Entscheidungsfindung

Note:

Dieser Text ist eher als eine Ausformulierung (oder der Versuch dessen) eines Gedanken zu betrachten. Hierfür habe ich mich nicht durch bestehende Konzepte der Entscheidungsfindung im Plenum gewühlt. Deswegen kann es sehr gut sein, dass dieser Gedanke teilweise oder überwiegend mit anderen Texten zum Thema übereinstimmt oder Gemeinsamkeiten hat. Weiter beziehe ich mich auf die Ausführungen von Friedemann Schulz von Thun[1] zur Kommunikationstheorie. Dieses Thema ist eher ein Hobby von mir und, dadurch das ich mich nur mit einem Autor* beschäftigt habe, auch sicherlich an der ein und anderen Stelle nicht sonderlich objektiv. Außerdem beanspruche ich durch meine Ausführungen keinerlei Deutungshoheit o.ä. Es handelt sich um eine Idee in Verbindung mit meiner Vorstellung von Anarcho-Syndikalismus.

Das Problem der Entscheidung ist, finde ich, allgegenwärtig. Je mehr Menschen am Prozess beteiligt sind oder von der Entscheidung (potenziell) betroffen sind, desto schwieriger wird die Angelegenheit. Auch steht nicht selten die Frage im Raum „Wer darf Mitentscheiden?“(o.ä.). Gibt es Entscheidungen, die nur wenige Menschen oder gar nur einen einzigen Menschen betreffen? Und gibt es Entscheidungen, die alle Menschen betreffen? Wer sind diese „wenigen Menschen“? Und wer sind „alle“? Einige Fragen, die ich mir wiederholt gestellt habe und wahrscheinlich auch noch weiter stellen werde. Denn das sind, meines Erachtens, wichtige Fragen.

  1. Wer ist betroffen?
  2. Wie wird entschieden?
  3. Was bedeutet eine Entscheidung?

Note:

Dieser Text ist eher als eine Ausformulierung (oder der Versuch dessen) eines Gedanken zu betrachten. Hierfür habe ich mich nicht durch bestehende Konzepte der Entscheidungsfindung im Plenum gewühlt. Deswegen kann es sehr gut sein, dass dieser Gedanke teilweise oder überwiegend mit anderen Texten zum Thema übereinstimmt oder Gemeinsamkeiten hat. Weiter beziehe ich mich auf die Ausführungen von Friedemann Schulz von Thun[1] zur Kommunikationstheorie. Dieses Thema ist eher ein Hobby von mir und, dadurch das ich mich nur mit einem Autor* beschäftigt habe, auch sicherlich an der ein und anderen Stelle nicht sonderlich objektiv. Außerdem beanspruche ich durch meine Ausführungen keinerlei Deutungshoheit o.ä. Es handelt sich um eine Idee in Verbindung mit meiner Vorstellung von Anarcho-Syndikalismus.

Das Problem der Entscheidung ist, finde ich, allgegenwärtig. Je mehr Menschen am Prozess beteiligt sind oder von der Entscheidung (potenziell) betroffen sind, desto schwieriger wird die Angelegenheit. Auch steht nicht selten die Frage im Raum „Wer darf Mitentscheiden?“(o.ä.). Gibt es Entscheidungen, die nur wenige Menschen oder gar nur einen einzigen Menschen betreffen? Und gibt es Entscheidungen, die alle Menschen betreffen? Wer sind diese „wenigen Menschen“? Und wer sind „alle“? Einige Fragen, die ich mir wiederholt gestellt habe und wahrscheinlich auch noch weiter stellen werde. Denn das sind, meines Erachtens, wichtige Fragen.

  1. Wer ist betroffen?
  2. Wie wird entschieden?
  3. Was bedeutet eine Entscheidung?

I. Wer?

Eine für mich wichtige Frage ist immer das „Wer“. Damit möchte ich feststellen, wer von einer Entscheidung betroffen ist. Dabei soll es allerdings nicht darum gehen eine Basis zu schaffen um Menschen von Entscheidungen auszuschließen oder gezwungenermaßen einzuschließen. Vielmehr geht es mir dabei darum, sich darüber im klaren zu sein, wen eine potenziell künftige Entscheidung betrifft, wessen Leben dadurch in einer ausschlaggebenden1 Weise berührt wird. Dabei möchte ich auch den Kontext der Entscheidungsfindung berücksichtigen. Hierbei unterteile ich diese zunächst in einen „public“ und in einen „private“ Teil. Beginnen werde ich mit dem „private“ Teil.

