{"id":74,"date":"2014-07-09T15:11:59","date_gmt":"2014-07-09T13:11:59","guid":{"rendered":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/2014\/07\/09\/einklaufen-praktischer-antikapitalismus\/"},"modified":"2017-09-23T13:53:49","modified_gmt":"2017-09-23T11:53:49","slug":"einklaufen-praktischer-antikapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freikaempfer.net\/b\/2014\/07\/09\/einklaufen-praktischer-antikapitalismus\/","title":{"rendered":"EinKLAUfen &#8211; Praktischer Antikapitalismus"},"content":{"rendered":"<p>Der Ladendiebstahl ist, wie alles andere auch, eine Aktion. Hierbei geht es vor allem um die politische Aktion des Ladendiebstahls. Und deswegen steht zu Beginn erst einmal eine theoretische Betrachtung der Aktion an. Also die Frage nach dem &#8222;Warum?&#8220;. Sp\u00e4ter erst kommen einige (unvollst\u00e4ndige) Tipps f\u00fcr die Praxis. Allerdings soll es auch um die Grenzen der politischen Aktion gehen. Da die Aktion des Ladendiebstahls, meines Erachtens, nahtlos in die Reproduktion von Kapitalismus und Konsum \u00fcbergehen kann, widme ich mich auch dieser Angelegenheit.<\/p>\n<p><strong>Auf Anfang: Was ist \u00bbLadendiebstahl\u00ab eigentlich?<\/strong><br \/>\nDas Wort <i>Ladendiebstahl<\/i> ist, juristisch betrachtet, im Sammelbegriff des <i>Diebstahl<\/i> untergebracht. Dieser wird im Strafgesetzbuch (StGB) im \u00a7242 geregelt.<\/p>\n<blockquote><p>\n\u00a7242 Strafgesetzbuch<\/p>\n<p>(1) Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu f\u00fcnf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.<br \/>\n(2) Der Versuch ist strafbar.<\/p>\n<p><i>Quelle: [1] <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stgb\/__242.html\" target=_blank>http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stgb\/__242.html<\/a><\/i>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Bezogen auf <i>Ladendiebstahl<\/i> handelt es sich also um eine Straftat, welche dadurch erf\u00fcllt wird, dass eine Person in einem Ladengesch\u00e4ft(REWE, Aldi, Lidl, etc.) eine oder mehrere Waren an sich nimmt ohne diese anschlie\u00dfend an der Kasse zu kaufen. Dabei wird <i>&#8222;kaufen&#8220;<\/i> allgemein definiert als eine Aktion mit min. 2 Beteiligten, wobei eine Person(Verk\u00e4ufer_in) einer anderen Person(K\u00e4ufer_in) eine Sache(Ware) f\u00fcr (meist) Geld \u00fcberl\u00e4sst. Dabei besteht von beiden Personen jeweils die Willenserkl\u00e4rung zum Verkauf sowie zum Kauf der Sache. Di:er Verk\u00e4ufer_in kann also di:en K\u00e4ufer_in nicht zum Kauf einer Sache zwingen. Ebenso kann di:er K\u00e4ufer_in di:en Verk\u00e4ufer_in nicht zum verkauf zwingen. In Unternehmen wird die <i>stillschweigende Willenserkl\u00e4rung<\/i> an der Kasse vorausgesetzt. Das (Kassen-)Personal eines Ladengesch\u00e4ftes nimmt dabei stellvertretend f\u00fcr das Unternehmen die Rolle des_der Verk\u00e4ufer_in ein. Das Anbieten der Ware zum Kauf wird hierbei als <i>Willenserkl\u00e4rung zum Verkauf<\/i> seitens des Unternehmens gewertet. Das Vorlegen der Ware an der Kasse durch di:en K\u00e4ufer_in dann entsprechend als <i>Willenserkl\u00e4rung zum Kauf<\/i>. Zu beachten ist, das Preisauszeichnungen <u>nicht<\/u> Teil des an der Kasse entstehenden Kaufvertrages sind. Juristisch gilt der Preis, der an der Kasse durch das Kassensystem angezeigt wird. Ein_e K\u00e4ufer_in kann an der Kasse noch immer