I don’t get IT – „Haben Sie Referenzen?“

Ich kann mich noch sehr genau an die Worte des Prodekan während der Einführungsveranstaltung für mein Informatik-Studium erinnern. Er empfahl uns neben dem Studium nicht arbeiten zu gehen. Wir würden die Zeit für das Studium brauchen, um besser lernen zu können. Schon damals dachte ich mir, wie weltfremd diese Empfehlung doch ist. Für Studierende wie mich, die kein BAföG bekommen und von den Eltern nur minimal unterstützt werden, ist es notwendig neben dem Studium zu arbeiten.

Also begann ich damit, mir einen Job zu suchen. 400€-Basis, nur ein paar Stunden pro Woche. Am besten natürlich etwas, das mit meinem Studium zu tun hatte. Dafür klapperte ich alle mittelständischen IT-Unternehmen in der Umgebung ab. Verschickte Initiativbewerbungen und fragte bei Freund_innen und Bekannten rum. In den seltensten Fällen erhielt ich von den Unternehmen eine Antwort. Wenn doch, dann war es eine Absage. Entweder hätte man keine Möglichkeit eine Aushilfe einzustellen oder man wolle schlicht nicht. Ein Unternehmen machte mir in der Antwort sogar unmissverständlich klar, ich solle auch in Zukunft nicht wegen offenen Stellen anfragen. Am Ende landete ich in einem Logistikunternehmen. Dort arbeitete ich im Lager und schleppte Kisten hin und her, be- und entlud LKW’s und bekam 7,50€/Std. Nach 2 Semestern musste ich die Stelle studienbedingt kündigen. Jetzt kann ich wieder eine Stelle annehmen und hab es nötiger als je zuvor. Also machte ich mich wieder auf die Suche. Diesmal dachte ich mir, das die Unternehmen jetzt wahrscheinlich offener für mich wären, da ich ja schon was kann. Tja, falsch gedacht. Auch diesmal klapperte ich wieder einige Unternehmen ab. Diesmal auch größere und vorallem jene, die meinem Schwerpunkt entsprechen. Außerdem ließ ich mir eine originelle Form für das Bewerbungsschreiben einfallen. All das führte zumindest dazu, das ich von mehreren Unternehmen eine Antwort erhielt. Diese Antwort war aber keine Einladung zu einem Gespräch oder sonst etwas. Es war die Frage nach Referenzen, nach Projekten die ich gemacht hatte und anderen Beweisen das ich etwas kann. Nach meinen Studiums-Noten hat nur ein Unternehmen gefragt. Allen Unternehmen, die Referenzen wollten, hatte ich geschrieben, dass ich keine Projekte habe. Das ich mich außerhalb des Studium nicht ins Labor gesetzt habe und Software schrieb oder sonstiges tat. Daraufhin erhielt ich keine Antwort mehr. Letztendlich wird es wohl so aussehen, das ich wieder einen Job machen werde, der mit meinem Studium nicht ansatzweise etwas zu tun hat. Vielleicht räume ich ja diesmal Regale im Supermarkt ein. Für 5€/Std. Wer mich kennt, weiß das ich keineswegs der beste Student bin, den meine Uni jemals gesehen hat. Aber ich bin auch nicht der schlechteste. Nach meinem Bewerbungs-Marathon habe ich den Eindruck, die Unternehmen interessieren sich kein bischen für die Studiums-Noten. Eine Einstellung, die ich grundsätzlich ok finde. Würden die Unternehmen wenigstens Bewerber_innen eine Chance geben, sich zu beweisen. Allen Unternehmen habe ich Angeboten ein 1-2 wöchiges Praktikum zu machen, um sich gegenseitig kennenzulernen. Antwort natürlich fehlanzeige.

Referenzen? Guck‘ mal auf die Uhr, ey!
Immer, wenn ich nach Referenzen gefragt werde, stelle ich mir die Frage, wo ich die Zeit für so etwas her nehmen soll. Mein typischer Studien-Tag(während der Vorlesungszeit) ist 9h lang. Davon sind grob 50% sitzen in Vorlesungen und die anderen 50% sind irgendwo sitzen und versuchen zu lernen. Schlafen muss ich ja auch noch irgendwann und den Kopf frei kriegen (durch TV, Internet, Sport, etc.) ist ja auch wichtig. Letztendlich ist, zumindest für mich, das Studium nicht anders als jede x-beliebige Lohnarbeit. Du stehst morgens auf, rennst an einen Ort um dich bequatschen zu lassen, ackerst dich dann ab um Leistung zu bringen und wenn du wieder nach hause kommst, willst du nur noch abschalten. Was bin ich froh, das ich ein Smartphone habe und während den Vorlesungen surfen kann. Das fördert zwar nicht meinen Studien-Erfolg, aber zumindest verhindert es, das ich vor lauter Streß auf der Strecke bleibe. In betrachtung dieses nicht-Zeit-haben’s frage ich mich dann auch, in welcher Realität Unternehmen leben, die ohne Referenzen keine Studierenden näher betrachten wollen. Über mich kann ich getrost sagen, das ich Durchschnitt bin. Die Unternehmen suchen aber immer die Leute, die über dem Durschnitt sind. An meiner Uni gab es in der Fachschaft einen Studenten, der in einem Semester 14 Module gemacht hat. Das konnte er aber nicht machen, weil er total der krass intelligente Kerl war/ist. Er hatte diese ganzen Sachen einfach schon vor dem Studium schon größtenteils gelernt und musste dann nur noch in den Vorlesungen sitzen und wissen, was di:er Dozent_in verlangt. Meines Wissens ist er jetzt auch irgendwo im Land bei einem Forschungsprojekt gelandet. Solche Studierenden sind aber bekannterweise die absolute Ausnahme. Mir aber kommt es so vor, als würden Unternehmen solche Menschen als Norm betrachten. Noch dazu frage ich mich, wie ich mir Referenzen erarbeiten soll, wenn ich (abgesehn von keiner Zeit dafür) auch noch keine Möglichkeit habe, an Equipment zu kommen. Schließlich bewerbe ich mich nicht nur als Werkstudent oder Aushilfe, weil ich Geld brauche. Dafür kann ich auch einfach am Imbiss Döner verkaufen. Ich bewerbe mich bei IT-Unternehmen, weil ich Praxis und Erfahrung sammeln will. Eine Stelle bekomme ich aber nur, wenn ich Praxis und Erfahrung bereits nachweisen kann.

Bachelor ist scheiße – Ich hab die Beweise
Das Bachelor/Master-System wurde ja eingeführt, um Uni-Abschlüsse international vergleichbar zu machen. Ebenso um das Studium zu verkürzen. Es hieß, die Studierenden sollten durch den Bachelor-Abschluss einen Job finden können. Ich für meinen Teil kenne niemanden di:er mit einem Bachelor einen Job gefunden hat. Zumindest nicht als das, was si:er studierte. Noch dazu wird das Wissen, bzw. die Information, versucht den Studierenden ins Hirn zu pressen. In meinem zweiten Semester hatte ich einen älteren Dozenten, der sich in mindestens jeder zweiten Vorlesung über das Bachelor/Master-System aufregte. Vorallem, weil er gar keine Zeit mehr hat wichtige Inhalte entsprechend zu behandeln, das wir Studierenden das auch ordentlich verstehen. Andere Dozierende wussten gar nicht, das bestimmte Module durch die Umstellung aus dem zweiten ins erste Semester verlegt wurden und somit parallel laufen. Wobei diese beiden Module teilweise aufeinander aufbauen. Selbst der Prodekan, welcher bei uns die Stundenpläne und Curriculas managed, wusste nicht in welchem Semester welche Module angesiedelt sind. Organisation? Ach pff…

Rage against the Study
Ich für meinen Teil bin jetzt jedenfalls soweit, auch wegen ein paar anderen Dingen, das ich genau das mache, was man eigentlich nicht machen sollte: Scheuklappen auf und irgendwie durchs Studium kommen. Vielleicht brenne ich irgendwann auch einfach meine Uni nieder. Das ist so mein Alternativplan.


Scheiß auf Tiefenanalyse! Wäre ich nicht der erste Mensch.

Wie im Refugee-Protest-Camp mit „Rape“ und anderen sexuellen Übergriffen umgegangen wird

Als das Refugee-Protest-Camp am Oranienplatz in Kreuzberg noch in den Kinderschuhen steckte, gehörte ich, wie viele andere, zu den Supporter_innen, die teils in verschiedenen Arbeitsgruppen aktiv waren oder auch einfach nur hin und wieder eine Schicht im Infozelt übernahmen. Ich verbrachte viel Zeit dort, eigentlich jede freie Minute. Schon von Anfang an waren wir Supporterinnen* vielen Anmachen, Sprüchen, Annäherungen und Berührungen von männlichen Refugees/ Supportern ausgesetzt. Ich persönlich habe mir Anfangs nicht so viel daraus gemacht, da ich nie ein Mensch mit Berührungsängsten war. Doch mit der Zeit, nach ein oder zwei Monaten, wurde das Verhalten auf Dauer doch sehr unangenehm. Es wurde wie selbstverständlich ein Arm um mich gelegt, wie selbstverständlich umarmte man sich, küsste man sich auf die Wange. Zu der freundschaftlichen und kuscheligen Umgangsweise im Camp passte dieses Verhalten sehr gut. Daher war es schwierig, erstens überhaupt diese Formen der Übergriffe als solche wahrzunehmen, genauso aber sich schließlich dagegen zu wehren. Ich bekam langsam mit, dass immer mehr Frauen*, die supporteten, vom Camp weg blieben. Im direktem Umfeld bekam ich einen konkreten Fall von Stalking mit, bei dem sich die Betroffene allerdings nicht wehrte, da sie Sorge hatte, als „weiße“ Supporterin* ihren Aufgabenbereich, nämlich einfach zu unterstützen, zu überschreiten. Weiterhin ging ich regelmäßig zu meinen Schichten, bestärkte die Betroffene darin, sich an jemanden innerhalb des Camps zu wenden, tat aber weiterhin nichts. Mein persönlicher Kontakt zu besonders einem Mann innerhalb der Campstruktur wurde sehr eng, bis es schließlich zu der Situation kam, dass er sich nahm, was ihm, seiner Ansicht nach, zustand.
Nachdem es mir gelungen war zu flüchten, wandte ich mich sofort an Menschen aus meinem direkten Umfeld. Ich hatte bis dahin aufgrund meiner politischen Auseinandersetzung mit sexuellen Übergriffen und „Rape“ sowie durch die feministische Erziehung meiner Mutter, gelernt, diesen Vorfall nicht für mich zu behalten, sondern mich an Menschen, denen ich vertraue, zu wenden. Das tat ich nun, ein Teil dieser Menschen waren ebenfalls Aktivistinnen* im Refugee-Protest-Camp. Die ersten Reaktionen auf mein Erlebnis waren erniedrigend und beschämend. Es reichte von „du bist ja auch freiwillig in die Wohnung gegangen“ bis „ich habe den Eindruck, du willst das“. Glücklicherweise gab es auch Menschen um mich herum, die mich großartig unterstützt haben und die mir eine Menge Kraft gegeben haben. Ich hatte für mich entschieden, nicht zur Polizei zu gehen, da ich mich den Verhören nicht aussetzen konnte und wollte. Trotzdem wollte ich nicht untätig bleiben und wandte mich an weiblich sozialisierte Personen innerhalb der Campstruktur, denen ich vertraute und zutraute professionell und verantwortungsvoll mit meiner Situation umzugehen. Was nun folgte, war fast schlimmer, als die Tat selbst.
Ich wurde gebeten, den Vorgang detailliert zu beschreiben. Es gab immer wieder Gespräche abwechselnd mit ihm und mir. Ihm wurde immer wieder die Möglichkeit gegeben, sich zu äußern, zu leugnen und mich als berechnendes Wesen darzustellen. Mir wurde ebenfalls detailliert berichtet, wie er die Situation geschildert hat. Der Vorfall wurde weder publik gemacht, noch wurde mir die Garantie gegeben, mich frei auf dem Gelände zu bewegen. Mit dem Resultat, dass ich nie wieder dorthin ging. Die Vorschläge reichten von „wir setzen uns alle gemeinsam zusammen und sprechen darüber, war doch alles nur ein Missverständnis“ über „beide Parteien tragen ihre Variante der Situation an unterschiedlichen Tagen vor dem Plenum vor und dieses entscheidet dann“ bis zu „beide Parteien treten gemeinsam vors Plenum und dann wird beraten“. Dieser Vorgang zog sich unglaublich lange hin und ich hatte währenddessen immer den Eindruck, dass er mehr geschützt wird als ich. Irgendwann also zog ich mich zurück, kapitulierte.