„private“
Unter diesem Begriff fasse ich interne Entscheidungen von (festen) Gruppen. Diese können z.B. politische Gruppen wie eine Antifa-Gruppe sein oder das Plenum eines Squat oder einer Wohngemeinschaft(WG). Diese Plena setzen sich aus einem überwiegend konstanten Personenkreis zusammen und treffen in der Regel Entscheidungen die auf lange Sicht getroffen werden (müssen). Personen in einem solchen Kreis kennen sich meistens und können sich gegenseitig einschätzen*. Diskussionen werden häufig mit dem Gedanken an eine fortlaufende und/oder zukünftige Überschneidung der Lebensverhältnisse geführt*. Dies kann unter Umständen dazu führen, dass nicht alle Punkte ausdiskutiert werden. Ein solcher Vorgang kann verschiedene Hintergründe haben. Einer davon ist ein diplomatischer. Da man, z.B. in einer WG, nahe beieinander lebt, möchte man natürlich Reibungen (unbewusst) vermeiden bzw. reduzieren. In einem solchen Plenum sind erst einmal alle Anwesenden von einer Entscheidung betroffen, sollten somit auch alle ein Mitspracherecht besitzen. Hier getroffene Entscheidungen haben aber nur in wenigen Fällen eine endgültige2 Eigenschaft.

„public“
Im Gegensatz zu (festen) Gruppen fasse ich unter diesem Begriff (lose) Zusammenkünfte. Dabei kann es sich z.B. um ein Delegierten-Plenum während einer Demonstration, einen Vorbereitungskreis für eine Veranstaltung oder einen Nachbereitungskreis handeln. Hierbei setzt sich der Personenkreis vor allem aus Menschen zusammen, die sich häufig nicht oder nur flüchtig kennen. Die hier getroffenen Entscheidungen haben in der Regel eine endgültige2 Eigenschaft, da der Personenkreis von Plenum zu Plenum variieren kann und zwischen (sofern es mehr als ein Plenum gibt) den Treffen ein längerer Zeitraum(~1 Monat oder mehr) liegen kann. Hier können ebenfalls Entscheidungen getroffen werden, die lediglich zeitlich begrenzt (z.B. bis zum Ende der Demonstration/Veranstaltung) sind. Diskussionen können hier auf einer emotionaleren Ebene geführt werden*, da es vorerst unwahrscheinlich erscheint, diese Entscheidung später zu ändern. Vor allem bei Delegierten-Plena während Demonstrationen kann diese Entscheidungsfindung zu einer Spaltung der einzelnen Bezugsgruppen(BGen) kommen, wenn z.B. einzelne BGen nicht bereit sind bestimmte Risiken einzugehen*. Eine solche Zusammenkunft kann unter Umständen Personen umfassen, die nicht von einer Entscheidung betroffen sind. Eine Einordnung fällt schwer bzw. ist fast Unmöglich, da es sich um praktisch jede Person handeln kann.

Wer nun?
Zunächst einmal: Alle. Während allerdings im „private“-Bereich Personen nicht ausgeschlossen werden können/sollten, ist dies im „public“-Bereich durchaus möglich. Dabei sollten, meiner Meinung nach, aber nicht von der Gruppe Menschen gezielt ausgeschlossen werden. Dies würde erst einmal eine Entscheidung benötigen, wer ausgeschlossen werden soll. Was uns wieder an den Anfang zurück bringen würde (ich nenne es „Entscheidungsschleife“ oder „Wer-Paradoxon“). Viel eher sollte hierbei Wert auf die Bereitschaft und die Solidarität der Einzelnen gelegt werden. Zu Beginn könnten sich also alle Beteiligten eines Plenum im „public“-Bereich die folgende Frage stellen:

»Bin ich von einer Entscheidung dieser Gruppe in einer Weise betroffen, die es für mich (persönlich) erforderlich macht an der Entscheidung mitzuwirken?«

Dabei sollte ein Appel an alle gerichtet werden, sich von der Entscheidungsfindung selbst auszuschließen sofern man sich selbst als nicht-betroffen interpretiert. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Plenum komplett zu verlassen oder nicht an der Diskussion teilzunehmen. Vielmehr soll dies dazu dienen, Entscheidungen auf eine Weise zu treffen, die es für mehr Betroffene angenehmer macht. Nicht selten kommt es vor, dass Menschen an einer Entscheidungsfindung teilnehmen um andere Menschen von ihrer persönlichen Sicht zu überzeugen, ohne aber darauf zu achten, dass andere Menschen auch andere Bedürfnisse haben (könnten).

Das „gute, alte Argument“, man könne sich ja aus der Gruppe/dem Plenum entfernen, wenn jemanden etwas nicht gefällt, möchte ich an dieser Stelle als vollkommen ungeeignet und meiner Meinung nach auch gefährlich benennen. Auch die vorwurfsvolle Frage, warum man denn nichts sagte, ist in meinen Augen äußert kontraproduktiv. Dabei wird einem Menschen zur Last gelegt, aus welchen Gründen auch immer, nichts gesagt zu haben. Beide Äußerungen haben die Eigenschaft Menschen dazu zu verleiten, sich nicht mehr in Entscheidungsfindungen einzubringen. Auf lange Sicht schwächt dies die Gruppe und führt zu einer (verdeckten) Hierarchie.

II. Wie?

Sobald die Frage nach dem „Wer“ geklärt wurde, geht es um die „Wie“-Frage. Also wie wird eine Entscheidung getroffen um auf die Bedürfnisse (möglichst) aller Betroffenen rücksicht zu nehmen? Zu dieser Frage gibt es sicherlich unzählige Ideen, Konzepte und Vorgehensweisen. Die bekanntesten dürften wohl das Mehrheitsprinzip[2] und das Konsensprinzip[3] sein. Entscheidungskonzepte mit einer oder wenigen Entscheidungstragenden (z.B. Diktaturen, Technokratien, Monarchien, etc.) habe ich an dieser Stelle bewusst ausgeschlossen.

Mehrheitsprinzip
Dieses Prinzip wird in der Regel angewendet, wenn Menschen über Dinge entscheiden müssen. Bekanntestes Beispiel hierbei sind Personenwahlen. Den ersten Kontakt damit hatten/haben die meisten wohl in ihrer Schulzeit. „Wer soll Klassensprecher_in sein?“ Im kleinen Rahmen wird hierbei oft das Prinzip der einfachen Mehrheit angewendet. Die Person, welche die meisten Stimmen erhält, ist gewählt. Weiter gibt es noch das Prinzip der absoluten Mehrheit, wobei nur die Person gewählt ist, welche min. 51% der Stimmen erhalten hat, und die ¾ Mehrheit, wobei eine Person min. 76% der Stimmen benötigt. Diese Prinzipien können, und werden, natürlich auch für die Entscheidungsfindung bei Sachanträgen genutzt.

Dieses Prinzip wird gerne als Indikator für eine Demokratie in einem Staaten-Konstrukt gewertet. Auf den ersten Blick ist gegen eine solche Form der Entscheidungsfindung auch nichts einzuwenden. Auf den zweiten Blick allerdings werden dadurch Menschen nicht berücksichtigt oder ganz ausgeschlossen. Ein kurzes, simples Beispiel:

Vier Personen leben zusammen in einer WG. Es soll eine Entscheidung über die Wandfarbe des Gemeinschaftzimmers getroffen werden. Nach kurzer Diskussion stehen zwei Farben zur Abstimmung:

  1. Sonnengelb
  2. Ocker

Das Ergebnis fällt klar aus: Drei Personen sind für „Sonnengelb“, eine Person für „Ocker“.