von der Kaufabsicht f\u00fcr eine Ware zur\u00fccktreten. Wenn der Preis am Regal nun von dem Preis an der Kasse abweicht und das Unternehmen dann den g\u00fcnstigeren (Regal-)Preis berechnet, ist das zu 100% Kulanz, also freiwillig. Nach Beenden des Bezahlvorganges ist der Kaufvertrag dann geschlossen. An der Kasse ist das in der Regel dann der Fall, wenn der Kassenbon gedruckt und an di:en K\u00e4ufer_in ausgeh\u00e4ndigt wurde. Da es aber in manchen Ladengesch\u00e4ften (REWE z.B.) nicht immer einen Kassenbon gibt, gilt f\u00fcr den Vertragsabschluss das widerspruchslose Bezahlen der Ware.<\/p>\n<p>Der <i>Ladendiebstahl<\/i> findet also dann statt, wenn eine Ware absichtlich aus dem Ladengesch\u00e4ft gebracht wird, ohne sie zu <i>kaufen<\/i>.<\/p>\n<blockquote><p>\n\u00bbNicht nur versuchter, sondern bereits vollendeter Diebstahl liegt h\u00e4ufig beim Ladendiebstahl vor, wenn der T\u00e4ter[sic!] die Ware aus der Auslage entnimmt und an seinem K\u00f6rper, in seiner Kleidung oder mitgef\u00fchrten Taschen verbirgt.\u00ab<br \/>\n<i>Quelle: [2] <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/nachschlagen\/lexika\/recht-a-z\/22017\/diebstahl\" target=_blank>http:\/\/www.bpb.de\/nachschlagen\/lexika\/recht-a-z\/22017\/diebstahl<\/a><\/i>\n<\/p><\/blockquote>\n<p><u>Au\u00dferdem interessant:<\/u><br \/>\nJuristisch betrachtet gibt es Unterschiede zwischen \u00bbEigentum\u00ab und \u00bbBesitz\u00ab. Der Unterschied dabei ist rein formal. Di:er &#8222;Eigent\u00fcmer_in&#8220; ist die Person, welche juristisch betrachtet die Gewalt \u00fcber etwas hat. Das ist z.B. die Autovermietung, die \u00fcber ihre Auto-Flotte bestimmen darf. Di:er &#8222;Besitzer_in&#8220; hingegen ist immer die Person, welche die unmittelbare Gewalt \u00fcber etwas hat. Also z.B. di:er Mieter_in eines Autos, da si:er das Auto auch einfach zerst\u00f6ren kann. Personen k\u00f6nnen auch &#8222;Eigent\u00fcmer_in&#8220; und &#8222;Besitzer_in&#8220; zeitgleich sein. So z.B. wenn eine Person den eigenen Laptop bei sich hat. Zudem ist es juristisch nicht M\u00f6glich, das gestohlenes Eigentum di:en Eigent\u00fcmer_in wechselt. Ein Eigent\u00fcmer_innenwechsel kann nur durch Vertrag stattfinden (z.B. Kaufvertrag oder Schenkungsvertrag).<\/p>\n<p><strong>Weiter: Wieso \/ Weshalb \/ Warum<\/strong><br \/>\nNat\u00fcrlich sollte sich die Frage stellen, <i>warum<\/i> die Aktion des Ladendiebstahls eigentlich durchgef\u00fchrt wird \/ werden soll. Einen netten, aber ziemlich kurzen, Ansatz hat dabei di:er Schreiber_in dieses Indy-Artikels[<a href=\"http:\/\/de.indymedia.org\/2003\/01\/38215.shtml\" target=_blank>3<\/a>] im Januar 2003 gehabt. Nachfolgend gehe ich auf die dort gestellten Fragen genauer ein. Die folgenden Zitate stammen aus besagtem Indy-Artikel.<\/p>\n<blockquote><p>\nWer ist der\/die betreffende AktivistIn? [\u2026]<br \/>\nIst nicht das politische Bewusstsein sondern der soziale Status das entscheidende?\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Frage ist eine, meines Erachtens, sehr wichtige Frage. \u00bb<i>Wer<\/i> f\u00fchrt die Aktion <i>warum<\/i> durch?\u00ab.