aufgefallen, sondern erst sp\u00e4ter. Zun\u00e4chst fiel mir nur auf, das ich mich teilweise mackrig Verhalte (raumeinnehmendes Sitzen z.B.) oder meinem Anspruch einer gendergerechten Sprache nicht gerecht werde (urspr\u00fcnglich englische Worte als englische behandelt und diese nicht gegendert obwohl sie mittlweile eingedeutscht sind z.B.). Als ich &#8217;neue&#8216; Menschen kennenlernte, passierte folgendes: Menschen, die ich im bekannten sozialen Umfeld neu kennenlernte, verhielt ich mich gegen\u00fcber eher so wie ich es schon 1-2 Jahre zuvor tat. Menschen, die ich allerdings au\u00dferhalb meines bekannten sozialen Umfeldes neu kennenlernte, verhielt ich mich gegen\u00fcber nun ver\u00e4ndert. Das fiel mir aber auch erst etwas sp\u00e4ter auf.<\/p>\n<p>Auf einer politischen Veranstaltung zu den Themen &#8222;Awareness und Privilegien&#8220; hatte ich die M\u00f6glichkeit, einen Workshop zum Thema &#8222;Awareness und Empowerement&#8220; zu besuchen. Diese M\u00f6glichkeit habe ich genutzt und dabei vieles \u00fcber die pers\u00f6nliche Wahrnehmung von (sexualisierter) Gewalt gelernt. W\u00e4hrend dieser Veranstaltung sind mir auch die Reader des AStA der Uni Hamburg[<a href=\"http:\/\/unterstuetzerinneninfo.blogsport.de\/\" target=_blank>2<\/a>] in die H\u00e4nde gefallen. Bisher habe ich &#8217;nur&#8216; den Kompass[<a href=\"http:\/\/unterstuetzerinneninfo.blogsport.de\/kompass\/\" target=_blank>3<\/a>] gelesen. Dieser hat mir allerdings sehr gut geholfen, einiges besser zu verstehen. Vorallem die Erl\u00e4uterung zum Thema &#8218;Definitionsmacht'(Kompass, S. 15 ff) fand ich sehr viel besser, da grundlegender und eben an Menschen in meiner Situtation gerichtet, als so vieles anderes was ich im Internet fand. Ein weiterer Text hat mich ebenfalls sehr interessiert bzw. stark angesprochen. Er wurde im Begleitreader zur Veranstaltung abgedruckt und ist urspr\u00fcnglich ein englischer Text auf countercurrents.org mit dem Titel &#8222;How Can I Be sexist? I&#8217;m An anarchist!&#8220;[<a href=\"http:\/\/www.countercurrents.org\/gender-crass250803.htm\" target=_blank>4<\/a>]. Eine deutsche \u00dcbersetzung findet sich auf Indymedia \u00d6sterreich &#8222;Wieso soll ich sexistisch sein? Ich bin Anarchist!&#8220;[<a href=\"http:\/\/at.indymedia.org\/node\/16476\" target=_blank>5<\/a>]. In vielen Punkten erinnerte mich der Text an Verhaltensmechanismen und Gedankenmuster von mir selbst. Obwohl (oder vielleicht gerade weil) der Text schon 10 Jahre alt ist.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dem Workshop, an dem ich teilnahm, gab es auch eine Fragerunde, in welcher man sich r\u00e4umlich aufstellen sollte um die Antwort zu geben. Es gab eine imagin\u00e4re Linie. Am einen Ende war das &#8218;Ja&#8216;, am anderen das &#8218;Nein&#8216;. Bei der Frage nach der pers\u00f6nlichen Erfahrung zu sexualisierter Gewalt stellte ich mich in die Mitte. Nicht, weil ich es nicht wusste. Sondern, weil &#8218;Ja&#8216; und &#8218;Nein&#8216; zutraf. Die Teamerin* fragte mich dann, ob ich etwas dazu sagen m\u00f6chte. Ich erkl\u00e4rte, warum ich hier stand. Auf der &#8218;Nein&#8216;-Seite, weil ich selbst sexualisierte Gewalt als Betroffener nicht erlebt habe bzw. es nicht so empfinde. Und auf der &#8218;Ja&#8216;-Seite, weil ich als T\u00e4ter aktiv war und sexualisierte Gewalt ausge\u00fcbt habe. Meine Entscheidung, warum ich das so offen gesagt habe, ist einfach: Ich m\u00f6chte, das sich Nachahmende finden. Ich m\u00f6chte, das meine Aktion Vorbildcharakter hat. Die Teamerin* war sichtlich \u00fcberrascht von meiner \u00c4u\u00dferung. W\u00e4hrend der Pausen, es war ein ganzt\u00e4giger Workshop, haben wir, die Teamerin* und ich, uns dar\u00fcber unterhalten. Wie es dazu