Angenommen die Person, welche sich „Ocker“ wünschte, kann „Sonnengelb“ nicht leiden. Diese Entscheidung kann nun in letzter Konsequenz dazu führen, dass von den vier Bewohnenden eine_r nur ungern im Gemeinschaftszimmer ist und deswegen am sozialen WG-Leben nur eingeschränkt teilnehmen wird. Letztendlich führt dies zu dem Prinzip des Utilitarismus[4] mit der (vereinfachten) Formel:

„Das Wohl vieler wiegt schwerer als das Wohl weniger.“

Dies bedeutet in etwa, dass die Farbe gewählt wird, welche der Mehrheit Freude bereitet und deren Wohlbefinden sichert/fördert. Mit diesem Prinzip der Entscheidungsfindung wurde eine Person nicht berücksichtigt und (wahrscheinlich) aus dem sozialen WG-Leben (teilweise) ausgeschlossen. Diese Tatsache kann, meiner Meinung nach, durch nichts korrigiert werden, da sie dem Mehrheitsprinzip zu Grunde liegt. Dabei ist es unerheblich welche Form des Mehrheitsprinzips angewendet wird oder wie lange eine (optionale) Diskussion im Vorfeld stattfand.

Konsensprinzip
Auch dieses Prinzip ist, denke ich, durchaus bekannt. Dabei handelt es sich, im Vergleich zum Mehrheitsprinzip, um die Entscheidungsfindung durch Einstimmigkeit. Es treffen also alle Betroffenen die gleiche Entscheidung. Eine solche Entscheidung hat meist andere Gründe als jene im Mehrheitsprinzip, da es hier darauf ankommt eine Entscheidung zu finden, der alle zustimmen können. Dazu wieder ein kurzes Beispiel:

Vier Personen arbeiten gemeinsam. Jeden Mittag kochen sie gemeinsam Essen für die Gruppe. Nachdem es immer wieder zu Streitigkeiten über das Gericht gekommen war, entschied sich die Gruppe dazu, jeden Mittag Nudeln mit Tomatensauce zu kochen. Alle vier Betroffenen können Nudeln kochen und alle mögen sie.

In diesem Beispiel haben sich alle vier Personen auf etwas geeinigt, mit dem alle Betroffenen zufrieden sind oder kein Problem haben. Von der Entscheidung bzw. deren Ergebnis wurde hier niemand ausgeschlossen. Dennoch gibt es auch hier, wie ich finde berechtigte, Kritikpunkte. In einer kleinen Gruppe ist es meistens einfacher sich auf eine Gemeinsamkeit zu einigen*. Wird diese Gruppe jedoch größer, wird dies immer komplizierter*. Um einen tatsächlichen Konsens zu finden müssten/sollten alle Betroffenen angehört werden. Diskussionen können sich so zeitlich sehr ausdehnen. Dies schlägt sich dann meist auf die Lust/Motivation der Betroffenen nieder. Was wiederrum dazu führt, dass Menschen einen oder mehrere Kompromisse eingehen (könnten) um die Diskussion beenden zu können. Auch kann es dazu kommen, dass Menschen von anderen dazu gedrängt werden, einer Entscheidung „endlich“ zuzustimmen. In diesem Fall breiten sich (verdeckte) Hierarchien aus.

Wie nun?

Remember: Ich erhebe keinen Anspruch auf Deutungshoheit oder „Die Wahrheit“.

Um eine Entscheidung zu treffen, mit der alle Betroffenen zufrieden sind ohne aber jemanden zu übergehen, auszuschließen oder zu einer Entscheidung zu drängen müssen meiner Meinung nach die Wahlmöglichkeiten vermehrt werden. Grundsätzlich baut meine Idee auf dem Konsensprinzip auf, kann somit also quasi als Kind-Prinzip dessen betrachtet werden. Allerdings ist hierbei die Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung stärker betont. Während in den „traditionellen“ Prinzipien zwei(Ja/Nein, binär) oder drei(Ja/Nein/Enthaltung) Wahlmöglichkeiten bestehen, sind es in meiner Idee sieben:

  1. Vollste Zustimmung(++, =D )
  2. Zustimmung(+, =) )
  3. Okay(+0)
  4. Neutral(0, =| )
  5. Naja(0-)
  6. Ablehnung(-, =/ )
  7. Absolute Ablehnung(–, =( )

