{"id":68,"date":"2014-10-28T20:52:50","date_gmt":"2014-10-28T19:52:50","guid":{"rendered":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/2014\/10\/28\/hh2112-masse-druck-blaulicht-und-krankenhaus\/"},"modified":"2017-09-23T13:53:49","modified_gmt":"2017-09-23T11:53:49","slug":"hh2112-masse-druck-blaulicht-und-krankenhaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/2014\/10\/28\/hh2112-masse-druck-blaulicht-und-krankenhaus\/","title":{"rendered":"#HH2112 &#8211; Masse, Druck, Blaulicht und Krankenhaus"},"content":{"rendered":"<p>Am 21. Dezember 2013 war ich bei der Demonstration in Hamburg. Seit dem \u00fcberlege ich, ob ich meine Erlebnisse ver\u00f6ffentlichen soll. Aufgeschrieben habe ich sie kurz nach der Demo. Jetzt habe ich mich dazu entschieden, sie auch zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<hr>\n<p>Am Samstag, 21. Dezember 2013, sollte in Hamburg eine Demonstration stattfinden, welche den Erhalt der Esso-H\u00e4user, der Roten Flora und das Bleiberecht f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge fordern wollte. Um 13:00 Uhr kam ich in Hamburg an. Um 14:00 Uhr sollte die Demo starten. Um 15:00 Uhr setzt sich die Demo in bewegung. Ich bin mit meiner Bezugsgruppe weiter hinten. Wir stehen direkt vor der Flora. Vor uns stehen Unmengen an Menschen. Hinter uns ebenfalls. Dann sehen wir zwei Wasserwerfer, die unter der Br\u00fccke hervorfahren. Zu diesem Zeitpunkt war die Demo-Spitze schon zur\u00fcck in Richtung Flora gedr\u00e4ngt worden. Dann sehe ich Polizei-Trupps in die Menge rennen. Und wieder zur\u00fcckweichen. Ich hatte damit gerechnet, solche Szenen fr\u00fchestens in der N\u00e4he der Innenstadt zu sehen. Nicht aber schon direkt zu beginn. Der Wasserwerfer zielt in die Menge. Ich werde Nass. Und gehe mit meiner Bezugsgruppe in Richtung Juliusstra\u00dfe. Wobei &#8218;gehen&#8216; nicht ganz stimmt. Wir werden gedr\u00e4ngt. Zun\u00e4chst von den Massen, die vorn von der Polizei zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden. Dann von der Polizei selbst. Wir stolpern \u00fcber Bordsteine, M\u00fclltonnen und Fahrr\u00e4der. An der Sparkasse stehen wir auf einmal in der ersten Reihe. Vor uns eine Wand aus Polizist_innen mit Tonfa im Anschlag, schreiend und dr\u00fcckend. Sie schubsen mich. Ich trete zur\u00fcck. Und bekomme daf\u00fcr einen Tonfa auf den Sch\u00e4del. Zum Gl\u00fcck nur ein Streifschlag, aber es bleibt eine Beule. Ich trete nochmal. Und nochmal. Immer auf Brusth\u00f6he. Um diese Irren von mir fern zu halten. Ich bekomme einen Tonfa in die rechte Magengegend gerammt und werde geschubst. Ich falle auf ein Fahrrad. Zum Gl\u00fcck ist mein R\u00fccken gepolstert. Ich versuche aus dem Liegen heraus zu treten. Leute aus der Menge helfen mir hoch und ziehen mich zur\u00fcck. Dann passiert lange nichts mehr. Wir sitzen in einem Kessel fest. In der Juliusstra\u00dfe. Die Menschenmenge ist verdichtet. Es wird dunkler und ich nehme meine Sonnenbrille ab. Der rechte B\u00fcgel ist abgebrochen. Wahrscheinlich durch den Tonfa-Schlag. Langsam sp\u00fcre ich Schmerzen in der rechten Magengegend. Mein rechter Oberschenkel tut mir weh. An beiden Stellen finde ich sp\u00e4ter gro\u00dfe blaue Flecken. Von hinten f\u00e4hrt ein Wasserwerfer vor. Die ganze Stra\u00dfe pulsiert in blauem Licht. Dann zieht sich die Polizei-Linie vor uns langsam zur\u00fcck. Uns wird der