<br \/>\nDar\u00fcber kann nun, wenn gewollt, ausgiebig diskutiert werden. Meiner Meinung nach ist die Frage nach dem <i>warum<\/i> allerdings wichtiger. Die Motivationen sind sicherlich so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Deswegen kategorisiere ich diese Motivationen bin\u00e4r in &#8222;politisch&#8220; und &#8222;unpolitisch&#8220;. Das ist gewiss etwas flach. Dadurch lassen sich jedoch Grenzen der politischen Aktion des Ladendiebstahls besser ziehen. Es ist vor allem wichtig, ob di:er Aktivist_in die Aktion durchgef\u00fchrt hat, um sich selbst zu unterst\u00fctzen oder um anderen diese Unterst\u00fctzung zukommen zu lassen. Dabei ist als n\u00e4chstes die Frage nach der Situation deren, die diese Unterst\u00fczung erhalten. Wenn di:er Aktivist_in also sich selbst unterst\u00fctzen will, ist die Frage nach der Situation. Angenommen, si:er ist Auszubildende_r. Die Ausbildungsverg\u00fctung reicht aber nur f\u00fcr eine akzeptable Wohnung, Strom\/Heizung und &#8222;das N\u00f6tigste&#8220;*. Da es in einer solchen Situation oft wichtig ist an allen (un-)m\u00f6glichen Ecken zu sparen, halte ich den Ladendiebstahl f\u00fcr gerechtfertigt. Erwebslose, Harz-IV-Bezieher_innen, Aufstocker_innen und welche Namen von Armut betroffene sonst noch vom Staat bekommen haben, haben in meinen Augen ohnehin eine Rechtfertigung f\u00fcr den Ladendiebstahl.<br \/>\nPersonen, welche Ladendiebstahl allerdings nur aus Spa\u00df und nicht aus einer Not heraus betreiben, halte ich nicht f\u00fcr politische Aktivist_innen. Da kommen wir dann jetzt zur Frage nach dem <i>wer<\/i>. Hat die Person, welche den Ladendiebstahl durchf\u00fchrt, einen \u00bbLuxus-Hintergrund\u00ab? Stammt also aus einem Verh\u00e4ltnis, in dem si:er keinerlei finanziellen Sorgen kennt und m\u00f6chte mit dieser Aktion evtl. nur gegen die allumsorgende elterliche Hand rebellieren.<\/p>\n<p>Das <i>Wer<\/i> und das <i>Warum<\/i> sind etwas vermischt. Deswegen gehe ich jetzt nochmal darauf ein, warum das <i>warum<\/i> wichtiger als das <i>wer<\/i> ist. Denn es kann ja sein, das eine Person mit einem \u00bbLuxus-Hintergrund\u00ab den Ladendiebstahl begeht, die angeeigneten Waren dann aber anderen zukommen l\u00e4sst, die sich diese nicht leisten k\u00f6nnen. Dieser Fall w\u00e4re f\u00fcr mich wiederrum ok. Das <i>Warum<\/i> wiegt also schwerer als das <i>Wer<\/i>, wobei das <i>Wer<\/i> weniger Interessant wird, wenn das <i>Warum<\/i> ok ist. Selbstverst\u00e4ndlich kommen wir damit in den Bereich der Privilegien und dem durch die eigene Aktion unsichtbar-machen von Betroffenen. Diese Diskussion m\u00f6chte ich allerdings an dieser Stelle nicht f\u00fchren.<\/p>\n<p><font size=-2><i>*Da es sich hierbei um einen h\u00f6chst subjektiven Begriff handelt, will ich ihn hier kurz definieren: Gemeint ist eine Lebenssituation, welche es einer Person erm\u00f6glicht, Vorrausschauend zu handeln. Eine Person sich also nicht den Kopf zerbrechen muss, ob im Folgemonat das Geld ausreicht um Miete\/Strom\/Heizung zu bezahlen. Das Geld allerdings auch nicht aussreicht, um ein eigenes Auto zu finanzieren, Urlaub zu machen oder gr\u00f6\u00dfere Anschaffungen zu machen(z.B. neuer PC\/Laptop, Waschmaschine). Alles in Allem ist ein monatliches Einkommen von ca. 900\u20ac gemeint, welches zwar ein \u00dcberleben (aka Reproduktion der Arbeitskraft) zul\u00e4sst, allerdings Vergn\u00fcgen fast komplett ausklammert.