Warum ich nun doch möchte, dass diese Geschichte publik wird, liegt daran, dass ich hundertprozentig weiß, dass ich zu diesem Zeitpunkt bereits der dritte „Rape“-Fall innerhalb des Refugee-Protest-Camps war. Inzwischen ist die Anzahl der Fälle wohl gestiegen. Es heißt, dass sich in die besetzte Schule keine Frau* traut, da sie dort „sofort vergewaltigt würden“.
Es werden immer weniger Supporterinnen*, da vielen ähnliches zugestoßen ist und sie für sich entschieden haben, dem Camp den Rücken zu kehren. Ich habe ebenfalls Informationen darüber, dass es inzwischen Aufklärungs-Workshops zum Thema „Rape“ gibt, allerdings werden diese wohl überwiegend von Frauen* besucht und bilden keineswegs die Männer der Struktur.
Auch wenn mir bewusst ist, dass ich mit starken Anschuldigungen an das Camp und die organisatorische wie politische Struktur heran trete und damit eine Bewegung, die es ohnehin nicht leicht hat, gewissermaßen schwäche, halte ich es für wichtig darüber zu informieren, in welche Gefahr sich eine Frau* begibt, sobald sie sich dort engagiert.

G8: Wenn du zur StopG8-Aktionswoche ins Vereinigte Königreich kommen willst

Nachfolgend die deutsche Übersetzung von »G8: If you are coming to UK for StopG8 week«

Die Einreise.

Wenn du aus einem anderen Land kommst, um zu uns im Juni dazuzustoßen, bist du herzlich willkommen! Wir hatten einige Fragen von Leuten, ob es Probleme bei der Einreise ins Vereinigte Königreich geben könnte. Wir erwarten keine besonderen Probleme wegen des G8-Gipfels, aber hier ein paar Information die vielleicht hilfreich sind.

Wenn du EU-Bürger_in bist:

Großbritannien ist nicht Teil des Schengen-Abkommens, deswegen werden an den Grenzen Pässe und Ausweise kontrolliert. Die Polizei ist befugt, dich zu durchsuchen und dir Fragen zu stellen. Erfahrungsgemäß ist aber nicht damit zu rechnen, das dir die Einreise verweigert wird (außer du bist polizeilich bekannt genug). Wenn die Behörden davon ausgehen das du für den G8-Gipfel kommst, wirst du höchst wahrscheinlich durchsucht und befragt aber kannst dann einreisen.

Theoretisch hat die Polizei die Befugnis die Einreise auch EU-Bürger_innen in extremen Situationen zu verweigern, aufgrund der sog. ‚public policy‘. Dir kann die Einreise verweigert werden, wenn du eine ‚ausreichend ernste Gefahr für die grundlegenden Interessen der Gesellschaft‘ darstellst. Das kann sein, wenn du schonmal wirksam Verurteilt wurdest, aber auch wenn du Mitglied einer ‚unerwünschten‘ politischen Gruppierung bist oder deren Weltanschauung teilst. Diese Regelung wurde bereits gegen polizeilich bekannte und als gefährlich eingestufte bekannte Persönlichkeiten eingesetzt, z.B. den niederländischen faschistischen Abgeordneten Geert Wilders. Rechts-Aktivist_innen gehen aber davon aus, es ist unwahrscheinlich das diese Regelung angewendet wird, solange du nicht ebenso polizeilich eingeschätzt wirst; zum Beispiel wenn du ein schwerwiegendes Führungszeugnis hast oder es eine expliziete Warnung vor dir in irgendeiner europäischen Polizeidatenbank gibt.

Wenn du kein_e EU-Bürger_in bist:

Die Regelungen für Visa für Nicht-EU-Angehörige variieren sehr von Land zu Land:
Du kannst dich auf der Homepage des ‚Home Office‘ informieren, welche Regelungen für dein Herkunftsland gelten. Beachte das es für die Polizei und die Einwanderungsbehörde einfacher, und allgemeine anerkannt, ist, dir als Nicht-EU-Angehörige_r die Einreise zu verweigern. Üblicherweise wirst du befragt warum du ins Vereinigte Königreich einreisen willst und ob du genug Geld hast um dich selbst zu versorgen, ob du einen Platz zum Wohnen hast, etc. Wenn du mehr Informationen brauchst oder bestimmte Fragen hast, kannst du uns auch ein E-Mail schreib an stopg8@riseup.net.

Allgemeiner Hinweis.

Die schärfsten Grenzkontrollen sind überlicherweise an Flughäfen. Du wirst vermutlich eher an einem Flughafen kontrolliert und befragt als wenn du durch den Euro-Tunnel(Channel tunnel) fährst oder eine Fähre nimmst. Fährhafen haben üblicherweise die geringsten Kontrollen wenn du zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit einem normalen Pkw reist. Wenn du mit dem Pkw eine Fähre nimmst ist es üblich das der_die Beamt_in nur einen Blick auf deinen Pass oder Ausweist wirft und dich dann zur Fähre durchlässt ohne dich zu Befragen oder ähnliches.

DENNOCH seit vorsichtig in Calais und anderen Fährhäfen. Dort werden Vans, Camping-Anhänger und -Mobile, Minibusse und LKW sehr oft von der Polizei durchsucht um illegale Einwanderung zu verhindern. Oft werden dafür Hunde, Hitze- und CO2-Sensoren und andere Geräte genutzt um große Fahrzeuge zu kontrollieren. Ebenso werden Reisebusse(z.B. Eurolines) häufig gestoppt und kontrolliert.

Es ist möglich das vor dem G8-Gipfel an den Grenzen besonders strenge Kontrolle durchgeführt werden. Wenn du nicht Durchsucht oder Befragt werden willst, solltest du so unauffällig wie Möglich reisen. Versuche möglichst „normal“ auszusehen und reise in einem normalen Pkw anstatt in einer großen Reisegruppe. Es ist unüblich, das ein Reisebus zur Umkehr gezwungen wird, aber es ist wahrscheinlich das du durchsucht und befragt wirst.

‚Schedule 7‘.

Etwas anderes, wovor du dich in acht nehmen solltest, ist das sogenannte „Schedule 7“ Anti-Terror-Gesetz. Es ermöglicht der Polizei jede_n an der Grenze aufzuhalten und zu befragen ohne das die Betroffenen die üblichen Rechte in einer polizeilichen Befragung hätten. Das heißt, du MUSST die Fragen beantworten und die Polizei muss nicht auf eine_n Anwält_in warten bevor die Befragung beginnen kann. Du kannst bis du 9 Stunden von der Polizei festgehalten werden ohne das dir ein Vorwurf gemacht wird. Außerdem kann die Polizei Kameras, Computer/Laptops und Handys für bis zu 7 Tage einbehalten um diese nach Informationen zu durchsuchen. Wenn du die Beantwortung der Fragen verweigerst machst du dich eine Straftat schuldig.
[*Anmerkung des_der Übersetzenden: Im Vereinigten Königreich bist du gezwungen der Polizei auf deren Verlangen deine Passwörter auszuhändigen. Die Verweigerung der Herausgabe stellt eine Straftat dar.*]

Dieses Gesetzt ist sehr umstritten. Es ist dazu bestimmt Terrorismus zu verhindern, nicht aber um Informationen über Proteste zu erhalten. Allerdings wird es von der Polizei häufig verwendet um ihre ‚Aufklärung‘ auszuprobieren und zu ergänzen. Einige Aktivist_innen hatten die Beantwortung der Fragen verweigert mit dem Hinweis darauf, das die Befragung nicht in Verbindung mit der Verhinderung von Terrorismus steht. Darauf hat die Polizei zurückhaltend reagiert, wahrscheinlich weil ihr bewusst ist das sie sonst durch die Politik kritisiert würde für den Missbrauch ihrer Befugnisse. Sei dir aber Bewusst, das du ein Risiko eingehst wenn du dich dazu entscheidest, die Fragen nicht zu beantworten.

If you have problems at the border.

If you have any questions, or if you get stopped at the border and need
legal advice, you can call the Green & Black Cross legal hotline. The
number is: 00 44 7946 541511

If you do get stuck at the border in France you can also contact our
friends at Calais Migrant Solidarity, who can help arrange legal support
in France if necessary. Their number is: 00 33 6 45 46 59 86

Wenn du Probleme an der Grenze hast.

Wenn du irgendwelche Fragen hast oder an der Grenze festgehalten wirst und Rechtshilfe benötigst, kannst du die ‚Green & Black legal hotline‘ anrufen. Die Nummer lautet: 00 44 7649 541511

Wirst du an der Grenze in Frankreich festgehalten, kannst du auch unsere Freund_innen der ‚Calais Migrand Solidarity‘ anrufen. Sie können dir helfen an eine französische Rechtshilfe zu gelangen, falls nötig. Die Nummer lautet: 00 33 6 45 46 59 86

G8: If you are coming to UK for StopG8 week

Nachfolgend ein kurzer Ratgeber von StopG8. Original gibts hier. Eine Übersetzung ins deutsche findest du hier.

Crossing the border.

If you want to come from another country to join us in London in June, you are very welcome! We have had a few questions from people asking if they may have any problems crossing the border to get into the UK. We don’t anticipate any major extra problems for the G8, but here is some information you might find useful.

If you are an EU citizen:

Britain is not in the Schengen zone, so you will get stopped and asked to show your passport or ID at the border. The police have the power to search you and ask questions. However, according to experienced legal activists, it is very unlikely that you will be refused entry to the UK (unless you are very high profile). If they think that you are coming for the G8, it is quite possible that you will be searched and asked questions, but then let through the border.

In theory, the police do have the power to refuse entry to EU citizens in extreme cases, on ‘public policy’ grounds. They can do this if you pose ‘a sufficiently serious threat to fundamental interests in society’. This can be because of serious criminal convictions, but it can also include your conduct or membership of a particular ‘undesirable’ group. For example, this power has been used against high profile public figures, e.g., Dutch fascist MP Geert Wilders. But legal activists say that is unlikely to be used unless you are particularly high profile: for example, if you have a
particularly serious criminal record, or if there is a specific warning about you on a European police database.

If you are not an EU citizen:

Rules for visas for non-EU citizens depend a lot on different countries:
you need to check with the Home Office website to see what rules apply to your country. Be aware that it is easier, and fairly common, for the police / immigration officers to refuse entry if you are not a EU citizen. They are likely to ask you to explain why you are coming to the UK, and they may ask you to show that you have money to stay in the UK, that you have a place to stay, etc. If you need more specific information you can also contact us at stopg8@riseup.net.

General advice.

The strongest border controls are usually at airports. You are probably more likely to be checked and questioned at an airport than on the channel tunnel or at a ferry port. Ferry ports usually have the easiest controls, at least if you are coming on foot, on a bike, or in a normal car. If you cross by car on the ferry, it is very common for a guard to just take a quick look at your passport and wave you through without asking questions.

HOWEVER be aware that at Calais and other ferry ports vans, camper vans, minibuses, and lorries are very often checked, as the police are looking for migrants hiding in larger vehicles. They sometimes use dogs, heat and C02 detectors and other sensing devices to check large vehicles. Also, the Eurolines coaches are very commonly stopped for immigration controls.

It is possible that before the G8 summit there will be extra tight checks at the border. If you do not want to be searched or questioned, it is a good idea to travel as inconspicuously as possible. Try to look “normal”, and travel in a normal car rather than in a large group of activists on a coach. Again, it is unlikely that coaches will be turned away, but it is likely that you will be searched and asked questions.

Schedule 7.