kam, das ich das so offen sage und das ich \u00fcberhaupt dazu gekommen bin. Dabei nannte sie* mich &#8218;mutig&#8216;. Meiner Ansicht nach war, bzw. bin, ich nicht mutig. Mir stellt sich das eher so dar, das ich meine politischen Anspr\u00fcche konsequent umsetze(n will). Wenn ich nicht will, das sexualisierte Gewalt passiert, dann, meine ich, muss ich auch bereit sein, meine eigenen Fehler zu erkennen und auszusprechen. Das ich auf dieser Veranstaltung und auch sp\u00e4ter keinen negativen Umgang von anderen diesbez\u00fcglich erfahren habe, z\u00e4hlt sicherlich mit dazu, das ich so dar\u00fcber denke.<\/p>\n<p>Auf der R\u00fcckfahrt von dieser Veranstaltung ist mir aber schon aufgefallen, wie mackrig ich mich in einigen Situationen doch verhalten habe. Wenn ich im Zug oder an anderen \u00f6ffentlichen Orten sitze, habe ich meistens die Beine eng gekreuzt, die Arme vor der Brust verschr\u00e4nkt oder die H\u00e4nde auf den Beinen und sitze m\u00f6glichst aufrecht. Falls ich einen Rucksack dabei habe, ist dieser nach M\u00f6glichkeit unter dem Sitz oder hinter meinen Beinen. Damit versuche ich nur einen einzigen Sitz in Anspruch zu nehmen. W\u00e4hrend dieser Veranstaltung sa\u00df ich allerdings vollkommen anders da. N\u00e4mlich so, wie ich es schon 1 Jahr zuvor getan hatte. Viele Menschen dort kannte ich und die Location kannte ich auch schon. Das f\u00fchrte dazu, das ich mit weit ausgebreiteten Armen, gespreizten Beinen und fl\u00e4zend auf diesem Stuhl sa\u00df. Gl\u00fccklicherweise nicht durchgehend, aber trotzdem oft genug. Das aber zeigt mir, im Nachhinein, das ich noch lange nicht soweit bin, meine schlechten Gewohnheiten abgelegt zu haben. Da ich jetzt in meinem bekannten Umfeld auch wieder politisch aktiv bin, muss ich jetzt auch mehr darauf achten, nicht wieder in die alten Verhaltensmuster zur\u00fcckzufallen.<\/p>\n<p>Als wei\u00dfer, physiotypischer[<a href=\"http:\/\/highoncliches.wordpress.com\/2012\/01\/11\/privilegien-physiotypischer\/\" target=_blank>6<\/a>], hetero cis-Mann[<a href=\"http:\/\/gender.wikia.com\/wiki\/Cisgender\" target=_blank>7<\/a>] bin ich privilegiert. Und das muss mir bewusst sein. Ob es nun um sexistische Diskriminierung oder um eine andere Form von Diskriminierung geht.<\/p>\n<hr>\n<p>[1] <a href=\"http:\/\/freikaempfer.net\/blog\/?q=node\/37\" target=_blank>&#8222;Ich bin T\u00e4ter.&#8220; http:\/\/freikaempfer.net\/blog\/?q=node\/37<\/a><br \/>\n[2] <a href=\"http:\/\/unterstuetzerinneninfo.blogsport.de\/\" target=_blank>http:\/\/unterstuetzerinneninfo.blogsport.de\/<\/a><br \/>\n[3] <a href=\"http:\/\/unterstuetzerinneninfo.blogsport.de\/kompass\/\" target=_blank>http:\/\/unterstuetzerinneninfo.blogsport.de\/kompass\/<\/a><br \/>\n[4] <a href=\"http:\/\/www.countercurrents.org\/gender-crass250803.htm\" target=_blank>http:\/\/www.countercurrents.org\/gender-crass250803.htm<\/a><br \/>\n[5] <a href=\"http:\/\/at.indymedia.org\/node\/16476\" target=_blank>http:\/\/at.indymedia.org\/node\/16476<\/a><br \/>\n[6] <a href=\"http:\/\/highoncliches.wordpress.com\/2012\/01\/11\/privilegien-physiotypischer\/\" target=_blank>http:\/\/highoncliches.wordpress.com\/2012\/01\/11\/privilegien-physiotypischer\/<\/a><br \/>\n[7] <a href=\"http:\/\/gender.wikia.com\/wiki\/Cisgender\" target=_blank>http:\/\/gender.wikia.com\/wiki\/Cisgender<\/a>(englisch)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>TriggerwarnungDieser Text behandelt den Umgang mit und die Reflektion von sexualisierter Gewalt! Vor ein paar Monaten, als #aufschrei auf Twitter aufkam, schrieb ich einen Blogpost zu meiner Rolle als T\u00e4ter[1]. Damals hatte ich den Vorteil, mich in einer komplett neuen Umgebung zu befinden. 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