<\/i><\/font><\/p>\n<blockquote><p>\nMacht es einen Unterschied in der Betrachtung, welchem\/r KapitalsitIn\/En geschadet wird[sic!] [\u2026]\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Frage w\u00fcrde ich grunds\u00e4tzlich mit einem &#8218;Nein&#8216; beantworten. Kapitalismus ist Kapitalismus, egal ob nun von einer Handelskette oder einem Kiosk durchgef\u00fchrt. Dennoch ist es ratsam, etwas \u00fcber das Unternehmen zu wissen, welches Ziel der politischen Aktion ist \/ sein soll. Das hilft auch im Falle, die Aktion au\u00dferhalb des eigenen politischen Kreises rechtfertigen zu wollen \/ m\u00fcssen. <\/p>\n<blockquote><p>\nBildet es fuer die beantwortung der eingangs gestellten Frage einen Unterschied, was enteignet wird &#8211; ein Grundnahrungsmittel, ein Computerspiel, ein Luxusgut?<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nWo ziehen wir die Grenze zwischen &#8222;Luxus&#8220; und dem Rest?<br \/>\n[\u2026]\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Jetzt kommen wir zu einem, meines Erachtens, wichtigen Knackpunkt: Wenn ich ein Handy stehle, ist das dann genauso eine politische Aktion, wie wenn ich Lebensmittel stehle?<br \/>\nHierbei sage ich erstmal: Es ist schwierig.<br \/>\nDas Stehlen eines Handys kann wahrscheinlich eine politische Aktion sein. Aber ebenso auch nicht. Wobei ich denke, das ein solcher Ladendiebstahl eher keine politische Aktion darstellt, da die Motive hierf\u00fcr wahrscheinlich eher der Konsumlust entstammen. An dieser Stelle kommen wir n\u00e4mlich zu der schmalen Grenze zwischen politischer Aktion und Reproduktion von Kapitalismus und Konsum. Ein Diebstahl, der davon getrieben ist, sich selbst zu bereichern, ist dann nur noch eine Reproduktion von Kapitalismus und Konsum. Es f\u00e4llt (mir) schwer, dabei eine klare Grenze zu ziehen, da die Lebensrealit\u00e4ten sehr unterschiedlich sind. Was f\u00fcr mich Luxus ist, kann f\u00fcr eine andere Person Notwendigkeit sein. Oder umgekehrt. Ein Laptop ist f\u00fcr mich z.B. eine Notwendigkeit, da ich als Informatik-Student darauf meine Hausarbeiten schreibe und programmiere. Ein Handy hingegen ist f\u00fcr mich prinzipiell entbehrlich. Ausgehend von meiner Lebensrealit\u00e4t kann ich aber sagen, das es keine politische Aktion w\u00e4re, w\u00fcrde ich ein Handy stehlen. Es w\u00e4re auch keine politische Aktion, w\u00fcrde ich einen Laptop stehlen, obwohl meiner noch einwandfrei funktioniert und ich keine Einschr\u00e4nkungen, wegen z.B. zu geringer Leistung, habe.<br \/>\nWas aber, wenn ich ein Handy stehle, das gar nicht f\u00fcr mich bestimmt ist? Was, wenn ich es anschlie\u00dfend als Geschenk verpacke und an eine mir wichtige Person verschenke? Oder es verkaufe? Oder wenn ich es als Demo-Handy nutze? Oder einer Aktionsgruppe \u00fcberlasse?<br \/>\nNaja, das ist wieder so eine Sache. Wenn ich etwas stehle und es dann als Geschenk verpacke, dann stille ich damit lediglich ein Konsumverlangen. Ich m\u00f6chte einer Person, egal ob diese mir nun wichtig ist oder nicht, ein Geschenk machen. Um das zu tun, schenke ich ein St\u00fcck Technik. Etwas, das keinerlei pers\u00f6nliche Note (abgesehen von der Verpackung vielleicht) hat. Diese Person k\u00f6nnte sich in vielleicht einem Jahr nicht mal mehr daran erinnern, das dieses St\u00fcck Technik von mir stammt. Aber es soll eine Zuneigung oder etwas vergleichbares ausdr\u00fccken. Die Konsumgesellschaft hat einem solchen Geschenk das Label aufgebrannt &#8222;Je teurer, desto mehr bist du der schenkenden Person wert&#8220;. Eine politische Aktion ist hierbei also