The other thing you should be aware of is the so-called “Schedule 7″ anti-terrorist law. This gives the police the right to stop and question anyone at the border, without giving you your normal rights under police questioning. That is, legally you DO have to answer their questions, and they do not have to wait for a lawyer to arrive before they question you. They can hold you for up to 9 hours even without suspecting you of any offence. They can also take cameras, computers, and mobile phones and keep them for up to 7 days to collect information. If you refuse to answer
questions, they can charge you with a criminal offence.

This law is highly controversial. It is supposed to only be used to prevent terrorism, not to gather information on protests. But the police widely abuse it to try and increase their ‘intelligence’. Some activists have decided to refuse to answer questions, on the grounds that the law has not been applied properly because the questioning was not really connected to terrorism. So far the police have been reluctant to charge people who have done this, probably because they know they could be criticised in the courts for misusing these powers. But if you decide to refuse to answer questions you need to be aware that you are taking a risk.

If you have problems at the border.

If you have any questions, or if you get stopped at the border and need legal advice, you can call the Green & Black Cross legal hotline. The number is: 00 44 7946 541511

If you do get stuck at the border in France you can also contact our friends at Calais Migrant Solidarity, who can help arrange legal support in France if necessary. Their number is: 00 33 6 45 46 59 86

Massenabfertigung Klausur

Am hiesigen Bildungssystem gibt es gewiss einiges zu kritisieren. Heute kam mir aber, mal wieder, konkret das Thema der Klausur in den Kopf. Dabei überlegte ich nicht etwa, was die Folgen von Klausuren sind. Vielmehr beschäftigte ich mich damit, was die Ursachen dafür sind. Also warum hat es sich durchgesetzt, das diejenigen die etwas lernen sollen/wollen von denjenigen die etwas beibringen sollen/wollen, ein Stück Papier bekommen und geschlossene Fragen beantworten sollen?

Ganz langsam: Was ist eine Klausur?
Damit keine Missverständnisse aufkommen, da „Klausur“ ja je nach Zusammenhang anders definiert wird bzw. werden kann, erläutere ich erst einmal, was ich damit meine. Für Menschen, die sich mit Pädagogik beschäftigen, ist das sicherlich nichts neues. Anzumerken wäre auch, das ich „Klausur“ und „Klassenarbeit“ gleichsetze.

Eine Klausur ist eine Ansammlung von Aufgaben eines genau umrissenen Wissensbereichs. Die Aufgaben können simpel (single- oder multiple-choice) oder komplex (Formelberechnungen, frei zu formulierender Antworttext o.ä.) sein und sind auf Papier gedruckt. Es bearbeiten zeitgleich, meist auch im selben Raum, mehrere Personen die selbe oder eine Variation der Aufgabenstellung. Für die Bearbeitung ist ein zuvor bekannt gemachter Zeitraum festgelegt und während der Bearbeitung findet keine Kommunikation mit einer anderen Person oder einer Ansammlung von Wissen statt. Während der Bearbeitung stehen die Personen, welche die Aufgabenstellung bearbeiten, unter Aufsicht durch eine oder mehrere Personen, meist Lehrende. Am Ende der Bearbeitungszeit werden die ausgefüllten Klausuren von den Aufsichtspersonen eingesammelt und anschließend von dazu bestimmten Personen auf Fehler kontrolliert. Anhand der Fehlerquote wird eine Note vergeben, welche den jeweiligen Personen individuell bekannt gemacht wird.

Damit dürfte das meiste abgedeckt sein. Neben einer Klausur auch ein Teil des Prozesses der zur Note führt.

Mal genauer: Klausurfragen
Grundsätzlich kann man sagen: Alle Fragen in einer Klausur sind binär, weil sie mit richtig oder falsch bewertet werden können. Bei Single- oder Multiple-Choice ist das auch einfach. Entweder ist an der richtigen Stelle eine Markierung oder eben nicht. Bei komplexen Fragen ist das dann wieder ein bischen komplizierter, aber immernoch recht einfach. Wenn z.b. die Frage gestellt wird „Warum ist der Himmel blau?“, dann ist eben die einzig richtige Antwort „Weil das kurzwellige blaue Licht um einiges stärker von der Atmosphäre gestreut wird als jedes andere Lichtspektrum“. Die Antwort ist komplizierter, weil sie selbst formuliert werden muss und es keine Anhaltspunkte wie bei simplen Fragen gibt. Dennoch ist es am Ende entweder richtig oder falsch. Gleiches gilt für Formeln und Berechnungen jeder Art. Es gibt vielleicht mehrere Wege um ans Ergebnis zu kommen, aber es muss ein bestimmtes Ergebnis sein. Bei Mathe-Klausuren wird ja auch gerne der Rechenweg mitbenotet. Dieser ist dann eben auch richtig, weil er zum richtigen Ergebnis geführt hat, oder falsch, weil ein Fehler drin ist oder rauskam (mal davon abgesehen, das bei manchen Mathe-Aufgaben ein ganz bestimmter Rechenweg abgefragt werden soll).

Und jetzt: Klausurantworten
Wenn also die Klausurfragen binär sind, dann sind Klausurantworten zwangsweise unär[1]. Auf eine Frage gibt es zwei Möglichkeiten zu Antworten. Jede (richtige) Antwort ist, in Verbindung mit der Frage, einzigartig. Das heißt also, das die Frage nicht verstanden werden muss, um eine richtige Antwort darauf zu geben. Es muss lediglich die Verknüpfung „Frage -> richtige Antwort“ hergestellt werden. Es muss nicht verstanden werden, warum der Himmel blau ist, sondern es muss nur gemerkt werden, was die Antwort auf diese Frage ist. Das also das Sonnenlicht von den, in erster Linie, Sauerstoff-Molekülen reflektiert wird und dabei das Lichtspektrum mit einer Wellenlänge von 420 bis 490nm (blaues Licht) um einen 16-mal stärkeren Faktor gestreut wird als jedes andere Lichtspektrum und so den Himmel blau erscheinen lässt, wäre eine korrekte und tiefe Antwort auf die Frage nach dem warum. Diese Antwort zeugt von einem Verständnis der Frage, statt nur einem deinteressierten auswendig lernen. Allerdings gibt es für diese, eigentlich bessere Antwort, die selbe benotung wie für die simplere Antwort weiter oben. Es wird also egal, ob man mehr weiß als gefragt wird oder nicht.

Hm…Warum?
Natürlich kann nicht jede Klausur tiefgreifende Fragen stellen und prüfen, ob das Thema verstanden wurde. Aber warum dann noch Klausuren schreiben? Das einzige, was eine Klausur beweist ist, wie gut eine Person auswendig lernen kann. Dabei gewinnen in der Regel diejenigen, welche es schaffen ihr Hirn abzuschalten und sich ohne murren Antworten in den Kopf zu klopfen. Klar, wenn man das Thema verstanden hat, dann sollte eine Klausur auch kein Problem sein. Falsch! Denn verstehen ist nicht gleich auswendig lernen. Zum Verstehen gehört nämlich einiges mehr. Um etwas zu verstehen, muss man es auch verstehen wollen. Etwas auswendig lernen ist nichts anderes als Training. Wenn man einen Werbespot häufig sieht oder hört, wird man sich recht schnell den Werbespruch gemerkt haben. Etwas auswendig gelerntes abfragen ist also nichts anderes als einen antrainierten Reflex auszulösen. Hat man nun aber ein Thema verstanden, weil man sich damit ausführlich beschäftigt hat o.ä., dann setzt das Abfragen einen Denkvorgang voraus. Der dauert länger als reines reflex-artiges Abrufen und in verbindung mit der begrenzten Bearbeitungszeit einer Klausur führt das zu eine Streßsituation. Es gibt Personen, die damit besser umgehen können als andere. Aber alles in allem ist eine Klausur folgendes: Streß! Es wird nämlich, dank der Bearbeitungszeit, der Eindruck erweckt, das der_die Schnellste gewinnt. Nachdenken ist aber nicht schnell. Dadurch wird dem auswendig lernen also ein Vorteil verschafft, weil es an jeder Ecke heißt „Wenn du die Antwort nicht sofort weißt, dann kannst du das nicht und bist dumm“.

Erm…Und warum jetzt?
Der Grund, warum Klausuren durchgeführt werden, kann also nicht der Wille sein, das Leute etwas verstehen sollen. In meinen Augen gibt es nur 2 Gründe, warum Klausuren durchgeführt werden:

  1. Faulheit
  2. Zeitdruck

Der erste Grund lässt sich ganz leicht erklären. Eine Klausur im binären Muster lässt sich recht schnell kontrollieren und benoten. Es wird die Antwort gelesen und wenn diese nicht dem entspricht, was in der Musterlösung steht, ist es eben falsch. Fertig! Dadurch muss sich niemand tatsächlich mit den Antworten befassen. Es ist auch möglich, so etwas einfach von einem Computer auswerten zu lassen. Einscannen, Schrifterkennung drüber laufen lassen und dann abgleichen, ob verschiedene Indikatoren vorhanden sind. Sind, sagen wir mal, 4 von 6 Indikatoren enthalten, ist die Antwort richtig. Ansonsten eben nicht. Beim zweiten Grund geht es um das selbe, weswegen auch das Bachelor/Master-System eingeführt wurde. Eine Ausbildung dauert. „Dank“ dem Bologna-Prozess haben Studierende jetzt schon nach 3 Jahren ihr Studium beendet. Master ist schließlich nur ein Aufbau-Studium. In der Schule genauso. Abitur gibt es jetzt 1 Jahr früher. Berufsaubildungen dauern auch nur so lange wie nötig. Zeit ist Geld und Geld gibt es ja nicht so viel. Also wird versucht, das benötigte Wissen in Köpfe zu pressen und dann wird mit Klausuren kontrolliert, ob das geklappt hat. Das Dumme dabei ist auch noch, das die Antwort auf Fragen zu kennen mit Intelligenz verwechselt wird.

Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand.
Arthur Schopenhauer

Jetzt kommen wir ein bischen zu einer allgemeinen Kritik am Bildungssystem. Während versucht wird das Wissen in Köpfe zu pressen, wird dabei vollkommen vergessen, das Menschen von Natur aus neugierig sind und lernen wollen. In der Schule wird das dann erstickt, weil Intelligenz dort mit Wissen gleichgesetzt wird. Wer ständig „Warum?“ fragt, wird als nervig empfunden und ruhig gestellt. Der Kindergarten ist dazu da, wurde mir mal gesagt, das Kinder lernen still zu sitzen. Keine Ahnung, ob das wirklich ein Ziel ist. Aber es ergibt Sinn. In der Grundschule wird den Kindern dann 4 Jahre beigebracht, das es nur das zu lernen gibt, was in den Schulbüchern steht. Und natürlich, das man nur dann etwas Wert ist, wenn man gute Note hat. Ab der 5. Klasse sieht es kaum anders aus. Jetzt steckt man in einem der 3 Schulzweige und gilt deswegen entweder als Wertvoll(Gymnasium), Durchschnitt(Realschule) oder Wertlos(Hauptschule). Bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz wird das nochmals verschlimmert, weil Firmen natürlich bestimmte Anforderungen haben. Wenn ich mal wieder lese, das die IHK jammert, es konnten dieses Jahr nicht alle freien Ausbildungsplätze besetzt werden, bekomm ich das kotzen. Genauso, wenn Hochschulen darüber jammern, ihre Hörsäle sind überfüllt.

Alternative?
Als Alternative für Klausuren gibt es, finde ich, nur die Hausarbeit. Eine Aufgabenstellung, die binnen einer bestimmten Zeit zu bearbeiten ist und als Ergebnis eine mehrseitige Dokumentation hat. Klar, die Kontrolle dabei fällt ungleich schwieriger aus. Aber es ist besser, weil es den Streßfaktor reduziert. Ok, es sollten nicht gleich alle Hausarbeiten in der gleichen Woche zu bearbeiten sein. Durch sie ist es aber leichter zu überprüfen ob das Thema verstanden wurde. Außerdem wird dadurch die Fähigkeit zum Umgang mit Office-Software und dem Verfassen von Texten geschult. Hausarbeiten sind gut für das Verstehen von Themen, für das Anwenden von Wissen und für die Befriedigung der Neugier.

Abrupt beendet. War schon spät und mir ist nichts mehr eingefallen.


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Unärsystem

Loyal to no one?