Weg frei gemacht. An der Kreuzung Schulterblatt \/ Susannenstr \/ Juliusstr steht eine Polizei-Linie um uns nach rechts ins Schulterblatt Richtung Neuer Pferdemarkt zu schicken. Wir gehen mit. Als wir den Lauti von LampedusaHH erreichen, zieht sich das Polizeisparlier zur\u00fcck. Mein Handy ist seit Stunden aus. Ich habe keine Uhr bei mir. Ich habe keine Ahnung, wie sp\u00e4t es jetzt ist oder wie lange wir in der Juliusstra\u00dfe standen. Nach vorn geht es nicht weiter. Nach hinten ebenfalls nicht. Wir gehen durch ein Tor in einen Hinterhof und folgen vielen Menschen. Auf dem Weg stehen an den T\u00fcren immer wieder Menschen, die uns sagen, wir sollen uns beeilen. Wir laufen schneller. Wir kommen auf eine Stra\u00dfe, ich habe keine Ahnung welche es ist oder wo wir sind. Der Einfachheit-halber folgen wir dem Mob. Dann kommt bewegung ins Spiel. Hinter uns joggt eine Polizeihundertschaft auf uns zu. Wie eine dunkle Wand schiebt sie sich nach vorn. Wir joggen los. Jetzt erkenne ich die Gegend. Wir sind in der N\u00e4he des Bahnhofs Sternschanze. Dort teilt sich der Mob. Einige laufen in Richtung des Schanzenparks. Anderen weiter Richtung Altonaer Stra\u00dfe. Wir laufen weiter gerade aus. An der Kreuzung verlieren wir den restlichen Mob. Und gehen weiter auf der Weidenallee. Von diesem Moment ist f\u00fcr uns alles gelaufen. Wir sind schlecht vorbereitet. Haben keine Karte dabei und kennen uns nicht aus. Das einzige was uns jetzt noch bleibt, ist der WAP-Ticker. Immer, wenn dort eine Aktion berichtet wird, versuchen wir dorthin zu gelangen. Aber wir verlaufen uns und wissen nicht, wo wir sind. Wir sehen kaum Polizei. Die Sirenen r\u00fccken immer weiter weg. Ganz offensichtlich laufen wir in die falsche Richtung. Irgendwann kommen wir an der U-Station Hoheluftbr\u00fccke an. Zu diesem Zeitpunkt ist noch von keiner Sponti dort die Rede. Also steigen wir in die Bahn und fahren zum G\u00e4nsemarkt. Aber die Aktionen dort sind schon lange vorbei. Die Polizei steht dort massiv an jeder Ecke. Ich erkenne einen der BFE-Trupps. Sie kommen aus der selben Ecke wie ich. Wir laufen noch kurz durch die Fu\u00dfg\u00e4nger_innenzone. Dann stellen wir uns in eine unbeobachtete Ecke und beraten, was wir tun sollen. Der Ticker ist still. Wir haben keinen Kontakt zu anderen Aktivist_innen. Und wir haben Hunger. Also gehen wir zur\u00fcck zur U-Station und fahren zur Sternschanze. Wir haben entschieden, erstmal etwas zu essen und uns dann in unsere Unterkunft zur\u00fcck zu ziehen um weiteres zu planen. In der Bahn ziehen wir uns w\u00e4hrend der Fahrt um. Wir sind jetzt nicht mehr Schwarz gekleidet. Haben bunte Klamotten an. Die Polizei l\u00e4sst uns in Ruhe. Es ist etwa 20:00 Uhr als wir wieder in der Unterkunft sind. Unser Gastgeber hat gerade den Fernseher laufen. Es kommt die tagesschau. Mit einem Bericht \u00fcber die Flora-Demo. Es ist von Gewalt und Ausschreitungen die Rede. Von Polizei, die mit Wasserwerfer und Schlagstock gegen Randalierer vorgeht. Und das es die schwersten Ausschreitungen dieser Art seit Jahren seien. Wir m\u00fcssen ein wenig schmunzeln, auch wenn wir von den Bildern fasziniert sind. Wir diskutieren einige Minuten lang mit unserem Gastgeber \u00fcber den Start der Demo. Dann muss er gehn. Kurz darauf entscheiden auch wir uns, wieder zu gehen. Als wir in die N\u00e4he der Flora kommen, sehen wir eine Wand von