Der Grund dafür sind die unterschiedlichen Interessen der Menschen. Während meist der unausgesprochene Zwang sich zu entscheiden in der Luft liegt, soll diesem hier durch die Elemente „Okay(+0)“, „Neutral(0)“ und „Naja(0-)“ entgegengewirkt werden. Einige kennen sicherlich einige Handzeichen die im Plenum verwendung finden[5]. Einige dieser Handzeichen sollen das Aufzeigen eines Stimmungsbildes vereinfachen. Ein solches Stimmungsbild ist, je nach Gruppengröße, allerdings recht unübersichtlich und für eine Entscheidungsfindung in der Regel ungeeignet. Meine Idee soll dies Ändern und das Stimmungsbild quasi zur Entscheidungsfindung nutzen. Die verschiedenen Stimmungen können damit, denke ich, zu einer klareren Entscheidungsfindung führen und spiegeln genauer wieder, wie eine Gruppe zu einem Thema steht. Wird nach außen hin von der Gruppe eine Zustimmung durch ein simples „Ja“ geäußert, während intern diese Entscheidung nur durch eine knappe Mehrheit entstanden ist, kann dies (wahrscheinlich) zu Irritationen und Missverständnissen mit z.B. anderen Gruppen führen. Auch hier möchte ich ein Beispiel anführen:

Zwei Gruppen(A, B) möchten im Zuge eines Bündnisses eine Veranstaltung durchführen. Hierzu fällen beide Gruppen intern eine Entscheidung zu der Frage ob ein_e umstrittene_r Künstler_in auftreten soll. Beide Gruppen melden sich gegenseitig ein „Ja“. Am Tag der Veranstaltung kommt es jedoch zu einer Konfrontation zwischen Teilen der Gruppe B, die entschieden gegen diese_n Künstler_in sind. Es werden Vorwürfe gegen die Protestierenden aus der Gruppe B geäußert, diese hätten sich in die Abstimmung einbringen sollen. In der Nachbereitung stellt sich heraus, dass Gruppe B die Entscheidung nur mit einer knappen Mehrheit gefällt hat. Bei Gruppe A jedoch wurde die Entscheidung einstimmig getroffen. Diese nahm an, bei Gruppe B sei es der selbe Fall gewesen.

In diesem Beispiel liegt in erster Linie ein Kommunikationsproblem vor. Gruppe B teilte nur mit, was die Mehrheit entschieden hat. Gruppe A erhielt diese Nachricht und nahm an, die Entscheidung sei auf die selbe Weise getroffen worden. Hier hätte die direkte Offenlegung des gesamten Ergebnisses von Gruppe B lediglich das Missverständnis verhindert. Das unter den „Ja“- und „Nein“-Stimmen aber auch welche sein können, die sich für diese Frage nicht interessiert haben lässt sich dabei nicht erkennen. Auch wenn es die Aufzeichnung von „Enthaltung“-Stimmen geben würde, bliebe noch die Frage wer sich nur knapp für eine Option entschieden hat. Mit den sieben Optionen ist die Entscheidungsfindung transparenter gestaltet. Dabei wäre sichtbar gewesen, wie die Stimmung der Gruppe B zum_r Künstler_in ist.

Es bleibt allerdings immernoch die Frage: Wie entscheidet man sich nun?
Wie eingangs erwähnt baut meine Idee auf dem Konsensprinzip. Das bedeutet, dass die Diskussion weiterhin geführt werden muss und unter Umständen auch länger dauern kann. Nachfolgend widme ich mich der genaueren Ausführung der Optionen:

Vollste Zustimmung
Diese Option soll die komplette Zustimmung zu einem Vorschlag anzeigen. Als Zeichen könnten ++ und/oder ein =D verwendet werden.
Zustimmung
Mit dieser Option soll gezeigt werden, das der Vorschlag als gut befunden wird aber auch verbessert werden kann. Quasi „Das beste der Auswahl“. Hier könnten + und/oder =) verwendet werden.
Okay
Hierbei handelt es sich um eine eher spezielle Option, welche eine Aussage wie etwa „Mir eigentlich egal, aber okay“ anzeigen soll. Zeichen könnte +0 sein.
Neutral
Diese bekannte Option soll eine Enthaltung oder ein „Ist mir egal“ anzeigen. Hier mit dem Zeichen 0.
Naja
Auch dies ist eine eher spezielle Option. Sie soll eine Aussage wie „Finde ich nicht okay, aber ich kann damit leben“ anzeigen. Mit dem Zeichen 0-.
Ablehnung
Diese Option kann auch schlicht als „Nein“ bezeichnet werden. Zeichenvorschlag wäre -.
Absolute Ablehnung
Ein „Veto“ beschreibt diese Option am besten. „Ohne mich“. Mit dem Zeichen –.

Die Verwendung dieser Optionen sorgt sicherlich dafür, dass Entscheidungsfindungen zeitaufwendiger werden. Schließlich können damit mehr Entscheidungsoptionen gewählt werden als bei einer binären Auswahl. Allerdings, denke ich, wird dadurch eine viel harmonischere Entscheidung gefunden. Durch die genauere aufschlüsselung der individuellen Entscheidungen kann gezielt auf Standpunkte eingegangen und eine gemeinsame Lösung gefunden werden. Folgendes Beispiel:

Ein Haus wurde von einer Gruppe aus elf Menschen besetzt. Nachdem sich die Besetzenden provisorisch eingerichtet haben, finden sie sich im Erdgeschoss im größten Raum zu einem ersten Plenum zusammen. Dabei soll unter anderem die Frage geklärt werden, ob im Keller eine Party-Location eingerichtet werden soll. Nach einer Diskussion findet eine erste Abstimmung statt. Das Ergebnis ist folgendens:

Vollste Zustimmung:   4 
Zustimmung:   2 
Okay:   1 
Neutral:   1 
Naja:   1 
Ablehnung:   0 
Absolute Ablehung:   2 

Zu sehen ist, dass eine Mehrheit für eine Party-Location im Keller ist. Drei haben sich in einer Weise dagegen ausgesprochen und einer Person ist es egal. Insgesamt sind drei Menschen nicht komplett von einer Party-Location begeistert, begrüßen es jedoch bzw. eine Person lässt es zu. An diesem Ergebnis kann man auch sehen, dass in der vorherigen Diskussion offensichtlich nicht alle Punkte ausdiskutiert wurden. Dies kann verschiedene Gründe haben. Es könnte an einer unangenehmen Dikussionskultur liegen, vielleicht weil die Diskussion schon länger andauerte. Vielleicht sind die zwei Personen, welche eine absolute Ablehnung anzeigen, aber auch Schüchtern oder hatten sonstige Gründe ihre Bedenken nicht in die Diskussion einzubringen oder aber sie wurden von anderen, evtl. von den vier Personen der vollen Zustimmung, nicht so behandelt wie sie es gerne gehabt hätten. Die Gründe sind, wie gesagt, vielfälltig und dürften in der Kommunikation verborgen liegen. Um die Angelegenheit nun möglichst produktiv zu führen, sollten die Gründe der beiden verweigernden Personen angehört werden. Dies, denke ich, führt zu einer ausgiebigeren Beratung als es zuvor der Fall gewesen wäre. Hierbei sollte aber darauf geachtet werden, nicht in einem vorwurfsvollen Ton zu sprechen. Den beiden Personen darf nicht das Gefühl gegeben werden, sie würden den Entscheidungsprozess stören. Genauso wie alle anderen Betroffenen sind und sollen sie Teil des Projektes sein und sich wohlfühlen (können). Ein vorwurfsvoller Ton, auch wenn es öfter zu solchen Handlungen durch eine/mehrere Person/en kommt, ist immer kontraproduktiv und kann zu keinem Ergebnis führen. Ein freundliches und solidarisches „Ich freue mich, wenn du uns deine Bedenken zur Diskussion vorstellen möchtest.“ gehört, nach meiner Erfahrung, leider nicht zum Wortschatz vieler (linker) Menschen. Wenn man zunächst die Gründe einer absoluten Ablehnung diskutiert, kann das auch dazu führen, das vorherige Ablehnungs-Stufen(„Ablehnung“ & „Naja“) sich zu einem „Neutral“ oder einer Form der Zustimmung ändern.