Nachfolgend mal wieder eine Formulierung von Gedanken(-gängen). Freund_innenschaften kommen dabei relativ fragwürdig weg (finde ich).

Es fällt mir immer auf. Bei anderen wie auch bei mir. Deswegen will ich jetzt dazu mal einen Blogpost verfassen, weil es für mich ein wichtiges Thema (geworden) ist. Der Titel sagt eigentlich schon vieles. Es geht um Loyalität zwischen Menschen. Ein Thema, welches ich hier und heute zum ersten Mal in meinem Leben thematisiere und ausformuliere. Von diesem Thema werden, meiner Meinung nach, auch wichtige Konstrukte der linken Szene getroffen. So z.B. Solidarität oder auch einfach die ganz banale Freund_innenschaft zwischen Menschen. Aber fangen wir erst einmal an.

Was meine ich eigentlich?
Immer wieder beobachte ich eigenes und fremdes Verhalten. Ob das nun ganz banal im öffentlichen Raum ist, im privaten Raum oder in Szene-Räumen. Dabei fällt mir immer wieder auf, das es quasi „natürliche Fronten“ gibt. Diese verlaufen aber in den wenigsten Fällen zwischen Meinungsbildern oder Ideologien. Fast immer velaufen diese zwischen einer Gruppe Freund_innen und einer anderen Gruppe Freund_innen. Es finden sich die Menschen an einer Stelle im Raum zusammen, die sich kennen und Freund_innen sind. Dabei will ich an dieser Stelle als Definition von Freund_innenschaft einfach folgende festlegen:

„Zwei Menschen die sich kennen und gerne Zeit miteinander verbringen, sind als Freund_innen anzusehen“

Das ist eine sehr allgemeine Definition, spart mir in diesem Blogpost aber die Unterteilung in „Nicht-Freund_innen“, „Bekannt_innen“ und „Freund_innen“ (oder evtl. noch mehr). Es bleibt also binär: Entweder Freund_in oder Nicht-Freund_in. Weiterhin will ich Axiome aufstellen:

  1. Freund_innen werden bevorzugt behandelt
  2. Freund_innen unterstützen sich immer gegenseitig
  3. Grundannahme ist, das der_die Freund_in im Streitfall mit Nicht-Freund_innen im Recht ist

Mit diesen Axiomen möchte ich darstellen, wie das von mir beobachtete Verhalten von einer Gruppe Freund_innen immer wieder umgesetzt wird. Es gibt viefälltige Beispiele, weswegen ich kein spezielles bringen möchte. Das sich solche „Regeln“ bilden, ist aber auch nicht verwunderlich. Freund_innen sind in der Regel Menschen mit einer gewissen Schnittmenge an Interessen. Dabei ist es irrelevant, ob diese Interessen praktisch* sind, also z.B. Sport, oder theoretisch**, also z.B. Gespräche. Dadurch wird eine emotionale Bindung zueinander aufgebaut. Freund_innen bestärken sich gegenseitig in ihrer Sichtweise. Mal mehr, mal weniger stark. Eine solche Bindung sorgt zum einen dafür, das sich Freund_innen verpflichtet fühlen zu helfen. Zum anderen sorgen sie dafür, das Gefühl zu haben, das Freund_innen zur Hilfe kommen (können). Dabei spielt auch, finde ich, Egoismus eine gewisse Rolle. Freund_in A hilft Freund_in B, weil A darauf baut, die Hilfe von B irgendwann in Anspruch nehmen zu können. Das funktioniert übrigens auch wunderbar ohne „aufwiegen“. Also es wird keine Strichliste geführt, wie oft A schon B geholfen hat und umgekehrt, auf die sich berufen wird. Es ist einfach ein „A hat mir geholfen, jetzt muss ich zurück-helfen“. Freund_innen gehen also eine Verpflichtung gegenüber ein, zusammenzuhalten.

Zu was führt das also?
Grundsätzlich führt das dazu, das ein „Wir“ und ein „Die anderen“ konstruiert wird. Dabei sind „Die anderen“ in den meisten Fällen die, gegen die sich das „Wir“ verteidigen und/oder behaupten muss. In der Regel führt das genauso oft zu Konflikten wie es das nicht tut. Soll heißen, das mehrere „Wir“ parallel co-existieren können, ohne in Konflikt zu geraten. Aber ebenso können Kleinigkeiten eine solche Balance stören. Dabei muss es keinesfalls um offene Konflikte gehen wie z.B. eine Schlägerei oder eine bekannte inkompatibilität der Weltbilder. Die wirklich wichtigen Konflikte sind diejenigen, welche nicht offen ausgesprochen werden. Es geht auch nicht darum, warum ein Konflikt besteht. Es geht nur darum das ein Konflikt besteht. Jetzt kommen wir ein bischen dazu, wie diese Art der Konflikte in der Gruppe gehandhabt werden. Als erstes ist wichtig, wie die Bindungen in der Gruppe sind. Bindungen sind individuel, also jede Person hat eine unterschiedlich starke Bindung zu jeder anderen Person in der Gruppe. Wenn eine Mehrheit der Personen ein Problem mit anderen Nicht-Freund_innen hat, dann wird sich dieser Konflikt mit der Zeit auch an die Personen der Gruppe ausbreiten, die anfangs kein Problem mit den anderen hatten. Das kann man auch simpel als „Gruppenzwang“ bezeichnen. Sowas kann offensiv erfolgen, in dem in der Gruppe von der Mehrheit eine Atmosphäre etabliert wird, die der Minderheit vermittelt, diese bekommt Probleme mit der Gruppe wenn sie nicht mitzieht. Es geht aber auch anders. Unterschwellig wird der Umgang mit „Den anderen“ gemieden und es wird eine negative Atmosphäre assoziiert. Also z.B. die Gespräche in der Gruppe verstummen und alle schauen eher genervt weg wenn „Die anderen“ in der Nähe sind. Dadurch färbt das Verhalten auf alle ab und am Ende haben sogar die Personen ein Problem mit „Den anderen“, die vorher keines hatten und wissen noch nicht einmal genau, warum. Es gibt aber auch den Fall, das eine Minderheit einen Konflikt in die Gruppe trägt und dieser Konflikt die Gruppe nach und nach „übernimmt“. Dabei kommen diese individuellen Bindungen verstärkt ins Spiel. Eine Person bringt einen Konflikt ein. Über die stärksten Bindungen wird dieser Konflikt an andere Personen übertragen. Das geschieht unterschiedlich schnell/langsam. Dabei spielt aber auch nicht die ausgehende Bindung eine Rolle, sondern die eingehende. Wenn A eine stärkere Bindung zu B hat als B zu A, dann wird A schneller einen Konflikt von B übernehmen als B einen von A. Da letztendlich jede Person in einer Gruppe min. eine starke Bindung zu min. einer anderen Person in der Gruppe hat, breitet sich ein Konflikt auf diesem Wege in der Gruppe aus. Und wieder haben am Ende alle Personen diesen Konflikt übernommen ohne genau zu wissen, warum.

Loyalität? Hierarchie? Kontext?
Wo immer eine Bindung besteht, besteht eine Abhängigkeit. Wo immer eine Abhängigkeit besteht, wollen die Profiteur_innen sie beibehalten. Wo immer eine Abhängigkeit beibehalten wird, festigt sich eine Loyalität um diese Abhängigkeit zu verteidigen. Wo immer eine Loyalität gefestigt wird, entstehen Hierarchien. Diese Hierarchien äußern sich dadurch, das Freund_innen ein gewisser Gehorsam entgegen gebracht wird. Freund_innen äußern untereinander Bitten. Solche Bitten werden dann eher angenommen, als wenn sie von Nicht-Freund_innen gehäußert würden. Es gibt keine klar definierte Struktur wie z.B. beim Militär. Es ist vielmehr so, das die Person, welche die Bitte äußert, nicht Bittsteller_in ist sondern Forder_in. Wird die Bitte abgeschlagen und evtl. nicht einmal ein (verdammt guter) Grund genannt, ist der_die Forder_in zwangsläufig enttäuscht. Das muss diese Person nicht einmal merken. Aber wenn jemand eine Bitte formuliert, dann wird erwartet, das der Bitte genüge getan wird. Dadurch wird aus einer Bitte unter Freund_innen eine Forderung. Und wenn diese Abgelehnt wird, dann ist die daran geknüpfte Hoffnung eben zerstört und die Person ist enttäuscht. Enttäuschungen sind nicht das beliebteste, weswegen Strategien entwickelt werden um das zu verhindern. Darunter ist eben auch die Ansicht, das wenn man andere nicht Enttäuscht, diese dann auch zurück „nicht-enttäuschen“. Wieder eine Form der festigung von Abhängigkeiten.

Der selbstreflektierende Teil
…wird von mir ausgelassen. Zwar bin ich mir über all das bisher geschriebene auch bei mir bewusst. Allerdings bin ich mit meiner Selbstreflektion noch nicht so weit um sagen zu können „Ja, ich bin mir bewusst das ich darauf gedrillt wurde, Menschen zu kategorisieren und hiermit stelle ich das ab. *klick*“. Demnächst vielleicht. Im Juli 2012 hatte ich schon einmal einen Blogpost über Solidarität geschrieben. Dieser könnte als erster Gedanke zu diesem Blogpost hier angesehen werden.


*Als „praktisch“ bezeichne ich solche Interessen, die meistens mit Hobbies assoziiert werden. Das wären also, wie genannt, Sport aber auch Filme gucken, Bücher lesen oder Basteln.
**Hingegen beschreibe ich mit „theoretisch“ solche Interessen, die schwer greifbar sind wie z.B. über ein Thema philosophieren, politische Ereignisse diskutieren oder zusammen träumen.

Google Glass: +0.5

Mittlerweile dürfte es den meisten wohl bekannt sein, was Google Glass[1, 2] ist. Eine Datenbrille, die sich relativ unbemerkt in den Alltag des_der Tragenden einfügen soll. Darüber sollen Daten empfangen, versendet und auch erzeugt werden. Zu diesem Zweck hat diese Brille eine eingebaute Kamera, ein Mikrophon, einen Lautsprecher und als wichtigstes: das transparente Display. Grundsätzlich ist diese Brille nichts anderes als ein Smartphone. Man kann damit nur nicht telefonieren.

Ein Überblick zur Technik
Die Technik ist überwiegend nicht sonderlich neu. Für die Kommunikation gibt es ein 2.4GHz WLAN-Modul, welches die den Standard 802.11 b/g unterstützt, sowie ein Bluetooth4.0-Modul [3]. Außerdem sind an Bord ein GPS-Modul, Beschleunigungssensor und ein digitaler Kompass [4]. Zur Bedienung ist am Gehäuse ein Touchpad integriert, welches für drei Gesten genutzt wird. Mit einem einfachen tippen kann Google Glass (de-)aktiviert werden oder eine Option gewählt werden. Mit einer Wischbewegung am Gehäuse entlang (nach vorn oder zurück) kann durch die jeweiligen Optionen navigiert werden. Die Bedienung läuft in erster Linie durch diese Gesten ab und es gibt nur wenige Funktionen die durch Sprachkommandos ausgeführt werden. Diese Kommandos beschränken sich auf Suchanfragen, dem Diktieren von Nachrichten oder der Übersetzung von Sprache [5]. Stromversorung läuft über einen Akku, welcher über einen USB-Anschluss aufgeladen werden kann. Über diesen Anschluss ist auch ein Datenaustausch möglich. Also wie bei einem Smartphone auch. Nach vorn gerichtet ist eine kleine Kamera, mit der Videos und Fotos aufgenommen werden können. Diese Kamera wird über ein entsprechendes Sprachkommando[5] aktiviert und hat keine nach außen gerichtete Anzeige, das sie aktiv ist (eine LED z.B.). Beim Mikrophon rechne ich mit einem in der Nähe der Kamera an der Unterseite des Gehäuses montierten. Ähnlich wie die üblichen Mikrophone an Smartphones, müsste man in ein solches nicht direkt hineinsprechen. Der Lautsprecher ist allerdings interessant. Zunächst ging ich davon aus, es handelt sich um einen kleinen Lautsprecher in der Nähe des Ohres des_der Tragenden. Ein Richtig ausgerichteter Lautsprecher würde mit wenig Lautstärke Laute zum Ohr transportieren können. Allerdings handelt es sich dabei um eine geräuschlose Technologie. Nach einem Bericht von bgr.com[3] handelt es sich dabei um eine Technologie, die Geräusche über die Knochen an das Gehör transportiert[6]. Das ist nicht ganz neu und wird z.B. bei bestimmten Hörgeräten eingesetzt [7]. Dabei wird der Schädel des_der Tragenden in Schwingung versetzt. Nur ein wenig. Diese wird dann von Innenohr wahrgenommen und dort in Audio-Signale umgewandelt und an das Gehirn weiter geleitet. Außenstehende können dabei allerhöchstens die Vibration hören. Da diese im Falle von Google Glass allerdings recht gering sein dürfte, sollte das kein Problem sein. Das Display selbst ist auch recht interessant. Dabei handelt es sich um einen kleinen Block transparentem Material. Ich gehe davon aus, es ist eine Form von Plexiglas o.ä. Wenn nun Informationen eingeblendet werden sollen, werden diese von der Seite, vergleichbar mit einem Beamer, in diesen Block projeziert. Das Prinzip entspricht dem eines Head-Up-Display[8].
Google Glass wird immer mit einem Gestell gezeigt. Allerdings gab Google bekannt, das auch für Brillenträger das ganze verwendbar ist [9]. Außerdem hieß es, Google wolle auch eigene Brillen für bereits Brillentragende mit Google Glass herausbringen [10].