nicht zu sehen. Wenn ich es verkaufe, ist wieder die Frage nach dem Motiv bzw. nach meiner Lebensrealit\u00e4t. Wenn ich Geldsorgen habe, die ich anders nicht oder nur schwerlich (Nein, Arbeiten ist nicht immer eine L\u00f6sung) l\u00f6sen kann, ist ein Diebstahl wieder ok. Allerdings kann es auch sein, das es sich hierbei um keine politische Aktion handelt, da hierbei der kapitalistische Kreislauf reproduziert wird und lediglich die Anschaffung der zu verkaufenden Ware kostenneutral gestaltet wurde. Also wieder so eine Sache. Bei den letzten beiden Fragen, also der Nutzung als Demo-Handy oder Weitergabe an eine Aktionsgruppe, halte ich alle Punkte f\u00fcr eine politische Aktion f\u00fcr erf\u00fcllt. Schlichtweg, weil die gestohlene Sache f\u00fcr eine politisch motivierte Verwendung bestimmt ist. Und zumindest im Falle eines Demo-Handys kann es nicht schaden, nicht an dem Ger\u00e4t zu h\u00e4ngen, um es im Notfall auch mal gezielter &#8222;einzusetzen&#8220;.<br \/>\nDi:er Schreiber_in des Indy-Artikels, stellte allerdings noch zur Diskussion, ob der Diebstahl eines Computerspiels tragbar ist. Als erstes k\u00e4me hier die Frage danach, was mit einem Computerspiel, oder vergleichbaren immateriellen Dingen, politisch getan werden kann. Sicherlich gibt es da einige Ideen. Bei diesem konkreten Beispiel w\u00fcrde mir z.B. die Unterst\u00fctzung eines (linken) Jugendclubs in den Sinn kommen.<\/p>\n<p><strong>Fazit bis hier hin:<\/strong><br \/>\nDer Ladendiebstahl als politisch antikapitalistische Aktion ist im Grunde immer zu rechtfertigen. Zu kritisieren ist diese Aktionsform nur, wenn sie der selbst-bereicherung und somit der Reproduktion von Kapitalismus und stillen von Konsumlust dient. Es ist dabei gleichg\u00fcltig, wo die Aktion durchgef\u00fchrt wird. Es gibt keine &#8222;guten&#8220; oder &#8222;schlechten&#8220; Kapitalist_innen. Der Kapitalismus an und f\u00fcr sich ist schlecht und somit auch jene, welche ihn aus\u00fcben.<\/p>\n<p><strong>Was fehlt&#8230;<\/strong><br \/>\n&#8230;ist eine fundierte Kapitalismuskritik. Da es sich um eine antikapitalistische Aktion handelt, sollte ich eigentlich eine Kapitalismuskritk mit formulieren. Allerdings gibt es dazu schon so einiges. Noch dazu ist das meiste davon sicherlich besser und ausf\u00fchrlicher geschrieben als das, was ich dazu schreiben k\u00f6nnte. Zumindest, ohne mich einige Zeit daf\u00fcr hinzusetzen.<\/p>\n<blockquote>\n<p align=center><strong><br \/>\nF\u00fcr nachfolgenden Teil dieser Hinweis:<br \/>\nGeschrieben aus der Sicht eines wei\u00dfen Cis-Mannes mit deutscher Sozialisation.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong><u>Aktionsformen &#038; Tipps<\/u><\/strong><br \/>\nDie Aktion des Ladendiebstahls kann verschiedenartig durchgef\u00fchrt werden. Allein, in der Gruppe oder als Teil einer gr\u00f6\u00dferen Aktion. Einmalig oder Wiederkehrend. Spontan. Geplant. Laut oder Leise. An dieser Stelle m\u00f6chte ich ein paar Formen beschreiben, die mir begegnet sind und ein paar Tipps geben, die helfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Gruppenaktion<\/strong><br \/>\nAls Gruppe gibt es, je nach Gruppengr\u00f6\u00dfe, verschiedene M\u00f6glichkeiten. Dabei kann die Faustregel &#8222;Je gr\u00f6\u00dfer, desto Lauter&#8220; genutzt werden. Wenn z.B. eine Gruppe von 20 Leuten einen Ladendiebstahl durchf\u00fchrt, kann