III. Was?

Remember:

In diesem Abschnitt lege ich ausschließlich meine persönliche Sichtweise dar. Eventuelle Belege sind, wie gehabt, direkt verlinkt.

Eine Entscheidung zu treffen ist nichts, was selten passiert. Menschen treffen ständig bewusste und unbewusste Entscheidungen. Diese Entscheidungen formen jede Person und sie zu treffen ist das wohl wichtigste im Leben, behaupte ich an dieser Stelle einmal. Meistens ist man es gewohnt für sich selbst Entscheidungen zu treffen. Beim Einkaufen, ob man an der Ampel wartet, welchen Weg man geht, etc. etc. An dieser Stelle möchte ich mich daran versuchen, die Bedeutung einer Entscheidung zu formulieren.

Zuvor
Bevor eine bestimmte Entscheidung getroffen wird, gibt es immer andere Entscheidungen die zu dieser speziellen geführt haben. Manche dieser „Prä-Entscheidungen“ sind eher unbewusst („Hände in den Taschen oder nicht?“), andere wiederrum sehr bewusst („Welchen Zug nehme ich?“). Gewiss sind nicht viele Entscheidungen für unser Leben ausschlaggebend. Und es ist praktisch Unmöglich alle Folgen einer einzigen Entscheidung im Vorfeld zu kennen. Man kann abschätzen, was passieren könnte. Dabei ziehen wir Erfahrungen von anderen bereits getroffenen Entscheidungen zu rate. Aber das sind dann auch nur Prognosen. Für große Entscheidungen („Gehe ich studieren?“) nehmen wir uns viel Zeit. Für kleine Entscheidungen („Was esse ich heute Abend?“) eher weniger. Wer schon einmal ein professionelles Schachspiel gesehen oder selbst gespielt hat, kann sich das wahrscheinlich ganz gut vorstellen. Jeder Zug mit einer Spielfigur sollte im Vorraus geplant sein um den_die Gegenspieler_in Schach Matt zu setzen. Bevor der König fallen kann, müssen die Bauern richtig gezogen werden. Manchmal steht so etwas schon sehr früh fest.

Währenddessen
In dem Moment, in dem man eine Entscheidung trifft, schießen einem 1000+ Gedanken durch den Kopf. Oder auch nicht. Das kommt auf die Entscheidung an. Vor allem beim bewussten Entscheiden taucht gerne mal eine ganz bestimmte Frage auf:

Was wäre, wenn?

Diese Frage kann die schönsten Hoffnungen ebenso wecken wie die füchterlichsten Erwartungen. Je subjektiv wichtiger die Entscheidung, desto größer die Folgen dieser Frage. Man malt sich zum Teil so schöne Folgen aus, dass dabei die Entscheidung selbst schon an bedeutung verliert. Ebenso wenn man sich die schlimmsten Folgen überlegt. Manche brauchen für bestimmte Entscheidungen länger als andere. Ich z.B. brauche recht lange bis ich mich für einen Laptop entschieden habe. Bei Kleidung/Schuhen kann ich mich gar nicht schnell genug entscheiden. Dabei haben beide Gegenstände einen ähnlichen Einfluss auf mein Leben. Mit beiden Dingen zeige ich mich in der Öffentlichkeit und präsentiere sie (stolz) meinen Freund_innen. Beides soll möglichst lange halten und beides kostete Geld. Dennoch ist der Prozess, der zu einer Entscheidung führt, unterschiedlich. Aber der Grund, der wohl die meisten Menschen zögern lässt bevor sie (größere) bewusste Entscheidungen treffen ist wohl das Unwissen über die Folgen. Man versucht soviel es geht abzuschätzen, darüber nachzudenken was wohl das geschickteste ist. Aber am Ende muss man doch mehr oder weniger ins Blaue raten und darauf hoffen, dass alles gut geht.