Nun ein bischen zur Software. Das Betriebssystem selbst baut auf dem Android-Kernel auf. Damit wird aber lediglich die Hardware angesteuert. Für die Bedienung wurde etwas neues erfunden: die Google Cards. Diese basieren auf HTML und JSON. Die Programmierung dieser Cards ist, so wirkte es zumindest in der Demo, recht einfach und schnell zu erlernen. Grundsätzlich liegen aber erst einmal alle Daten auf Servern von Google. Vorallem die Daten von Applikationen, die man nutzt. Auch ist eine Kommunikation mit dem Internet nur über den Umweg über Google Server möglich. Bei der Demo-Präsentation wurde ein kleines Schema gezeigt, welches den Kommunikationsweg von Google Glass zeigt. Dabei liegt Google immer in der Mitte. Nachfolgend die Präsentation(50:39min, englisch).

Was ist Google Glass also?
Viele denken als erstes wahrscheinlich an „Cyborg“ oder „die Borg“ aus Star Trek. Augmented Reality ist in unserer Gesellschaft noch nicht sehr weit verbreitet. Sie wir in Kampfjets oder in manchen Autos eingesetzt, um Informationen direkt und diskret in das Blickfeld des_der Fahrenden zu projezieren. Mit Google Glass soll das nun zum Alltag werden. Als ich zum ersten Mal davon gehört bzw. davon gelesen habe, war ich sehr begeistert. Endlich könnte ich auf die Uhr sehen ohne meinen Arm bewegen zu müssen. Oder ich könnte mir durch das Navi den weg zeigen lassen, oder mein Handy in der Hand zu halten oder im Auto ein extra Navi an die Scheibe zu kleben. Nützliche Informationen direkt im Blickfeld. Fuck Yeah! Doof natürlich die Sache mit dem Datenschutz und auch die Tatsache, das ich es als störend empfinden würde, würde jemand neben mir im vollen Bus oder so mit seiner Brille sprechen. Zumal ich ein Mensch bin, der ungern in der Öffentlichkeit ausgiebig Telefoniert. Ich schreibe lieber SMS. Im Falle von Google Glass müsste ich aber auch diese sprechen. In diesem Punkt also, für mich, vollkommen Nutzlos. Die Kamera ebenfalls. Zum einen, weil man, wie bereits in der Datenschutzfrage angesprochen, einfach Fotos/Videos machen kann. Auch, wenn man das nicht exakt unbemerkt machen kann, weil man ja das Sprachkommando geben muss. Dennoch ein berechtigter Einwand.
Mir ist bei der ganzen Angelegenheit was ganz anderes in den Kopf gekommen. Schon heute werden wir von Informationsquellen überschüttet. Wir nutzen diese nur rudimentär. Mit Google Glass würde eine neue, immer im Blickfeld präsente, Informationsquelle auftauchen. Dabei erinnerte ich mich an eine Folge von Outer Limits. In einer der Episoden(3×05 – Der Strom) geht es darum, das die Menschheit das menschliche Gehirn mit einer Art Internet, dem sog. „Strom“, vernetzt hat. Alle Menschen haben also direkten Zugriff vom Gehirn auf Informationen. Durch diese Möglichkeit lernen Menschen nicht mehr, sondern rufen lediglich Informationen ab. Im Laufe der Episode führt dies dazu, das einige Menschen verrückt werden und sterben, weil sie vom „Strom“ mit nutzlosen Informationen überschwemmt werden. Das Gehirn kann diese nicht verarbeiten und dreht durch. Am Ende ist es einem jungen Mann, der aufgrund eines bei wenigen Prozent der Menschen auftretenden anatomischen Inkompatibilität nicht am „Strom“ angeschlossen ist, zu verdanken, das der „Strom“ zerstört und die Menschheit gerettet wird. Diese Episode wurde 1997 erstmals in englisch und 1998 erstmals in deutsch ausgestrahlt. Zu dieser Zeit war die kommerzielle, allen zugängliche, Mobiltelefonie noch keine 10 Jahre alt. Auch das Internet gab es zu dieser Zeit erst ein paar Jahre (kommerziell und tendenziell allen zugänglich). Diese Episode von Outer Limits kann also als eine Art Furcht vor der Flut von Informationen verstanden werden. Der heutige „Strom“ ist das Smartphone mit Internet-Flat.

Mein Fazit
Ich für meinen Teil würde mir äußerst gerne Google Glass zulegen. In diesem Falle würde ich allerdings die Kamera sichtbar versperren. Also wenn ich z.B. ein weißes Modell habe, würde ich die Kamera mit einem weißen Stück Plastik o.ä. schlicht verkleben. Zum einen brauche ich die Kamera nicht, da ich ja schon am Smartphone eine habe, und zum anderen fände ich es selbst nicht so geil, von anderen Google Glass Tragenden fotografiert/gefilmt zu werden. Ein anderer Aspekt wäre auch die Überwachung. So eine Kamera kann ja auch durch Repressionsorgane genutzt werden. Das geht vorallem sehr einfach, weil alle Kommunikation über Google Server läuft. Für mich wäre Google Glass also nicht da um Mails zu verschicken oder Fotos/Videos zu machen. Sondern einfach dafür, um fix ein Wort zu übersetzen, das Navi zu nutzen oder Kleinigkeiten zu googlen. Deswegen auch der Titel „+0.5“ als Anlehnung an das „+1“ aus Google+.

Was anderes…
Anstatt sich laut darüber zu Empören, was sich Google denn denkt und dann Verbote zu fordern, würde ich einfach versuchen, mit so vielen Leuten wie Möglich auf Google einzureden. Am Ende ist Google ja daran interessiert, das sich das Produkt an die Kosument_innen richtig. Und wenn diese sich darüber beschweren, das z.B. eine Kamera verbaut ist die nicht abgedeckt werden kann oder so, dann sollte Google ja ein Interesse daran haben, das zu ändern um das Produkt verkaufen zu können. So zumindest meine Logik.


[1] https://plus.google.com/+projectglass/posts
[2] http://www.google.com/glass/start/
[3] http://bgr.com/2013/01/31/google-glass-specs-fcc-filing-313313/
[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Google_Glass
[5] http://en.wikipedia.org/wiki/Google_Glass#Voice_commands
[6] http://www.engadget.com/2013/01/24/google-glass-bone-conduction/
[7] http://de.wikipedia.org/wiki/Knochenleitungshörgerät
[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Head-up-Display
[10] Leider Quelle verlegt. Sorry! =/

Ich, Misanthrop

Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit @KapuzenAuf auf Twitter. Es ging um meinen Begriff der Misanthropie, da ich ja augenscheinlich Menschen mögen würde. Vor diesem kurzen Gespräch hatte ich mir keine ausführlichen Gedanken zu dieser Thematik gemacht. Nach dem Gespräch, bzw. im Laufe dessen, habe ich beschlossen, das zu ändern und deswegen jetzt dieser Blogpost. Als erstes gehe ich auf den allgemeinen Begriff „Misanthropie“ ein. Danach dann darauf, was mein Begriff des selbigen ist und schließlich, was ich daraus folgere.

Der Begriff und wofür er steht

Misanthropie, die
Wortart: Substantiv, feminin
Gebrauch: bildungssprachlich
Bedeutung: Menschenhass
Aussprache: Misanthropie
Herkunft: Aus dem griechischen von misanthrōpía

Quelle: Duden.de[2]

In der deutschen Wikipedia wird Misanthropie[3] in der Herkunft als Symbiose aus den griechischen Wörter misein (= hassen) und anthrōpos (= Mensch) gebildet. Der Artikel beschreibt den Begriff als den Name für eine Geisteshaltung, in welcher die Menschheit verachtet wird. Bei Misanthropie handelt es sich laut dem Artikel nicht um eine Handlungsweise, wie z.B. bei Altruismus.
In einem Text von BONNINSKI[4] wird „der Misanthrop“ als eine Person beschrieben, welche von sich selbst das Bild des verkannten Genies hat und dem Perfektionismus[5] verfallen zu sein scheint. Außerdem heißt es dort, ein_e Misanthrop_in ist kein_e Trendsetter_in und betrachtet die Dinge mit mehr Abstand. Als „bester Freund“ wird dort der Sarkasmus[6] genannt, als „schlimmster Albtraum“ zum einen das Scheitern am Selbstbild und „drei Wochen Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff“.
Auf meiner Suche nach Definitionen oder einfach Texten über Misanthropie bin ich auf eine handvoll, meiner Meinung nach, brauchbaren Seiten/Blogs gelandet. Eigentlich alle beschäftigen sich weniger damit, was der Begriff „Misanthropie“ bedeutet als viel mehr damit, was daraus folgt. Für alle ist klar „Misanthropie ist der Menschenhass, die Verachtung der Menschheit“. Dementsprechend werden auch Personen und Ereignisse damit asoziiert. In erster Linie beschreiben viele Texte Situationen in denen andere Menschen ganz einfach als unangenehm wahrgenommen werden. Lautes Verhalten im öffentlichen Leben, egoistisches oder rücksichtsloses Handeln in öffentlichen Verkehrsmitteln. Bei meiner simplen Google-Suche habe ich nicht alle Ergebnissseiten durchgeguckt. Nach 30 Seiten kommt, meiner Erfahrung nach, nicht mehr wirklich viel brauchbares. Zumal der gleiche Begriff auch im französischen Existiert und somit auch einige französische Texte in der Liste aufgetaucht sind. Leider kann ich auf französisch bisher nur juristisch korrekt die Aussage verweigern. Alle von mir gefundenen Texte spiegeln, in meinen Augen, eher eine Art „situationistische Misanthropie“ wieder. Dennoch fand ich es sehr interessant, die Texte zu lesen. Sie sind von mir unterhalb der Quellen am Ende des Blogpost verlinkt.

Bei meiner Suche bin ich auch, wahrscheinlich unweigerlich, auf Arthur Schopenhauer und seine Parabel „Die Stachelschweine“[6] gestoßen. Dabei handelt es sich um einen kurzen Text aus seinem Werk Parerga und Paralipomena. Darin schreibt er von einer Gruppe Stachelschweine, welche sich an einem kalten Tag gegenseitig Wärmen wollen. Nachdem sie sich eng zusammengedrängt haben, fangen ihre Stacheln aber an sie wieder auseinder zu bringen, weil sie sich gegenseitig stechen. Er vergleicht das mit der menschlichen Gesellschaft, in der die Menschen die gegenseitige Nähe suchen, sich aber aufgrund ihrer „Stacheln“(Eigenheiten und Marroten etc.) wieder voneinander entfernen. Später werde ich nochmal speziel auf diese Parabel eingehen und eine eigene Interpretation beschreiben.

Neben der Google-Suche habe ich aber auch direkt nach Zitaten gesucht. Zum einen auf zitate.net und zum anderen in Filmen, die ich kenne.