Polizist_innen, Wasserwerfer und Blaulicht. Wir entscheiden uns, lieber von der anderen Seite zur Flora zu gehen. Wir \u00e4ndern unsere Richtung und laufen durch den Flora-Park. Kaum sind wir an der Flora angekommen, wird die Situation hitziger. Die Polizei r\u00fcckt vor. Sachen fliegen durch die Luft. Dann beruhigt sich die Lage kurz. Wir stehen an der Ecke Schulterblatt \/ Juliusstra\u00dfe. Gegen\u00fcber der Haspa. Dort wollen wir beraten, was wir jetzt tun. Wohin wir gehen. Was der Ticker sagt. Auf einmal st\u00fcrmt die Polizei vor. Sie kommt von allen Seiten. In der Eile rennen wir in die Juliusstra\u00dfe. Dann kommt auch von dort Polizei. Sie rennen direkt auf uns zu. Schreien. Vor mir rei\u00dft ein Polizist einen Menschen zu Boden und wirft sich auf ihn. Ich bin gerade auf den Treppen zum Eingang in den Flora-Park. Ich versuche auszuweichen. \u00dcberall ist Polizei. \u00dcberall werden Menschen zu Boden gerissen. Dann versuche ich weiter die Treppe hoch zu rennen. Ich sehe noch, wie ein Polizist schreiend auf mich zust\u00fcrmt. Dann gehe ich zu Boden. Und&#8230;dunkel!<\/p>\n<p align=\"center\">\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/UtQ2BWSw49E\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/p>\n<p>Irgendwann wache ich in einem engen Raum auf. Um mich herum mehrere Menschen. Mein Kopf dr\u00f6hnt, meine Beine schmerzen und ich kann meinen Hals nicht bewegen. Der Notarzt spricht mich mit Vornamen an. Eine Frau sagt zu mir, ich sei im Krankenwagen und alles sei in Ordnung. Ich habe eine Sauerstoffmaske im Gesicht. Eine Krause um den Hals. Eine Infusion im rechten Handgelenk. Ich bin auf einer Rettungstrage festgeschnallt. Mir ist kalt und ich zittere. Der Notarzt fragt mich, ob ich Schmerzen habe. Es f\u00e4llt mir schwer zu antworten. Mein Kopf dr\u00f6hnt noch immer. Ich versuche so gut es geht zu antworten und erw\u00e4hne die Kopfschmerzen. Ich bin benommen. Keine Ahnung, wo ich eigentlich bin. Dann h\u00f6re ich eine T\u00fcr knallen. Der Motor startet und der Krankenwagen f\u00e4hrt los. Ein Sanit\u00e4ter bleibt bei mir und fragt nach Vorerkrankungen, Allergien, ob mir \u00dcbel sei. Redet mir immer wieder gut zu. Ich versuche zu Fragen, was im Tropf ist. Nach dem dritten Versuch versteht er mich. Es ist Natrium-Chlorid. Kochsalzl\u00f6sung. Er erkl\u00e4rt mir noch warum. Und h\u00e4lt mich wach. Immer wieder dr\u00f6hnt die Sirene. Die Trage federt auf und ab, neigt sich zur Seite. Dann kommen wir im Krankenhaus an. Man bringt mich rein, schiebt mich in ein Zimmer. Ein Mann fragt schroff, bei welcher Krankenkasse ich versichert bin. Langsam wird es mit dem Sprechen besser. Auch die Kopfschmerzen werden besser. Ich werde gefragt, ob ich mich alleine von der Trage ins Krankenbett legen kann. Ich versuche es. Mit M\u00fche klettere ich schwerf\u00e4llig ins Krankenbett. Dann kommen zwei Krankenpflegerinnen. Zuerst wird mir ein Armband mit meinem Namen und meinem Geburtsdatum verpasst, dann werde ich ausgezogen. Mir wird ein Krankenhemd verpasst. \u00dcber mir schwebt der Tropf. Im Zimmer liegt noch ein \u00e4lterer Mann, der durch die Aktion geweckt wurde. Irgendwann kommt ein Arzt zu mir. Er spricht mit mir w\u00e4hrend eine Krankenpflegerin mir etwas Blut abnimmt. Sich bewegen f\u00e4llt mir noch immer schwer. Der Arzt spricht von einer m\u00f6glichen Gehirnverletzung. Das ich spuren von