dieser auch offensiv und laut stattfinden. Es k\u00f6nnen dabei z.B. ganze Einkaufsw\u00e4gen mit Lebensmitteln beladen und einfach aus dem Ladengesch\u00e4ft geschoben werden. Durch die Masse ist dabei nicht mit nennenswerten Widerstand seitens der Angestellten zu rechnen. Zumal viele Unternehmen ihre Belegschaften anweisen, keinen Widerstand zu leisten, sollte irgendeine Gefahr bestehen (sonst zahlt die Versicherung n\u00e4mlich nicht bzw. versucht sich zu weigern). Bei solch gr\u00f6\u00dferen Aktionen ist allerdings darauf zu achten, eine Kopfbedeckung zu tragen, welche das Gesicht etwas verdeckt (z.B. Basecap). Kameras h\u00e4ngen fast immer an der Decke und haben dadurch einen, normalerweise, vorteilhaften Blick aus der Vogelperspektive. Deren Aufl\u00f6sung ist aber oft weit unter HD-Niveau. Dadurch k\u00f6nnen Gesichter aus gr\u00f6\u00dferer Entfernen als evtl. 4-5m oft nicht mehr gut betrachtet werden.<br \/>\nWenn ihr nur eine kleine Gruppe seid, oder die Aktion einfach grunds\u00e4tzlich leise durchf\u00fchren wollt, bieten sich Gr\u00fcppchen von ca. 3-4 Leuten an. Alle mit einem (gr\u00f6\u00dferen) Rucksack. In den Rucks\u00e4cken k\u00f6nnen dann entsprechend Waren verborgen werden. Wenn dann eine Person aus der Gruppe lediglich eine handvoll Waren an der Kasse bezahlt und sich dabei angeregt mit den anderen unterh\u00e4lt, erweckt das in aller Regel keinen Verdacht.<\/p>\n<p><strong>Transport<\/strong><br \/>\nBevor ich zur Einzelaktion \u00fcbergehe, hier ein paar Dinge dazu, wie Waren am besten innerhalb des Ladengesch\u00e4ftes transportiert werden sollten und wie sie am besten nach drau\u00dfen gebracht werden k\u00f6nnen.<br \/>\nWie eben schon angeklungen, sind Rucks\u00e4cke sehr n\u00fctzliche Hilfmittel. Nur wenige Unternehmen verbieten Rucks\u00e4cke in ihren Ladengesch\u00e4ften. So z.B. MediaMarkt oder expert. Bei beiden ist das Einschlie\u00dfen in bereitgestellten Schlie\u00dff\u00e4chern aber trotzdem freiwillig. Auch gibt es keine Taschenkontrollen. Zumal diese ohne das ausdr\u00fcckliche Einverst\u00e4ndnis der besitzenden Person gar nicht gemacht werden darf. Trotzdem sollten nicht zu offensichtliche Rucks\u00e4che genutzt werden. Es bietet sich an, Rucks\u00e4cke zu nutzen, die eine verst\u00e4rkte Wand haben und somit leer und gef\u00fcllt genauso aussehen. Hinzu kommt, das zu gro\u00dfe Rucks\u00e4cke aufsehen erregen. Also am besten keinen Wanderrucksack mitnehmen, sondern einfach den allt\u00e4glichen f\u00fcr Schule\/Uni\/Ausbildung\/Whatever. Wichtig ist einfach, das der Rucksack zum Gesamterscheinungsbild passt.<br \/>\nVorallem in Lebensmittelgesch\u00e4ften ist es egal, wann die Waren in den Rucksack gepackt werden. Es empfiehlt sich, keinen Korb o.\u00e4. zu nutzen, sondern einfach die H\u00e4nde voll zu packen. Kann nicht mehr getragen werden, einfach abstellen, in den Rucksack und Rucksack ge\u00f6ffnet rumtragen. Dann ein-zwei G\u00e4nge weiter, wenn grad niemand hinsieht, Rucksack zu machen und weiter gehts. Grunds\u00e4tzlich sind die Leute zu sehr mit dem eigenen Einkauf besch\u00e4ftigt als das sie mehr als notwendig auf den anderer achten. Kameras k\u00f6nnen dabei vernachl\u00e4ssigt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dadurch entdeckt zu werden, ist sehr gering. In der Regel flimmern die Kamerabilder auf Bildschirmen im B\u00fcro der Marktleitung und werden nicht beachtet. Nur sehr selten sitzt jemand vor den Monitoren. Die Wahrscheinlichkeit steigt aber, je &#8222;vorsichtiger&#8220; die Marktleitung in Sachen Diebstahl ist. Im Allgemeinen dient die Kamera\u00fcberwachung aber nur der Aufkl\u00e4rung und nicht der Ergreifung.