»Ich bevorzuge die Stille hier. Ich bin der Erde überdrüssig, der Menschen, des Gewirr’s ihrer Leben in dem ich mich verfange.«

»Meiner Meinung nach ist die Existenz von Leben ein höchst überschätztes Phänomen. Du musst dich nur hier umsehen. Der Mars kommt prächtig zurecht, ohne einen einzigen Mikroorganismus. Hier ist die Landschaft ständig im Wandel. Sie bewegt sich, und formt sich immer wieder neu um diesen Pol herum, in Wellen die 10.000 Jahre fließen. Würdest du sagen, dass sich das alles wesentlich verbesser’n ließe durch ein Einkaufszentrum oder eine Ölpipeline?!«

Dr. Manhatten in Watchmen – Die Wächter

»Alles nur eine Fassade der Höflichkeit, die den wahren Grund verdeckt. Das liegt in der Natur unserer Welt, oder? […] Zivilisation ist reine Illusion. Ein Spiel in dem man so tut, als ob. Wahr ist allerdings, dass wir noch immer Tiere sind, getrieben von unseren primitiven Instikten. […] Ich sage damit nur, dass die Zivilisation immer dann brökelt, wenn man sie am meisten braucht. Unter gewissen Umständen sind wir Menschen alle der schlimmsten Verbrechen fähig. Können Sie sich eine Welt vorstellen, wo das anders ist? Wo nicht jede Krise zu neuen Abscheulichkeiten führt? Wo nicht überall in den Zeitungen nur von Krieg und Gewalt die Rede ist? Nein, dann müsste man nämlich eine Welt erschaffen, in der die Menschheit nicht menschlich ist.«

Der russische Botschafter in Invasion

»Librianer, im Herzen der Menschheit existiert eine Krankheit.
Ihr Symptom ist Hass.
Ihr Symptom ist Zorn.
Ihr Symptom ist Wut.
Ihr Symptom ist Krieg.
Diese Krankheit ist die menschliche Emotion.«

»Das tut mir Leid!« – »Das tut es nicht. Du weißt nicht einmal, was das bedeutet. Es ist nur ein redundantes Wort für ein Gefühl, das du nicht hast.«

»Ich möchte Sie etwas fragen. Wieso sind Sie am Leben?« – »Ich lebe, weil ich den Fortbestand dieser Gesellschaft sichern möchte.« – »Ein Kreislauf. Sie existieren um Ihre Existenz fortzuführen. Worin liegt da der Sinn?«

Equilibrium

»Manchmal wird es langweilig, weil ihr immer wieder die gleichen dummen Fehler macht.«

John Oldman in The Man From Earth

»Ich glaube, dass die wachsende Fähigkeit des Menschen, sich Erkenntnisse zu verschaffen, nicht unbedingt seine Dummheit verringert. Seine Emotionen werden es stehts beherrschen. Sie bestimmen seine kriegerische Einstellung, die alles um sich herum bekämpft. Sogar sich selbst.«

Dr. Zaius in Planet der Affen(Original von 1968)

»Jedweder Art von Säuger auf diesem Planeten entwickelt instinktiv ein natürliches Gleichgewicht mit seiner Umgebung. Ihr Menschen aber tut dies nicht. Ihr zieht in ein bestimmtes Gebiet und vermehrt euch und vermehrt euch, bis alle natürlichen Resourcen erschöpft sind. Und der einzige Weg zu überleben, ist die Ausbreitung auf ein anderes Gebiet. Es gibt noch einen Organismus auf diesem Planeten, der genauso verfährt. Wissen Sie, welcher?! Das Virus! Der Mensch ist eine Krankheit. Das Geschwür dieses Planeten. Ihr seid wie die Pest.«

Agent Smith in Matrix

Mit diesen Zitaten möchte ich dann nahtlos darin übergehen, was mein Begriff von Misanthropie ist.
Für mich bedeutet Misanthropie zwar Menschenhass und die Ablehnung der Menschheit im Allgemeinen, jedoch definiere ich „Menschheit“ nicht im naturwissenschaftlichen Sinne. Gewiss, wenn von „Menschheit“ die Rede ist, meine auch ich die biologische Spezies „Mensch“. Wenn es aber um die Ablehnung der Menschheit geht, spreche ich von einem künstlichen Konstrukt, gemacht von der Menschheit selbst, ähnlich wie das künstlische Konstrukt der Gesellschaft. Beides ist vom Menschen gemacht und hat sich über unzählige Jahre hinweg entwickelt. Diese Konstrukte sind längst zu etwas geworden, was so gewaltig ist, das es alle Menschen in sich einschließt. Das Wesen des Menschen, welches in Verbindung mit anderen Menschen das Wesen der Menschheit bildet, ist vom Menschen gemacht und kann somit auch vom Menschen verändert oder zerstört werden. Die Grundannahme, dass dieses Wesen, dieses Konstrukt, schlecht und böse ist, ist meines Erachtens die einzige Möglichkeit sich selbst in die Lage zu versetzen dagegen anzugehen. Vor zwei Jahren oder so überlegte ich, wie eine basisdemokratische Struktur aussehen könnte. Dabei kam mir folgender Satz in den Kopf: Ein System kann niemals mit den vom System gegebenen Richtlinien und Ordnungen geändert werden. Daraus folgernd muss etwas bestehendes zuerst zerstört werden, bevor etwas neues entstehen kann. In der Regel baut etwas neues auf etwas bestehendem auf. Dadurch werden Dinge aus dem bereits bestehenden in das neue übernommen. In vielen Fällen, vorallem in der Technik, ist das äußerst Hilfreich, weil das Rad nicht ständig neu erfunden werden muss. Im Falle der Menschheit würde das allerdings bedeuten, dass die bisherige schlechte Menschheit in der neuen weiter existieren würde. Sie würde sich irgendwann zwangsläufig bahn brechen und die neue Menschheit wieder vergiften. Wird also eine neue Welt angestrebt, muss die Menschheit zerstört werden. Dabei muss es nicht zu Mord und Gewalt kommen. Nein, warum denn?! Es muss lediglich verhindert werden, dass Werte und Normen aus der alten Welt in die neue übertragen werden. Wie das zu schaffen ist, möchte ich an dieser Stelle offen lassen. Erwähnenswert ist aber: Ich will nicht in meiner Utopie leben! Dafür gibt es zwei rationale Gründe:

  1. Ich kann nicht in ihr Leben, weil sie das Ziel ist welches ich anstrebe.
  2. Wenn ich in ihr lebe, kann es nicht meine Utopie sein, weil ich Teil des alten, der schlechten Menschheit bin.

»Ein Mensch, der für nichts zu sterben gewillt ist, verdient nicht zu leben.«
Martin Luther King

Dieses Zitat spiegelt, finde ich, einen Kernpunkt des menschlichen Daseins wieder. Die heutige Menschheit, zumindest jene in der entwickelten Welt, existiert vor sich hin. Die Menschen folgen einer Routine, die ihnen von der Gesellschaft aufgedrückt wird. „Du musst zur Schule/Arbeit!“ oder „Du musst dich an die Gesetze halten!“. Muss man das? Ich sage nein. Warum sollte ich das? Als ein Lebewesen, welches in der Lage ist zu denken und zu handeln, bin ich gewiss zu grausamen Handlungen fähig. Aber ich bin auch zu guten Taten in der Lage. Und wäre die Schwarmdummheit nicht so entsetzlich monströs und massiv, würde ich das auch viel öfter tun. Jetzt kommen wir ein bischen dazu, was mich persönlich dazu verleitet, mich als Menschenhasser zu bezeichnen. Denn es sind nicht die großen Beispiele der Geschichte, wie z.B. die Kriege aller Epochen, sondern es sind die jeden Tag stattfindenden kleinen und großen Dummheiten, die von der Menschheit im gesamten wie auch von dem Menschen im kleinen vollbracht werden. Es fängt an beim alltäglichen Umgang mit anderen Menschen in der Öffentlichkeit. Es wird nicht aufeinander geachtet. Alle sind davon getrieben, ihr Ziel zu erreichen. Gleichgültig, ob es andere Menschen betrifft. Ein sehr gutes Beispiel bietet dabei der ÖPNV. Wenn ein Bus an einer Haltestelle hält und sich die Türen öffnen ist das erste was passiert, dass Menschen von draußen einsteigen wollen. Dabei wollen auch Menschen von drinnen aussteigen. Dieser Interessenskonflikt führt regelmäßig dazu, dass man sich durch eine Masse von Zombies quetschen muss. Gleiches auch in Eingangsbereichen von z.B. Kaufhäusern oder ähnlichem. Auch sehr nervend finde ich, wenn Menschen mitten auf dem Gehweg oder in der Fußgängerzone plötzlich stehen bleiben und somit nicht nur Menschen hinter sich ausbremsen, sondern auch noch Kollisionen zwischen Menschen provozieren. Außerdem gibt es auch noch etwas, das nenne ich einfach „institutionelle Dummheit“. Damit meine ich die Tatsache, dass Institutionen den Menschen gewisse Dinge nicht zutrauen. Wer weiß z.B. das Reinungsmittel aller Art aufs äußerste Verdünnt sind?! Waschpulver z.B. besteht fast ausschließlich aus wirkungslosen Streckmitteln. Einfach, weil den Menschen nicht zugetraut wird, einfach mal weniger von dem Zeug in die Waschmaschine zu kippen. Genau bestimmte Anweisungen in der Öffentlichkeit. Comics in denen Erklärt wird, wie man eine Tür öffnet oder Erinnerungsschilder, man soll auf der Rolltreppe rechts stehen damit links Menschen die es eilig haben vorbei können. Die Welt ist voller Bevormundung. Die Menschheit hält sich selbst klein. Dabei will ich nicht einmal von Erfindungen wie Waffen sprechen. Diese sind für mich nur die Spitze des Eisberges. Wo der Mensch sich nicht mehr mit Worten zu helfen weiß, wird eben Gewalt eingesetzt. Waffen sind dabei nur die logische Weiterentwicklung der menschlichen Faust. Und all das lehne ich ab und verachte es. Ich bin der festen Überzeugung, würde man dieses Konstrukt der Menschheit zerstören, könnte man etwas verdammt viel besseres aufbauen.

Bewusst spreche ich von „der Menschheit“ als Verallgemeinerung. Eben, weil ein jeder Mensch teil derselbigen ist und somit tendenziel zu exakt den selben Handlungen fähig ist wie ein anderer Mensch auch. Dabei ist es unerheblich, welche moralischen Grundsätze ein einzelner Mensch das eigen nennt. Also stelle ich die These auf, dass selbst Mahatma Ghandi in der Lage wäre, einen anderen Menschen mit seinen eigenen Händen zu erdrosseln. Einfach, weil es die gemachte Natur des Menschen ist. Es ist eine Art der Autopoiesis[7]. Damit ist ein sich selbst erhaltendes System gemeint.