Gewalteinwirkung an meinem Kopf habe. Fragt mich, was passiert ist. Ich sage ihm, das ich mich kaum erinnern kann. Das ich nur noch wei\u00df, das ich gerannt bin und dann im Krankenwagen wieder zu mir kam. Die Erinnerung kommt erst langsam wieder. Er sagt, er schickt einen Neurologen zu mir. Irgendwann kommt dieser auch. Er nimmt mir die Halskrause ab und testet meine Augenreflexe. Dann r\u00e4t er mir zu einer CT-Untersuchung. Ich willige ein. Sp\u00e4ter werde ich von einer Krankenpflegerin zur CT-Untersuchung gebracht. Ich liege noch immer wenig bewegt im Bett. Meine Glieder f\u00fchlen sich schwer an. Die Untersuchung selbst geht schnell. Zumindest l\u00e4sst das der Kommentar der Krankenpflegerin vermuten, die mich brachte und wieder abholte. Ich habe jedes Zeitgef\u00fchl verloren. Im Zimmer warte ich dann wieder auf den Arzt. Eine andere Krankenpflegerin sagte mir auf dem Weg, zwei meiner Freunde w\u00fcrden schon auf mich warten. Mein Handy vibriert. Es ist in der Tasche, die am Fu\u00dfende meines Bettes angebracht ist. Ich komme nicht ran. Es vibriert immer wieder. Der Arzt kommt und berichtet mir von der CT-Untersuchung. Er sagt, es sei nichts zu erkennen. Und fragt mich, wie es mir jetzt geht. Ich sage ihm, das es besser wird. Die Kopfschmerzen nicht mehr so stark sind und ich mich besser wieder bewegen kann als noch im Krankenwagen. Schlie\u00dflich sagt er mir, ich k\u00f6nne gehen, wenn ich das wolle. Soll aber die n\u00e4chsten 24 Stunden nicht alleine sein. Er erz\u00e4hlt mir, was momentan in meinem Gehirn passiert sein k\u00f6nnte. Das Gef\u00e4\u00dfe geplatz sein k\u00f6nnten, die jetzt noch nicht auf dem CT zu erkennen sind. Und er sagt mir, wenn es mir wieder schlechter geht, ich Schwindel empfinde oder mir \u00dcbel wird, soll ich sofort wieder in diese Klinik zur\u00fcck kommen. Er sagt, solche Blutungen k\u00f6nnen zum Tod f\u00fchren. Ich entscheide mich dazu, zu gehen. Der Arzt bietet mir an, das ich \u00fcber Nacht zur Beobachtung bleiben kann. Aber ich will gehen. Ich will zu meinen Leuten. Mir wird vom Arzt Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr entgegen gebracht. Bevor er geht, sagt er mir noch, das er einen Bericht schreibt, den ich mir an der Rezeption abholen kann. Und das eine Krankenpflegerin kommen wird, um meine Infusionsnadel zu ziehen. Der Tropf ist schon seit dem Besuch des Neurologen leer. Als der Arzt gegangen ist, stemme ich mich hoch und fummele mein Handy aus der Tasche an meinem Bett. Und stoppe das zyklische Vibrieren. Schlie\u00dflich kommt eine Krankenpflegerin. Sie zieht mir die Infusionsnadel und macht noch einen flapsigen Kommentar \u00fcber die Demo. Sie beschreibt mir den Weg zum Ausgang. Sagt mir, das ich das Wattepad noch eine Weile auf die Einstichstelle dr\u00fccken soll. Und geht. Ich sitze im Bett und dr\u00fccke das Wattepad auf die Stelle. Dann stehe ich auf und ziehe mich langsam an. Jetzt ja nicht zu schnell sein, um den Kreislauf nicht zu \u00fcberfordern. Auf meinem K\u00f6rper kleben vier Elektroden. Zug\u00e4nge f\u00fcr den Herz-Monitor. Ich habe keine Erinnerung daran, das sie mir angeklebt wurden. Oder das sie benutzt wurden. Erst am n\u00e4chsten Morgen mache ich sie ab. Ich gucke auf meine Handy-Uhr. Es ist ca. 23:30 Uhr. Ich habe gut drei Stunden gelegen. Wie lange ich bewusstlos war, wei\u00df ich nicht. Dann verlasse ich das Zimmer. Und entschuldige