<br \/>\nHosentaschen eignen sich \u00fcbrigens auch hervorragend f\u00fcr kleinere Dinge.<\/p>\n<p><strong>Einzelaktion<\/strong><br \/>\nBei Aktionen, die alleine durchgef\u00fchrt werden, ist mehr vorsicht gefragt. Aber hier gilt um so mehr: Nicht auffallen! Wer sich oft suchend umsieht, unsicher wirkt und immer wieder scheinbar willk\u00fcrlich die Richtung wechselt, erzeugt aufsehen. Manchmal hilft es, sich mental Scheuklappen aufzusetzen und sich vorzustellen, einfach alleine im Ladengesch\u00e4ft zu sein. Oder am Anfang mit einer anderen Person gemeinsam reingehen und sich erstmal ein wenig auszuprobieren. Auf jedenfall sollte als Ausgang der Weg durch die Kasse genommen werden. Das erweckt, auch gegen\u00fcber Sicherheitspersonal, immernoch am wenigsten Aufsehen. Allerdings sollte hierbei eine Ruhe bestehen, wie sie bei einem normalen Einkauf auch besteht. Eine M\u00f6glichkeit kann das ausblenden der Ware sein, die nicht bezahlt werden soll. Eine andere w\u00e4re pures Training. Immer wieder das Pokerface \u00fcben.<br \/>\nVorallem in Kaufh\u00e4usern, die keine zentralen Kassen haben (z.B. Kaufhof), k\u00f6nnen (vorallem gr\u00f6\u00dfere) Waren auf einfach offen aus dem Ladengesch\u00e4ft herausgetragen werden. Grunds\u00e4tzlich wird sich niemand in den Weg stellen. In der Regel gehen Verk\u00e4ufer_innen davon aus, das die Ware bezahlt ist. Auch, wenn sie nicht in einer T\u00fcte steckt. Die einzige Person, welche sich in den Weg stellen k\u00f6nnte, w\u00e4re ein_e Ladendetektiv_in.<\/p>\n<p><strong>Erwischt werden<\/strong><br \/>\nBeim Ladendiebstahl gilt das selbe wie bei den meisten anderen Straftaten auch: Sie m\u00fcssen abgeschlossen sein, bevor eine Anzeige gestellt werden kann. Laut dem \u00a7242 StGB (oben zitiert) ist auch der Versuch strafbar. Trotzdem warten Ladendetektiv_innen ab, bis das Ladengesch\u00e4ft verlassen wurde. Das gibt ihnen n\u00e4mlich rechtliche Sicherheit. Schlie\u00dflich kann ja noch behauptet werden, es war kein Diebstahl beabsichtigt, sondern die Ware nur der bequemlichkeit halber im Rucksack verstaut worden. Oft versuchen Ladendetektiv_innen eine_n mutma\u00dfliche_n Ladendieb_in festzuhalten (ziehen an der Jacke, Rucksack, etc.). Grunds\u00e4tzlich d\u00fcrfen sie das. Das muss sich aber trotzdem niemand gefallen lassen. Vorallem nicht, wenn di:er Ladendetektiv_in sich nicht ausreichend und <u>im Vorfeld<\/u> als solche_r zu erkennen gibt. Sich losrei\u00dfen ist trotzdem den Versuch wert. Denn gelingt die Flucht, ist die Angelegenheit erledigt. Ladendiebstahl ist nur strafbar, wenn di:er T\u00e4ter_in auf frischer Tat ertappt wurde. Schlie\u00dflich kann die Ware ja auch woanders gekauft worden sein. In jedemfall gilt Mund zu, Ohren und Augen auf. Ein_e Ladendetektiv_in hat kein Recht irgendetwas zu verlangen. Das wird von diesen Leuten gerne &#8222;vergessen&#8220; und sie verhalten sich wie Polizist_innen. Das einzige, was Ladendetektiv_innen wirklich d\u00fcrfen, ist jemand an Ort und Stelle festzuhalten und warten, bis die Polizei eintrifft.