Danach
Was ist wohl wichtiger an einer Entscheidung? Das ‚Danach‘ ist dabei sicherlich ein_e gute_r Kandidat_in. Damit müssen wir leben. Es beeinflusst uns mehr als das ‚Währenddessen‘ oder das ‚Zuvor‘. Bei eigentlich jeder Entscheidung, denke ich, hängen Menschen wohl mit den Gedanken in der Zukunft. Könnte/Hätte/Würde/Sollte, immer das selbe. Alle Handlungen haben ihre Konsequenzen, das dürfte so gut wie allen Menschen klar sein. Die einen sind sich der Tragweite ihrer Handlungen mehr Bewusst als andere. Das passiert. Und genauso wie wir uns Gedanken über unsere Entscheidungen machen, sind doch selbst die Gedanken darüber eine Entscheidung.

Uraltes Problem
Und so stelle ich die Behauptung auf, dass das Entscheiden ein Problem ist das nicht älter sein könnte. Bleibt natürlich die Frage, ab wann dem Menschen die Fähigkeit zu Entscheiden zuerkannt wird/wurde. Dabei meine ich jetzt sowohl in der heutigen Zeit wie auch mit Blick auf die Evolution nach Darwin. Ab wann kann ein Mensch aufrichtig sagen „Ja, ich treffe meine eigenen Entscheidungen.“? Mit 14, 18, 21? Oder hängt es gar nicht mit dem Alter zusammen sondern mit der mentalen Entwicklung? Sind dann Jugendliche mit 12 Jahren in der Lage zu entscheiden und werden behinderten Menschen dann Entscheidungen aufgezwungen, weil davon ausgegangen wird sie könnten nicht selbst entscheiden?

Egal was zutrifft und was nicht. Es sind Fragen, die auch die linke Szene betreffen. Schließlich geht es nicht nur darum, Menschen entscheiden zu lassen. Sondern es geht, finde ich, vor allem darum Menschen in die Lage zu versetzen selbst Entscheiden zu können.

IV. Fazit

An dieser Stelle möchte ich nicht mehr viel schreiben. Dieser Blogpost ist schon um einiges länger geworden als gedacht. Entscheidungen treffen ist schwer. Je mehr Menschen daran beteiligt sind, desto schwerer wird es. Jeder Mensch bringt einen anderen Standpunkt und eine andere Sicht der Dinge mit ein. Bei all diesen Ansichten muss aber darauf geachtet werden niemanden zu übergehen oder fremdzubestimmen. Verdeckte Hierarchien sind, meiner Meinung nach, das größte Problem. Eine mangelnde Kommunikation ist dabei aber auch ein ausschlaggebender Faktor, denke ich. Oft wird gesagt das nur egoistische Menschen Sätze mit einem „Ich“ anfangen. Dabei ist das manchmal gar nicht so falsch. Wenn es um mich geht. Meine Sicht der Dinge, dann betone ich das. Sonst gehe ich die Gefahr ein, meine persönliche Meinung als objektiven Fakt darzustellen.

Ich hoffe, ich konnte meine Idee verständlich machen. Vielleicht hat das auch zum Denken angeregt. Vielleicht aber auch nicht. Es ist deine Entscheidung!


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Friedemann_Schulz_von_Thun
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Mehrheitswahl
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Konsensprinzip
[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Utilitarismus
[5] http://diskussionshandzeichen.wordpress.com/die-diskussionshandzeichen/

1 Als „ausschlaggebend“ definiere ich jede Entscheidung die einen Menschen dazu veranlasst den Alltag auf eine Weise so zu ändern das eine generelle Neuausrichtung von Abläufen stattfinden muss. Damit sind nicht Rituale wie z.B. das morgendliche Heißgetränk zur stehts gleichen Uhrzeit gemeint.
2 Eine „endgültige“ Entscheidung wird von mir als eine solche Entscheidung definiert, welche nicht innerhalb kürzester Zeit(wenige Tage, sehr wenige Wochen) aufgehoben bzw. rückgängig gemacht werden kann. So z.B. Geschäftsverträge mit einer Vertragsbindung(24 Monate Telefonanschluss) oder das Einreißen einer Wand(Renovierung).

* Persönliche Beobachtung