Zum Thema „mögen“ und Freund_innenschaft
Von @KapuzenAuf wurde mir unterstellt zu lügen, als ich schrieb, dass ich keine Menschen mag. Als Begründen wurde angeführt, das @KapuzenAuf ein Mensch sei und sich von mir gemocht fühlt. Kurz gesagt: Ich kann beides! Ich kann die Menschheit und Menschen nicht-mögen, aber trotzdem Menschen mögen. Man könnte es als eine Art der Hassliebe bezeichnen. Die Gründe, warum ich Menschen mag sind recht wenige. In der Hauptsache wäre zu nennen „Sie nerven mich nicht ständig“. Noch dazu wähle ich doch recht genau aus, wen ich mag und wen eben nicht. Oft habe ich das Gefühl, mein Begriff von Freund_innenschaft ist ein viel tiefgreifender als bei denen, die ich meine Freund_innen nenne. Für mich ist es wichtig, dass mir potenzielle Freund_innen nicht so vorkommen wie dumme Schafe. Um es mal drastisch auszudrücken. Das hat in erster Linie, wegen dem Halo-Effekt[8] viel mehr etwas mit mir zu tun als mit dem Menschen. Dennoch hat sich das bisher als recht effektiv erwiesen. Aber nur, weil ich jemanden nicht als „dummes Schaf“ empfinden, macht das noch keine Freund_innenschaft. Es geht auch darum, ob es angenehm ist, mit einem Menschen zusammen zu sein. Dabei ist es bei mir häufig der Fall, dass mich Menschen schlicht anekeln durch ihre bloße Anwesenheit. Geben diese dann auch noch Dinge von sich, bei denen ich mich frage ob dieser Mensch jemals darüber nachgedacht hat, warum etwas so ist wie es ist, bin ich fast schon über alle Berge. Was mir auch schon gesagt wurde ist, dass ich sehr oft nach meiner eigenen Logik als nach meinem Gefühl vorgehe. Das stimmt auch soweit. Und in meiner Logik ist es eben nicht logisch, zwangsweise mit Menschen zusammen zu sein, gleichgültig ob ich diese tolerieren kann oder nicht. Es gefällt mir also, mich mit denkenden Menschen zu Unterhalten. Es gefällt mir aber nicht, diesen Menschen ständig nah zu sein. Mir ist es übrigens schon passiert, dass ich mit anderen Misanthropen nicht ausgekommen bin. Denn ich brauche keinen Menschen, der mir oft zustimmt oder dem ich oft zustimme. Das ist langweilig und das finde ich zum kotzen. Zudem finde ich geradzu widerlich, wie die meisten Menschen sich (in meiner Wahrnehmung) zum Thema „Freund_innenschaft“ verhalten. In erster Linie scheint es nur noch Zweckfreund_innen zu geben. Menschen, mit denen man eben nur deswegen eine Freund_innenschaft eingegangen ist und pflegt, weil man sonst (in einer Gruppe) alleine wäre. Es ist das eine, wenn man sich in einem Sportverein gut mit den Leuten versteht und deswegen mit ihnen auch mal außerhalb des Vereinslebens etwas unternimmt. Das andere, viel schlimmere, ist, das man mittlerweile in so vielen Zusammenhängen verkehrt, das man nur noch Zweckfreund_innen hat, mit denen man sehr schnell keinen Kontakt mehr hat sobalt man aus diesem Zusammenhang verschwunden ist. Fangfrage: Mit wievielen Schul-Freund_innen, mit denen du noch deinen Schulabschluss gefeiert o.ä. hast, hast du heute noch Kontakt? Und mit wievielen von denen unternimmst du noch etwas? Mit „Kontakt“ ist übrigens keine Facebook-„Freund_innenschaft“ gemeint. Was ich sagen will, ist, das Menschen kommen und gehen. Aber welchen Sinn hat es denn dann, mit ihnen etwas zu tun zu haben?

Nochmal zum Thema „mögen“
Sehr oft ist es so, dass ich Menschen weder „mag“ noch „nicht-mag“. Ich toleriere sie und finde Unterhaltungen oder Unternehmungen mit ihnen angenehm. Zu einem gewissen Grad, versteht sich.

Meine Ablehnung der Menschen…
…führte auch dazu, dass ich soziale Ereignisse komplett aus meinem Leben gestrichen habe. Zum einen feiere ich keine Geburtstage und gratuliere auch niemanden dazu. Weder meinen Freund_innen noch meiner Verwandtschaft. Weihnachten feier ich auch nicht, Sylvester verbringe ich am liebsten entspannt mit ausgewählten Menschen oder allein. Ich habe eine größere Abneigung gegenüber Menschenmassen oder einfach generell gedrängten Menschen. Es passierte mir schon, das ich kurz vor eine Panikattacke stand, weil ich mit 2 anderen Menschen in einem Aufzug fuhr. Wenn ich unterwegs bin, gibt es für mich nichts wichtigeres als möglichst schnell ans Ziel zu kommen und sovielen Menschen wie Möglich aus dem Weg zu gehn. Wenn mir der Zug oder der Bus zu voll ist, warte ich auf den nächsten oder laufe. Musik höre ich dann am liebsten so laut über Kopfhörer, das ich niemand anderen hören muss. Wenn ich draußen rumlaufe, versuche ich immer möglichst unangenehm auszusehen, damit niemand auf die Idee kommt, mich anzusprechen. Ich vermeide es aktiv, Menschen zu berühren. Ob nun in der Bahn oder bei Freund_innen. Diese Umarmung zur Begrüßung konnte ich zum Glück den meisten meiner Freund_innen abgewöhnen. Bei denen, die trotzdem darauf bestehen, habe ich mich daran gewöhnt und lasse es einfach 1-2sec über mich ergehen. Meine Lieblingsjahreszeit ist der Winter, weil dann die Menschen nicht so viel schwitzen und somit nicht so viel stinken. Außerdem kann ich dann, die kälte genießend, draußen rumlaufen und die dicke Kleidung beugt Körperkontakt vor. Dabei laufe ich gerne leicht bekleidet auch durch den tiefsten Winter, weil die Kälte die Nerven ein wenig beteubt. Ich mag auch keine Parties, weil dort viel zu viele Menschen sind. Auch private Parties, wo weniger Menschen sind, mag ich oft nicht. Ich unterhalte mich gerne mit Menschen. Eine Party ist nicht zum Unterhalten da, sondern zum Tanzen oder Alkohol trinken oder sonst was. Auch will ich nicht, um mich zu unterhalten, jemand anderen ins Ohr brüllen müssen, weil die Musik so laut ist. Am liebsten sitze ich mit, meiner Definition nach, netten Menschen auf einer Couchgruppe oder so etwas und unterhalte mich über irgendetwas nicht-stumpfsinniges.

Flausch <3...
…finde ich Ekelhaft. Es widert mich teilweise regelrecht an, wie sich Menschen exzessiv gegenseitig Kuscheln, sich Herzchen schicken oder ständig alles verniedlichen. Ich hasse es auch, anderen Menschen gegenüber meine Gefühle zu zeigen. Deswegen lehne ich es auch ab, mit einem anderen Menschen (sollte es mal soweit kommen) händchen-haltend oder mehr durch die Straßen zu laufen oder vor Freund_innen aufzutreten. Es entbehrt für mich jedem Sinn, so etwas zu tun oder Menschen zu versuchen mit „Hey, ich hab dich doch lieb. Das wird schon wieder!“ aufzubauen. Zwar belüge ich Menschen, manchmal sogar ziemlich übel, aber nicht jemanden, den ich leiden kann. Noch dazu finde ich es äußerst problematisch einfach irgendjemand ungefragt mit „<3" zu überschütten oder so. Ich für meinen Teil, will das einfach nicht. Ich will nicht, das irgendwelche (un)bekannten Menschen mir sagen, sie würden mich gern oder lieb haben. Zum einen, weil ich Menschen grundsätzlich erstmal nichts glaube was mit Gefühlen zu tun hat. Zum anderen, weil ich dann gesellschaftliche gezwungen bin, auf irgendeine Weise darauf zu reagieren. Erwidere ich die Erklärung, würde ich (meistens) lügen. Sage ich nichts oder lehne ich ab, verletzte ich diese Person (meistens). Beides nichts was ich einem Menschen, den ich leiden kann, entgegen bringen möchte. Die Masse…
…all dieser von mir bis jetzt aufgezählten Dinge ist der Grund, weswegen ich mich als Misanthrop sehe. Am liebsten sehe ich mir Filme an, die eine Distopie darstellen in der die Menschheit am Rande der Auslöschung steht oder so etwas. Leider gibt es dabei immer wieder ein Happy-End. Der Film „The Last Man On Earth“ oder das Remake „I Am Legend“ wären so gute Filme, gäbe es da nicht diese Wendung die am Ende doch noch zu einer, zumindest angedeuteten, Rettung der Menschheit führt. Ebenso „The Last Seven“(nicht das Remake, das ist scheiße) oder „The Quiet Earth“, „The Road“, „Downstream – Endzeit 2013“. Lediglich „Carrier“ und „The Divide“ hatten ein nettes Ende, weil die Situation auf die Rettung der Menschheit zumindest als äußerst unwahrscheinlich dargestellt wurde.

Schopenhauers „Die Stachelschweine“
Ich hatte ja gesagt, das ich mich dieser Parabel nochmal widmen werde. Das werde ich an dieser Stelle tun.

Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich en einem kalten Wintertage recht nah zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln, welches sie dann wieder von einander entfernte. Wann nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so daß sie zwischen beiden Leiden hin und her geworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung voneinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.

So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab. Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden, und bei welcher ein Beisammensein bestehen kann, ist die Höflichkeit und feine Sitte. Dem, der sich nicht in dieser Entfernung hält, ruft man in England zu:keep your distance! – Vermöge derselben wird zwar das Bedürfnis gegenseitiger Erwärmung nur unvollkommen befriedigt, dafür aber der Stich der Stacheln nicht empfunden.

Wer jedoch viel eigene, innere Wärme hat, bleibt lieber aus der Gesellschaft weg,
um keine Beschwerde zu geben, noch zu empfangen.

Die Stachelschweine versinnbildichen die Menschen. Die Stacheln die Eigenheiten und Charakterzüge derselben. Wenn sich nun also die Stachelschweine bei dem Versuch sich gegenseitig zu wärmen gegenseitig stechen, ist damit der Umgang der Menschen miteinander gemeint. Tendenziel „sticht“ ein Mensch einen anderen eher als irgendetwas anderes. Menschen können sich nicht einfach verständigen, selbst wenn sie in der Lage sein sollten, sinnvoll zu kommunizieren. Das führt zwangsläufig dazu, das sich die Menschen (un)bewusst gegenseitig verletzen oder, wie in meinem Fall, anwidern. Denn genau wie ein Stachelschwein seine eigenen Stacheln selbst nicht spürt, empfinden Menschen ihre eigenen Eigenheiten nicht als störend. Am Ende spricht Schopenhauer davon, das diejenigen, die sich selbst wärmen können, das auch tun. Das wäre dann die letzte Konsequenz der Misanthropie: Das Leben als Einsiedler_in. Denn wer allein sein kann und wen andere Menschen nur stören, wird natürlich keinen Grund dafür haben, in deren Gesellschaft weiter zu verweilen (Sachzwänge mal ausgenommen). Schopenhauer spricht auch davon, das die Stachelschweine eine Entfernung gefunden haben, in der sie sich nicht stechen aber wo es noch warm genug ist. In bezug auf die Menschheit sehe ich die Sache so, das es bisher nicht gelungen ist eine angenehme Distanz zu finden. Und ich denke auch nicht, dass das nochmal passiert.

He wishes for the Cloths of Heaven

Had I the heavens‘ embroidered cloths,
Enwrought with golden and silver light,
The blue and the dim and the dark cloths
Of night and light and the half-light,

I would spread the cloths under your feet:
But I, being poor, have only my dreams;
I have spread my dreams under your feet;
Tread softly because you tread on my dreams.

by William Butler Yeats

Dieses kurze Gedicht von Yeats finde ich sehr interessant, weil es auf der einen Seite die Verletzlichkeit eines Menschen thematisiert und zum anderen seine Hoffnung, nicht von anderen verletzt zu werden. Seine Träume vor anderen auszubreiten und ihnen zu erlauben, auf diesen zu gehen, setzt ein Vertrauen voraus. Aber keines das auf Gegenseitigkeit beruht. Es ist ein Vorschuss an den anderen Menschen mit der Hoffnung, dieser wird die Träume genauso vorsichtig wie man selbst behandeln. Das Wort „tread“ bedeutet übersetzt soviel wie „Auftritt“ oder „Trittfläche“. Betrachtet man dieses eine Wort und ersetzt es durch ähnliche, wie z.B. „treat“, was soviel wie „Vergnügen“ bedeutet, oder „threat“, was soviel wie „Bedrohung“ oder „Drohung“ bedeutet, lässt sich diese letzte Zeile „Tread softly because you tread in my dreams“ in zweierlei Licht betrachten. Zum einen, als die Hoffnung, dass der andere Mensch die eigenen Träume sanft behandelt und äußerst vorsichtig ist. Zum anderen, die Furcht, dass der andere Mensch die Träume schlicht weg zertritt. Wahrscheinlich hat jede_r die Hoffnung oder den Wunsch, das die eigenen Träume von anderen vorsichtig behandelt werden. Die Menschheit zeigt aber immer wieder, das Menschen äußerst gerne Dinge fordern ohne sie selbst zu geben. Was dazu führt, das Menschen nicht einfach auf den Träumen anderer Menschen herumtrampeln, sondern auch einfach auf den Menschen selbst.