<br \/>\nAu\u00dferdem fragen Ladendetektiv_innen gerne, ob auch andere Sachen gestohlen wurden. Auch hierbei gilt: Mund zu! Ein Ladendiebstahl ohne Beweise (dazu z\u00e4hlt auch eine Zeug_innenaussage, das di:er T\u00e4ter_in gesagt hat) ist nicht (bzw. schwer) nachweisbar. Solange es sich nicht um so Dinge wie Autos handelt. Und solange keine Anzeichen bestehen, di:er T\u00e4ter_in h\u00e4tte den Keller voller gestohlener Waren dieses Unternehmens, kann keine Anzeige erstattet werden. Ladendiebstahl ist \u00fcbrigens eine Straftat, die von der Polizei nicht eigenst\u00e4ndig zur Ermittlung aufgenommen werden kann. Daf\u00fcr muss eine Anzeige des_der Gesch\u00e4digten vorliegen.<\/p>\n<p><strong>L\u00e4stige Sicherungen<\/strong><br \/>\nDinge wie z.B. Kleidung haben in der Regel Sicherungen angebracht, um einen Diebstahl h\u00f6rbar zu machen. Wenn diese Sicherungen durch eine Magnet-Schranke am Ein-\/Ausgang getragen wird, f\u00e4ngt die Schranke an zu piepsen. Meistens sind solche Sicherungen durch magnetische Verschl\u00fcssel befestigt. Mit einem entsprechend starken Magneten lassen sich diese Sicherungen aber auch entfernen. Generell basieren sehr viele Warensicherungen auf Magnetismus. Der Unterschied ist immer nur die St\u00e4rke des ben\u00f6tigten Magneten und wo dieser ansetzen muss. Manche sind dabei besonders kreativ gestaltet und brauchen mehr als einen Magneten an einer Stelle. Andere hingegen fallen schon auseinander, wenn ein Magnet in die N\u00e4he kommt. Es gibt auch mechanische Sicherungen. Diese lassen sich, mit etwas geschick, aber auch recht einfach l\u00f6sen. Oft handelt es sich dabei um mehrere Haken, die einen Verschluss bilden und durch zeitgleiches runterdr\u00fccke diesen Verschluss freigeben. Hierbei braucht es ein St\u00fcck festen Draht, der in die jeweilige Form gebogen werden kann. Dann etwas Fingerspitzengef\u00fchl und fertig. Zudem gibt es oft kleine wei\u00dfe Klebestreifen, auf denen oft ein Strichcode aufgedruckt ist. Dort sind ein paar Metalstreifen eingearbeitet, die an der Magnet-Schranke einen Alarm ausl\u00f6sen. Diese k\u00f6nnen, wenn sie erreichbar sind, einfach abgerissen werden. Oft werden sie auch in mechanischen Sicherungen eingesetzt, wo sie im Plastikkasten angeklebt werden, damit diese K\u00e4sten nicht einfach mit gestohlen werden. Alles in allem ist aber jede Sicherung knackbar und mit etwas Kreativit\u00e4t auch recht schnell. <\/p>\n<hr>\n<p>[1] <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stgb\/__242.html\" target=_blank>http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stgb\/__242.html<\/a><br \/>\n[2] <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/nachschlagen\/lexika\/recht-a-z\/22017\/diebstahl\" target=_blank>http:\/\/www.bpb.de\/nachschlagen\/lexika\/recht-a-z\/22017\/diebstahl<\/a><br \/>\n[3] <a href=\"http:\/\/de.indymedia.org\/2003\/01\/38215.shtml\" target=_blank>http:\/\/de.indymedia.org\/2003\/01\/38215.shtml<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ladendiebstahl ist, wie alles andere auch, eine Aktion. Hierbei geht es vor allem um die politische Aktion des Ladendiebstahls. Und deswegen steht zu Beginn erst einmal eine theoretische Betrachtung der Aktion an. Also die Frage nach dem &#8222;Warum?&#8220;. Sp\u00e4ter erst kommen einige (unvollst\u00e4ndige) Tipps f\u00fcr die Praxis. 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