mich beim Bettnachbarn f\u00fcr die St\u00f6rung. Am Ausgang warten wirklich schon zwei aus meiner Bezugsgruppe auf mich. Das erleichtert mich. Als die Krankenpflegerin mir sagte, meine Freunde w\u00fcrden auf mich warten, dachte ich zuerst an die Polizei. Dann an den EA. Die Frau an der Rezeption fragt, ob ich der xyz sei. Ich best\u00e4tige. Und bekomme von ihr einen Briefumschlag. Er enth\u00e4lt den Bericht des Arztes. Au\u00dferdem fragt sie mich, ob ich noch Kopfschmerzen habe. Auch das best\u00e4tige ich. Und bekomme von ihr vier Paracetamol zugeschoben. Ich bedanke mich und bitte sie, auch den beiden Krankenpflegerinnen auf der Station meinen Dank auszurichten. Und der Krankenwagenbesatzung. Dann gehe ich. Im Bericht steht als Diagnose &#8222;Gehirnersch\u00fctterung. Retro- und anterograde Amnesie&#8220;.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur\u00fcck zur Unterkunft erz\u00e4hlen mir meine Freunde, was passiert ist. Sie erz\u00e4hlen, das der vierte aus unserer Bezugsgruppe ebenfalls von der Polizei erwischt wurde. Und das er die ganze Zeit nur ein paar Meter neben mir stand, als ich bewusstlos am Boden lag. Mir wird erz\u00e4hlt, was um mich rum passierte. Das die Polizei die Umgebung massiv abgeschirmt hatte. Leute wegschickte. In der Unterkunft angekommen spreche ich mit dem Freund, der direkt dabei war. Wir fragen uns gegenseitig, wie es uns geht. Er hatte sich schon hingelegt. Und ist total fertig. Ich bin noch etwas aufgekratzt. Und habe Hunger. Ich esse die Pommes, die ich mir auf dem Weg geholt habe. Dann gehen auch wir drei schlafen. Es war ein langer Tag, an dessen Ende ein Krankenhausbesuch und zerschnittene Klamotten standen. Irgendwann wurden mir wohl meine Jacken\u00e4rmel der L\u00e4nge nach aufgeschnitten. Mein Halstuch ist geteilt. Aber ich habe alles wieder. Nur ein Handschuh fehlt. Ich lege mich in kompletten Klamotten ins Bett. <\/p>\n<p>Erst am Montag, 23. Dezember 2013, ruft mich ein Genosse an. Ich werde gefragt, ob ich gerade Zugang zu YouTube habe und ich solle mal nach einem bestimmten Video suchen. Es ist das oben eingebundene Video mit dem Augenzeugenbericht einer Anwohnerin. Ich habe mir seitdem diese Aufnahme immer und immer wieder angeh\u00f6rt. Ich habe noch immer gro\u00dfe blaue Flecken am rechten Oberschenkel und in der rechten Magengegend. Mein Brustbein tut bei Druck weh. An der linken H\u00fcfte habe ich eine leichte Prellung. An der Stirn zwei deutlich sichtbare Prellmarken, von denen mindestens eine wohl auch geblutet hat. An der rechten Kopfseite habe ich eine Beule. Mein Nasenbein ist druckempfindlich. Wenn ich allerdings lese, was andere erlitten haben, f\u00fchle ich mich sehr unverletzt.<\/p>\n<p>Ich hoffe, allen Verletzten geht es besser.<br \/>\nIch hoffe, alle Betroffenen kommen mit dem Erlebten klar.<br \/>\nIch hoffe, die Polizist_innen, die mich umgenietet haben, haben sich danach richtig schei\u00dfe gef\u00fchlt.<br \/>\nDanke an die Anwohner_innen der Juliusstra\u00dfe! =)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 21. Dezember 2013 war ich bei der Demonstration in Hamburg. Seit dem \u00fcberlege ich, ob ich meine Erlebnisse ver\u00f6ffentlichen soll. Aufgeschrieben habe ich sie kurz nach der Demo. Jetzt habe ich mich dazu entschieden, sie auch zu ver\u00f6ffentlichen. Am Samstag, 21. 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