Schlussendlich betrachtet…
…gibt es eigentlich keinen Grund, diese Menschheit zu erhalten. Das allerdings soll auch kein Grund sein, nichts gutes zu tun. Ich für meinen Teil helfe unglaublich gerne anderen. Dafür verlange ich in den allermeisten Fällen nicht einmal Anerkennung oder sonst etwas. Es ist für mich ein Versuch, zumindest ein bischen anders zu sein, als es die Menschheit ist. In manchen Fällen ist es auch einfach eine Form meine Wertschätzung für einen bestimmten Menschen zu zeigen.
Ich für meinen Teil habe von mir übrigens das Selbstbild äußerst awesome zu sein. Quasi der Maßstab der Awesomness überhaupt zu sein. Was ich awesome finde, ist awesome, weil ich awesome bin. Tendenziell trägt das meiner Misanthropie nur Brennstoff zu, schließlich kann es ja nicht sein, das ich zu einer Menschheit gehöre die nicht awesome ist obwohl ich total awesome bin. Und Trotzdem ist die Überzeugung das ich total awesome bin das einzige, was mich häufig davon abhält, komplett verrückt zu werden. Ende Februar z.B. habe ich meinen Twitter-Acc deaktiviert. Ein paar Leuten ist das Aufgefallen. Was diesen Leuten allerdings nicht aufgefallen ist (und das ist es eigentlich auch kaum jemanden) ist, das ich auch meinen Facebook-Acc deaktiviert hatte und auch sonst jeden Kommunikationsweg außer Post und eMail gänzlich abgeschaltet hatte. Warum habe ich das getan? Ganz einfach: Weil ich fast verrückt geworden wäre! Weil mich in diesem Moment die Menschheit so richtig abgefuckt hat. Ich bin dann zwei Woche lang durch die Gegend gelaufen ohne wirklich mit jemanden zu kommunizieren. Ich habe eine handvoll eMails bekommen und geschrieben, in meinem Alltag habe ich mich kaum mit Menschen unterhalten. In diesen zwei Wochen gab es nur mich und meine Gedanken isoliert von einem Umfeld voller Dummheit. Letztendlich bin ich ja wieder zurück gekommen, obwohl ich das am Anfang noch gar nicht wusste.

Ich habe vor etwas Zeit einen kleinen Blogpost geschrieben, mit dem Titel „74 Gründe, Misanthrop_in zu sein“[9]

»Nichts bist du, nichts ohne die ander’n. Der verbissenste Misanthrop braucht die Menschen doch, wenn auch nur, um sie zu verachten.«
Marie von Ebner-Eschenbach

Nachtrag

»Menschen sind wie Seesterne. Sie sehen langweilig aus, können nichts und haben kein Gehirn.«
Ich im Alter von 16 oder 17


[1]
[2] http://www.duden.de/rechtschreibung/Misanthropie
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Misanthropie
[4] http://www.bonninski.de/misanthropie.html
[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Perfektionismus_(Psychologie)
[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Stachelschweine_(Parabel)
[7] http://de.wikipedia.org/wiki/Autopoiesis
[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Halo-Effekt
[9] http://www.freikaempfer.net/blog/?q=node/34

Nicht verwendete, aber interessante Links:
TextKrieg: Die 90er Megaparty oder Wege in die Misanthropie
Geist und Gegenwart: Misanthropie – Bin ich ein Menschenhasser?
Des Wahnsinns Blog: Misanthropie? Gerne!
Raid Rush: Misanthropie – rational oder übertrieben?
Giftblick: Moderne Phänomene 1 – Misanthropie
Evilism[DOT]com: Selektive Misanthropie
entartete-worte: Warum Misanthropie

Privacy or no privacy?

An einem Sommerabend treffen sich Menschen zu einer kleinen, privaten Party am Flussufer. Die Wenigsten kenne alle. Zuvor gab es ein Facebook-Event, zu dem man eingeladen wurde und sich dadurch in einer Liste wiederfand.

Person A: „Hi, ich bin A. Kennst du viele hier?“
Person B: „Nein! Ich bin befreundet mit G. Und du?“
Person A: „Es geht! Ein paar Leute kenne ich, zB. F und T.“
Person B: „Ah, cool! Ich bin übrigens B.“
Person A: „Ja, ich weiß! Du studierst doch das Fach hier an der Uni, oder?“
Person B: „Äh, woher weißt du das?“
Person A: „Bevor ich hergekomme bin, habe ich mir auf Facebook ein bischen die Leute angeguckt. Steht alles auf deinem Profil.“
Person B: „Ja, aber das ist doch kein Grund, sich das gleich anzugucken.“
Person A: „Erm…“
Person B: „Was bist du denn für ein Mensch, ey!“

Dieses Gespräch ist natürlich fiktiv, auch wenn ich es schon in ähnlicher Weise miterlebt habe. Immer, wenn ich so etwas höre bzw. mitbekomme, stelle ich mir die Frage, was die Menschen eigentlich so alles denken, wenn sie ihre Daten ins Netz stellen. Dabei geht es mir jetzt nicht einmal darum, dass Konzerne wie Facebook, Google oder sonstige Datensammler_innen hier an die Daten gelangen. Es geht mir vor allem um die Daten, die öffentlich für alle einsehbar eingestellt werden. Bei Facebook sind das neben Name und Profilbild oft Daten wie Wohnort, Schule/Uni/Arbeit und Freund_innen. Mit all diesen Daten können auch ganz normale Menschen einiges Anfangen. Dabei dann einfach davon auszugehen, das guckt schon niemand nach, ist nichts weiter als naiv.

Aber gehen wir ein bischen näher auf das ein, was man damit machen kann. An dieser Stelle will ich auf folgendes Hinweisen: Manchmal, wenn mir langweilig ist und sich eine Gelegenheit bietet, suche ich so viele Infos über einen Mensch aus dem Internet, wie mir möglich ist. Es ist eine Art „Hobby“ welches ich als ein Art „Forschung“ betrachte. Zum einen, um zu sehen was alles über einen Menschen herausgefunden werden kann. Zum anderen, um meine eigene Datenflut ins Internet an der ein und anderen Stelle einzudämmen. Alles was ich bei solchen Aktionen herausfinde, dokumentiere ich nicht. Allerdings informiere ich die betreffende Person auch nicht. Wenn ich „fertig“ bin, schließe ich alle dazugehörigen Tabs einfach und lebe mein Internetleben weiter als wäre nichts gewesen. Nachfolgend möchte ich einen Fall kurz dokumentieren.

Ausgangssituation:
Ein Foto mit einem halben Namen, ein bekanntes SocialNetwork-Profil, ein bekannter Wohnort(aka Stadt)

Route:
Auswertung des SocialNetwork-Profils(Fotos, Ortshinweise, etc.), dann Auswertung des bekannten Fotos, dann Suche der Person in der bekannten Stadt

Konkret:
Das SocialNetwork-Profil wurde unter dem Spitznamen der Person geführt, dadurch konnte auf den korrekten Vornamen geschlossen werden.
Fotos auf dem Profil zeigten die Person und deren Umgebung(z.B. Fotos aus dem Fenster heraus, Fotos von sich selbst mit Stadt im Hintergrund, etc.).
Veröffentlichte Nachrichten der Person enthielten zum Teil getaggte Geodaten, zum Teil direkte Hinweise.
Das bekannte Foto zeigte den Nachnamen der Person sowie Hausnummer und ein paar Buchstaben des Straßennamens.

Kombinierung der Erkenntnisse:
Durch das SocialNetwork-Profil und das bekannte Foto konnte der gesamte Name der Person herausgefunden werden. Ein Eintrag im Telefonbuch unter diesem Namen gab es nicht. Um nun an die Adresse zu kommen, wird das Bild näher betrachtet. Der Schrifttyp sowie die Schriftgröße lassen sich oft recht einfach herleiten. Durch Trial-And-Error kann nun der Straßenname herausgefunden werden. Dieser wird dann z.B. bei GoogleMaps nachgeschlagen und man erhält, in Verbindung mit der bekannten Stadt, die volle Adresse. Durch weitere Fotos und GoogleStreetView(falls an der Adresse vorhanden) lässt sich dann auch das Stockwerk und die Lage der Wohnung herleiten. Durch den vollen Namen kann nun versucht werden Daten wie Telefonnummer(n), E-Mail Adresse(n) etc. herauszufinden. Mit dem vollen Namen und dem gewählten Name im SocialNetwork können nun auch weitere Profile gefunden werden(falls vorhanden bzw. unter selber Namensgebung).

Ergebnis:
Nach kurzer Zeit ist aus der vormals unbekannten Person eine bekannte Person geworden. Man kann sie nun mit vollem Namen ansprechen, sogar Post schicken. Man weiß, wie sie aussieht, in welchem Stockwerk sie wohnt und wohin sie sich oft bewegt.

Diese Prozedur habe ich nicht sehr oft gemacht. Das heißt, ich habe nicht gezielt nach Personen gesucht die ich ausforschen kann. Was ich aber trotzdem zeigen kann ist, dass es Möglich ist mit relativ wenig Mitteln(Internet und ein bischen Verstand) um einiges mehr über eine Person zu erfahren als diese meint preis zu geben. Es muss sich also jede_r die Frage stellen „Wieviel bin ich bereit über mich preis zu geben?“. Dabei muss berücksichtigt werden, dass Daten nicht durch Kreuzverbindungen herausgefunden werden können. Also z.B. wird der Wohnort auf einem SocialNetwork publiziert, auf einem anderem unter gleichem Namen aber nicht.

Ein paar Tipps…
…kann ich leider nicht geben. Das einzige, was ich sagen kann: So wenig Daten wie möglich, desto besser. Durch Freund_innen auf Facebook lassen sich übrigens auch wunderbar Informationen herausfinden. Deswegen vielleicht doch ein Tipp: Alles auf „Nur Freunde“ stellen und Freundschaftsanfragen nicht blind annehmen. Das Geburtsjahr sollte evtl. auch verschwiegen werden. Mit Name und Geburtstag kann nämlich die Rentenversicherungsnummer abgeschätzt werden. Das ist dann nicht so gut.

Für Paranoiker_innen gilt natürlich: Raus aus den SocialNetworks! Für alle anderen: Viel Spaß damit, aber betrachtet Eure Daten bitte als massives Gold. Das verschenkt ihr ja auch nicht einfach, oder? Wer jetzt sagt „Doch, schon so“, dem_der sei diese Formulierung gewidmet: Deine Daten sind für Konzerne etc. wertvoller als das wertvollste, das du dir vorstellen kannst.

Weiteres
Ich bin kein Profiler. Mir wurde also keine spezielle Ausbildung zu teil um Daten und das Verhalten von Menschen zu analysieren. Solche Menschen sind aber in der Lage aus den selben öffentlichen Infos, wie ich sie verwenden kann, auf einiges mehr zu schließen. Wer jetzt bei „Profiler“ nur an Fallanalytiker_innen der Polizei denkt, vergisst allerdings die Wirtschaft. Es gibt auch Kund_innenprofiler_innen die ihr Geld dafür bekommen, herauszufinden was Menschen mit welchen Vorlieben kaufen etc.

It’s a free World

Vor einiger Zeit habe ich angefangen, mir auszumalen wie wohl eine neue Welt aussehen könnte. Damit meine ich aber nicht, wie die Gesellschaftsform oder so sein könnte oder sollte. Nein, ich meine eine richtige, komplette neue Welt. Schließlich habe ich angefangen, das ganze zu modellieren. Ich suchte Anregungen, Vorlagen, Puzzelstücke. Am Ende ist etwas heraus gekommen, was ich gar nicht mal so schlecht finde: Ein großer Kontinent! Klar, es könnte besser sein. Dafür, das ich aber kein Grafik-Mensch bin, finde ich es ganz gut. In meiner Vorstellung kreist diese Welt um den Stern Tau-Ceti, welcher ca 11,9 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternenbild des Walfisch liegt.

Gebirge, Flüsse etc. habe ich aus Faulheit nicht konsequent eingezeichnet.